Was bewegt Lauenen?
09.06.2026 LauenenDie Traktanden an der Gemeindeversammlung von Lauenen waren rasch abgearbeitet, die Diskussionen kamen erst danach. Unter «Verschiedenes» sorgte vor allem die geplante Gefahrenkarte für kritische Stimmen. Daneben informierte die Gemeinde über die Entwicklung der Schule sowie über ...
Die Traktanden an der Gemeindeversammlung von Lauenen waren rasch abgearbeitet, die Diskussionen kamen erst danach. Unter «Verschiedenes» sorgte vor allem die geplante Gefahrenkarte für kritische Stimmen. Daneben informierte die Gemeinde über die Entwicklung der Schule sowie über Investitionen in die Wasserversorgung im Gebiet Trüttli.
SONJA WOLF
Weshalb sorgt die Gefahrenkarte für Kritik?
Für die längste Diskussion des Abends sorgte ein Thema, das gar nicht auf der Traktandenliste stand.
Unter «Verschiedenes» äusserten mehrere Bürger Kritik an der überarbeiteten der Gefahrenkarte. Diese wurde von einem spezialisierten Fachbüro erstellt und zeigt auf, wo Risiken durch Naturgefahren wie Hochwasser, Rutschungen, Murgänge oder Lawinen bestehen.
Die Kritik richtete sich weniger gegen die Gefahrenkarte an sich als gegen deren Auswirkungen. Ein Bürger kritisierte, der Entwurf enthalte Fehler, weil das Fachbüro lokale Gegebenheiten zu wenig berücksichtigt habe. Befürchtet wird, dass Grundstücke künftig in Gefahrenzonen sind, obwohl für einzelne Parzellen gar keine konkrete Gefahr bestehe. Für Bauvorhaben könnten dadurch zusätzliche Auflagen oder teure Gegengutachten nötig werden. Brisant ist dabei: Obwohl die Karte noch nicht in den Zonenplan integriert wurde, ist das Gutachten laut Gemeindeverwaltung bereits jetzt massgebend für die Beurteilung von Baugesuchen.
Mehrere Votanten regten deshalb an, die Gefahrenkarte von der restlichen Ortsplanungsrevision zu trennen. Sie befürchten, dass ein ansonsten breit abgestütztes Planungspaket wegen der umstrittenen Gefahrenkarte an der Urne scheitern oder unnötig verzögert werden könnte. Die Gemeindepräsidentin Ruth Oehrli sicherte zu, diese Bedenken in die weiteren Überlegungen einzubeziehen.
Was gibt es Neues von der Schule Lauenen?
Die Schule war bereits vor einem Jahr Thema an der Gemeindeversammlung. Damals sorgten mehrere Kündigungen von Lehrpersonen, die Suche nach einer stabilen Schulleitung und Fragen zur Kompetenzverteilung zwischen Schulkommission und Schulleitung für Diskussionen. Unter «Verschiedenes» informierte nun Brigitte Klenk, Ressortleiterin Bildung und Präsidentin der Schulkommission, über die laufende Schulentwicklung. Inzwischen seien entscheidende Rahmenbedingungen geschaffen worden. Die Schule verfügt nun über eine klare Strategie, ein neues Schulsekretariat sowie ein offizielles Schulreglement. Letzteres wurde von der Schulkommission zusammen mit einem Berater der PH Bern erarbeitet, um die kantonalen Vorgaben korrekt zu integrieren. Es liegt seit dem 3. Juni öffentlich auf und ist online einsehbar; es unterliegt dem fakultativen Referendum. Vergangene Woche wurden zudem die Eltern über die Entwicklung der Schule informiert. Anwesend waren laut Klenk auch eine Vertretung des Schulinspektorats und der PH Bern.
Auf Anfrage dieser Zeitung erläuterte Klenk nach der Versammlung weitere Details. Ab dem neuen Schuljahr ist Nina Bergmann, die zuvor Mitglied der Schulkommission war, die neue Schulleiterin und startet eine entsprechende Ausbildung. Brigitte Klenk formulierte vorsichtig optimistisch: «Wir hoffen, die Schule kommt nun ein wenig zur Ruhe».
Ein besonderes Zeichen ist die Rückkehr von Patrizia Nyffeler an die Lauener Schule. Die Lehrerin hatte sich an der GV vor einem Jahr kritisch zur Situation geäussert. An der Gemeindeversammlung liess sie nun einen Brief verlesen, in dem sie die nun geschaffenen «positiven Rahmenbedingungen» lobte und sich für die eingeleiteten Schritte bedankte.
Warum investiert die Gemeinde über eine halbe Million Franken in eine Wasserleitung?
Serge Jungi, Ressortchef Infrastrukturen, legte dar, warum Investitionen in die Wasserleitung Geltenhorn-Trüttli unumgänglich sind.
Die bestehende Leitung verläuft teilweise durch ein Gebiet mit Rutschungen. Gleichzeitig sind Teile des Leitungssystems stark veraltet, und Ersatzmaterial für Reparaturen wird zunehmend schwieriger zu beschaffen.
Mit dem Projekt soll eine neue Leitung erstellt werden, welche die Versorgungssicherheit der Ferienhauszone Trüttli und Fang sowie des Gebiets Rohrbrücke verbessert. Die bestehende Transportleitung bleibt dabei bestehen. Ziel ist es, auch bei einem Ausfall einer Leitung die Wasserversorgung aufrechterhalten zu können.
Die Stimmberechtigten genehmigten den Verpflichtungskredit von 511’500 Franken einstimmig.
Wie steht die Gemeinde finanziell da?
Finanziell kann die Gemeinde auf ein erfreuliches Jahr zurückblicken. Statt des budgetierten Defizits schloss die Jahresrechnung 2025 mit einem Gewinn von rund 185’000 Franken ab. Verantwortlich dafür waren insbesondere deutlich höhere Steuererträge als erwartet. Allein bei den Einkommenssteuern nahm die Gemeinde rund 700’000 Franken mehr ein als budgetiert. Auch Vermögens- und Quellensteuern fielen höher aus.
Trotz höherer Ausgaben unter anderem im Bildungsbereich und beim Personalaufwand resultierte damit ein positives Ergebnis. Die Jahresrechnung wurde von den 32 anwesenden Stimmberechtigten einstimmig genehmigt.
Welche weiteren Geschäfte wurden beschlossen?
Ohne Diskussion genehmigt wurden der Nachkredit für die Sanierung der Schulhausküche, die Erhöhung des jährlichen Gemeindebeitrags an die Sportzentrum Gstaad AG von bisher 21›000 auf neu 35›000 Franken sowie die Anschaffung eines neuen Atemschutzfahrzeugs für die Feuerwehr.



