Im Theaterstück, mit dem die Theatergruppe «Alpekomedi» am Freitagabend Premiere feierte, baute sich ein nervenaufreibendes Katz- und Mausspiel auf, das von seinen unterschiedlichen Figuren, immenser Spielfreude und dicht gestreuter Situationskomik lebte.
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Im Theaterstück, mit dem die Theatergruppe «Alpekomedi» am Freitagabend Premiere feierte, baute sich ein nervenaufreibendes Katz- und Mausspiel auf, das von seinen unterschiedlichen Figuren, immenser Spielfreude und dicht gestreuter Situationskomik lebte.
JENNY STERCHI
Es wurde geschimpft, gescherbelt, gelacht, geküsst und ausgerastet auf der Bühne. Ausserdem wurde mit Wissen nicht gegeizt. Oder wussten Sie, dass die Polenta ihren Ursprung eigentlich in Polen und nicht, wie bis anhin bekannt, in Italien hat? Oder dass Warschau auch das Venedig Polens genannt wird? Das behauptete zumindest die Figur Olga Kosslowski, die gemeinsam mit den beiden anderen Titelfiguren quasi im Theaterstück ein Theater aufführte. Man nennt es auch Metadrama, oder in diesem Fall eine Metakomödie.
In der aktuellen Produktion «Le Coup des femmes – Die Glücklichste sy die Ahnigslose», welche die Theatergruppe «Alpekomedi» noch bis am 25. April in Gsteig aufführen wird, müssen die drei Titelfiguren Vivienne, Gabi und Linda nach einem Bankraub zunächst mal die Nerven behalten. Schwierig! Denn Linda wird am Tatort vergessen und das Fluchtauto streikt früher als angenommen. Und weil das alles so neu ist für die drei Damen, müssen sie Theater spielen, um sich nicht zu verraten. Die Situation wird nicht einfacher, als die überaus neugierige Nachbarin Maria Breitenmoser, ein leicht melancholischer Kommissar und ein offensichtlich gewaltbereiter Mafioso die Bühne betreten. Und immer wieder gerät Viviennes Ehemann in das theatralische Durcheinander – und ist völlig ahnungslos. Ob er dahinterkommt oder die Damen auffliegen, wird nicht verraten. Das Publikum der gut besuchten Premiere war jedenfalls hörbar gut unterhalten.
Es war ein Vergnügen, den Darstellerinnen und Darstellern dabei zuzuschauen, wie sie in ihre Rolle «rutschten» und als diese Figur auf alles, was passierte – auch das Unverhoffte – reagierten. Ob der Plüschtiger am Boden tatsächlich im Stück eingebaut ist oder vielmehr als eine Hommage an die Aufführung von «Dinner for one», die nunmehr 30 Jahre zurückliegt und der Theatergruppe «Alpekomedi» ein Jubiläum beschert, gemeint ist, bleibt reine Spekulation. Die Idee dazu hatte Joelle Matti, die zum einen als Teil des Regieteams Ideengeberin in der Erarbeitung des Stücks wirkte. Zum anderen steht sie als frankophile Vivienne selbst auf der Bühne. «Wir haben uns da in der Regiearbeit sehr gut ergänzt», sagte sie auf Anfrage. Auf die Frage, welches Ziel die Theatergruppe mit der Auswahl dieses Stückes verfolge, betonte sie: «In erster Linie wollen wir damit unterhalten, mögen es aber sehr gerne, wenn darüber hinaus auch ein bisschen diskutiert wird. Sozialkritischer Austausch ist ja gefragter denn je!»