Warum Hitze die MOB ausbremst
30.06.2026 WirtschaftVerspätungen und einzelne Zugausfälle stellten in den vergangenen Tagen auch im Saanenland die Geduld der Fahrgäste auf die Probe. Doch warum bringt eine Hitzewelle den Bahnverkehr ins Stocken? Die Antwort liegt in den Gleisen und in der besonderen Herausforderung einer eingleisigen ...
Verspätungen und einzelne Zugausfälle stellten in den vergangenen Tagen auch im Saanenland die Geduld der Fahrgäste auf die Probe. Doch warum bringt eine Hitzewelle den Bahnverkehr ins Stocken? Die Antwort liegt in den Gleisen und in der besonderen Herausforderung einer eingleisigen Bahnstrecke.
MAXIME VÖGELE
Verspätungen und einzelne Zugausfälle beschäftigten in den vergangenen Tagen Fahrgäste der MOB im Saanenland. Doch weshalb bringt eine Hitzewelle den Bahnverkehr ins Stocken? Die Antwort liegt nicht in den Zügen, sondern in den Gleisen. Warum sich Schienen bei Hitze verformen können, weshalb Züge dann langsamer fahren müssen und wie sich Verspätungen auf einer eingleisigen Strecke bis ins Saanenland übertragen können, hat die MOB auf Anfrage des «Anzeigers von Saanen» erklärt.
Gleisverwerfungen bei Hitze
Der technische Grund für hitzebedingte Einschränkungen sind mögliche Verformungen der Gleise, sogenannte Gleisverwerfungen. Die MOB erklärt auf Anfrage, dass Schienen heute durchgehend verschweisst sind. Dadurch können sie sich bei Hitze nicht frei ausdehnen. Im Inneren des Stahls entstehen Spannungen, die das Gleis – insbesondere in Kurven – seitlich verformen können.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Schotter rund um die Schwellen. Er nimmt laut MOB die entstehenden Kräfte auf und hält das Gleis stabil. Treffen jedoch mehrere Faktoren zusammen, etwa hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung oder enge Kurven, kann das Risiko einer Gleisverwerfung steigen.
Geschwindigkeitsreduktion
Werden Verformungen festgestellt, richtet die MOB auf den betroffenen Abschnitten bei Bedarf Langsamfahrstellen ein. Sie dienen dazu, dass Züge den betroffenen Gleisabschnitt sicher befahren können. «Die Einführung einer Geschwindigkeitsreduktion auf der Strecke wird fallweise entschieden, basierend auf dem tatsächlichen Zustand des Gleises und dem Ausmass der Verformungen», schreibt die MOB.
Auswirkungen bis ins Saanenland
Von hitzebedingten Massnahmen seien laut MOB besonders die Riviera-Linien in der Genfersee-Region betroffen. Dennoch können Verspätungen auch hier spürbar werden. Grund dafür ist die eingleisige Strecke: Muss ein verspäteter Zug an einem Kreuzungsbahnhof auf einen Gegenzug treffen, übernimmt dieser die Verzögerung ebenfalls. Auf ein zweites Gleis auszuweichen, ist nicht möglich. «Dadurch können sich die Verspätungen übertragen, was im Laufe des Tages zu einer progressiven Verstärkung führt», schreibt die MOB.
Unter bestimmten Umständen könne sich deshalb auch eine Verspätung, die am Genfersee entsteht, bis ins Saanenland auswirken.
Für die Strecke durchs Saanenland verweist die MOB allerdings auf Fahrplanreserven. Diese würden eingeplant, damit temporäre Geschwindigkeitsreduktionen – etwa wegen Gleisverwerfungen oder Bauarbeiten – nicht automatisch zu Verspätungen führen.
Vorbeugung der MOB
Um mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen, werden laut MOB alle Gleisabschnitte das ganze Jahr über alle zwei Wochen kontrolliert. Zusätzlich melden Lokführerinnen und Lokführer Auffälligkeiten aus dem Fahrbetrieb.
Bei angekündigten Hitzewellen richtet die MOB die Aufmerksamkeit besonders auf die Verdichtung des Schotters sowie auf erste Anzeichen von Verformungen. Begünstigt werden Gleisverwerfungen unter anderem durch starke Sonneneinstrahlung, enge Kurven oder Bereiche in der Nähe von Bahnübergängen und Brücken.
Auch andere Regionen betroffen
Dass Hitze den Bahnbetrieb beeinträchtigen kann, zeigt sich nicht nur auf dem MOB-Netz. Wie die «Berner Zeitung» berichtete, kam es zur selben Zeit auch in der Jungfrauregion und im Berner Jura zu Gleisverwerfungen. Dort führten sie zu Geschwindigkeitsreduktionen, Verspätungen und teilweise sogar zu Streckenunterbrüchen mit Bahnersatzbussen.
Ausblick
Eine Zunahme hitzebedingter Einschränkungen beobachtet die MOB derzeit nicht. Im Gegenteil: Dank Investitionen und Gleiserneuerungen seien solche Massnahmen in den vergangenen Jahren sogar zurückgegangen.
Gleichzeitig bereitet sich die Bahngesellschaft auf häufigere Hitzewellen vor. So sollen Mitarbeitende der Infrastruktur noch stärker für hitzebedingte Veränderungen sensibilisiert werden. Zudem könnten Wartungen der Klimaanlagen an den Fahrzeugen künftig früher oder intensiver durchgeführt werden, um den Fahrgastkomfort auch bei längeren Hitzeperioden sicherzustellen.

