Warum SolSarine 2.0
28.05.2024 LeserbriefeWenn ein Problem gelöst werden soll, dann packt man es am besten bei der Wurzel. So ist zumindest meine Erfahrung in der Landwirtschaft. Unser Problem ist der Winterstrom. Der Energieverbrauch im Saanenland ist immens und das Thema Nachhaltigkeit geht auch uns etwas an. Weil unsere Region im Winter durch Schneeproduktion und Seilbahnbetrieb zu den absoluten Grossverbrauchern gehört, stehen wir meiner Meinung nach in der Pflicht, unseren Beitrag zur problematischen Winterstromproduktion zu leisten und mit SolSarine 2.0 das Problem an der Wurzel zu packen. Ich denke, dass nicht nur unsere Gäste, sondern auch wir «Normalbürger» nicht auf den Wintersport und die Bergbahnen verzichten möchten, und folglich sind wir mitverantwortlich für den fehlenden Winterstrom. All unsere Hausdächer sind meiner Ansicht nach nur bedingt eine Alternative, da der Schnee in den Dörfern sogar auf vollflächigen Solaranlagen oft tagelang nicht von den Panels abrutscht und erst recht nicht von Dächern mit Schneefängern oder Ziegelrandstreifen. Deshalb denke ich, ist es sinnvoll, die steil gestellten Panels, bei welchen der Schnee rasch abrutscht, an erhöhter Lage (über der Nebelgrenze) aufzustellen und auf diese Weise wirklich viel Energie zu produzieren. Die Schneereflektion erhöht den Stromertrag der doppelseitigen Paneele sogar noch um einiges, was Messungen am Hornberg bestätigen.
Die umstrittene Frage, schöne Landschaft zu verbauen, lässt natürlich auch mich nicht kalt. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob bei den immer heisseren Sommertagen den Tieren damit in Form von Schatten nicht sogar ein Gefallen getan würde? Eine Beweidung und somit die landwirtschaftliche Nutzung ist an den betroffenen Standorten nach wie vor möglich. Und nicht zu vergessen ist, wie mancher Alpbetrieb durch SolSarine 2.0 mit Strom erschlossen werden kann, was den Verzicht auf Dieselgeneratoren bedeutet.
Um ein Problem zu lösen, braucht es oft Mut zu neuen Wegen und eine gesunde Kompromissbereitschaft. Mit SolSarine 2.0 haben wir am 7. Juni eine letzte grosse Chance, im Saanenland ein Zeichen für die Energiewende zu setzen. Gleichzeitig erlangen wir ein Stück Unabhängigkeit für unsere Region und wirken dem inländischen Winterstrommangel entgegen. All dies könnte meines Erachtens für unsere erfolgsverwöhnte Destination sehr wichtig sein. Einen befristeten Kompromiss einzugehen, um nach besseren Lösungen zu suchen, erachte ich als nachhaltig.
Von der Region für die Region mit einem Ja zu SolSarine 2.0.
THOMAS SCHLÄPPI, GRUND
