Von der Dunkelheit ins Licht – unterwegs im Advent

  24.11.2023 Kirche

In wenigen Tagen beginnt die Adventszeit. Nachstehend finden Sie für jede Woche und für jeden Sonntag des Advents eine Erzählung, ein Wort aus der Bibel oder persönliche Erfahrungen und Einsichten. Diese Gedankensplitter mögen Sie inspirieren und durch die Wochen vor Weihnachten begleiten. Ich wünsche Ihnen gesegnete Tage im Advent – und frohe Weihnachten!

BRUNO BADER


Für die Woche vom 27. November
Mein Vater hat uns Kindern immer erklärt, das Wichtigste im Leben seien die Freunde. Erfolg, Geld, Anerkennung verlieren irgendwann ihren Stellenwert, und Familien haben ihre eigene Qualität und Funktion, aber helfen dir oft in komplexen Momenten nicht so sehr wie enge Freunde, sie geben dir einen anderen Halt, nicht die gleiche Ruhe, sie leihen dir nicht das gleiche Ohr. Als ich Ende der Neunzigerjahre durch eine tief verstörende Zeit ging, hat sich dieser Glaube bewahrheitet. Es waren stabil und fest meine Freundinnen und Freunde, die mich durch diese verzweifelte Phase schoben. Sie haben mir endlos zugehört, mit mir telefoniert, waren stets zur Stelle, liessen mich im richtigen Moment in Ruhe, kümmerten sich rührend um meine Kinder. Dazu sassen sie oft ruhig bei mir, haben meine Überforderung gemildert, mich aufgeheitert, mich vor mir selbst beschützt, mir keine blöden Weisheiten verkauft und auch keine sinnlosen Tipps gegeben. Vielmehr waren es ihre unmittelbare, unbedingte Zuneigung, Wärme und Stärke, ihre unaufhörliche Zuwendung und ihr Bereitstehen, die mir den Rücken gestreckt, die Seite wieder gestützt und den Himmel wieder geöffnet haben. Sie konnten mich schwach sehen, und ich musste mich nicht verstellen. Ihr schieres Da-Sein war meine Rettung, selbst ihre manchmal offensichtliche Unsicherheit, Befangenheit und Betroffenheit, vielleicht sogar gerade die, waren diese wundervolle irdische Hilfe.

Ich bin meinem Vater für seinen Ratschlag und seinen stoischen Glauben und all meinen grossartigen Freundinnen und Freunden für immer dankbar. Dies ist der Beweis, dass wir Menschen, schon allein durch unsere Anwesenheit, so viel mehr bewirken, als wir uns in unseren Zweifeln selbst zutrauen.

HERBERT GRÖNEMEYER


Für Sonntag, 3. Dezember
Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9b)

Für die Woche vom 4. Dezember
Liebe Josefine!
Es ist ein grosses Geheimnis, dass, wenn wir selber verzagt sind, oft Menschen da sind, die einen stabileren Grund unter den Füssen haben oder einen Kern in sich, dem sie trauen.

Die Menschen, denen ich nachlebe, hatten ihn aus ihrem Glauben. Sie vertrauten darauf, dass dieses Bibelwort stimmt: «Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.»

Zu hören, zu glauben, sich darauf zu verlassen, dass wir ganz zuletzt nicht mehr unserer Angst gehören, sondern Gott, dass eine stärkere Liebe existiert als die, die wir Menschen zustande bringen, das, Josefine, lässt manche Menschen Hoffnung finden, wenn andere aufgeben.

Wir können die Angst nicht aus der Welt vertreiben. Aber Gott und Menschen sei Dank – sie bleibt nicht unsere Herrin.

Weit wird das Land, wenn Menschen das glauben, und ruhig unser ängstliches Herz. Das meint, darauf hofft und das glaubt dein Grossvater.

JOACHIM GAUCK AN SEINE ENKELIN


Für Sonntag, 10. Dezember
Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21,28)

Für die Woche vom 11. Dezember
Wenn ein Vater mit seinem Kind spielt oder wenn er es tröstet, bliebt er nicht in seiner vollen Grösse vor dem Kind stehen. Er geht in die Knie, macht sich klein, begibt sich in die Lage des Kindes, ist Auge in Auge mit ihm und nimmt seinen Horizont an. Er vergisst seine Sprache und spricht die Worte, die das Kind schon versteht.

Gott geht in die Knie, er lebt das Leben aus unserer Perspektive, spricht die Sprache unseres Stammelns. Jesus, der kleine König, hat nicht einmal eine Stelle, an der er mit Anstand geboren werden kann. Der kleine König wird versteckt und heimlich ausser Landes gebracht, die Macht trachtet ihm nach dem Leben. Er ist nicht einmal einzigartig in seinem Leiden. Er ist nicht der erste Flüchtling, und er wird nicht der letzte sein. Was ihm zustösst, ist Menschen vor ihm zugestossen und wird Menschen nach ihm zustossen.

Der kleine König hat seine Insignien und Zeichen, an denen man ihn erkennt. So wird es den Hirten gesagt: «Und das sei euch ein Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.» Lächerliche Würdezeichen: Kinderwindeln und Futtertrog! Wenn sich einer eine blasphemische Verhöhnung von Glanz und Herrlichkeit Gottes ausdenken wollte, könnte er es nicht besser und ironischer tun, als Gott es in der Weihnachtsgeschichte selber getan hat.

Es ist ein fremder und zärtlicher Gedanke, dass unser Leben und die Welt nicht gerettet werden durch die Macht des Mächtigen. Die Liebe, die sich gleichmacht mit dem Geliebten, ist die erlösende Kraft.

FULBERT STEFFENSKY


Für Sonntag, 17. Dezember
Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)

Für die Woche vom 18. Dezember
Verliert euch nicht! Wenn ich heute rede, dann sage ich zuerst: Verliert euch nicht! Das kann schnell gehen. Ich weiss, wovon ich rede. Als Statthalter in Syrien, der ich damals unbedingt werden wollte, fand ich mich schnell umgeben von Papieren, Steuerlisten und Erwartungen der anderen. Eine Aufgabe hat man doch zu erfüllen, eine Rolle zu spielen, Pläne zu verfolgen. Die Zählung des Volkes stand an. Kein Mensch sollte da verloren gehen. Die Tage und auch die Nächte füllen sich schnell. Dann siehst du die Sterne nicht mehr und hörst nicht hin, wenn von Wundern erzählt wird. Und die Fantasie, die Träume und Hoffnungen, die das Leben mit sich bringt, verlieren sich auch. Zwischen den Stühlen. Zwischen den Papieren und Anforderungen. Und du merkst nicht, dass du es bist, der verloren geht, mit Herz und Seele. Es gibt so vieles, was sich eben nicht zählen und berechnen lässt.

Verliert euch nicht! Oder anders gesagt: Findet euch wieder! Die Aufgaben werden nicht verschwinden. Aber die Zwischenräume könnt ihr weiten. Dass genug Raum ist für dich. Wie Gott dich gewollt hat. Mensch mit menschlichem Antlitz. Mit einem Herz, das hüpft vor Liebe. Mit Seele, richtig Seele. Und wachsendem Mut, den Frieden auszurufen und dass ein guter Stern über allem steht. Die Geschichte vom Kind, das gekommen ist mit Licht und Liebe, habe ich erst später gehört. Aber ihr kennt sie ja schon. Gut so! Verliert euch nicht!

QUIRINIUS, STATTHALTER VON SYRIEN


Für Sonntag, 24. Dezember
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. (Lukas 2,10b.11)


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