Neuer Präsident für den Wasserngrat – und grosse Fragen für die Zukunft
03.03.2026 GstaadDie Wasserngrat 2000 AG steigert den Umsatz leicht und verbessert das operative Ergebnis, schreibt jedoch erneut einen kleinen Verlust. An der Generalversammlung stand neben den Zahlen vor allem der Generationenwechsel im Zentrum: Antoine Spillmann übernimmt das Präsidium ...
Die Wasserngrat 2000 AG steigert den Umsatz leicht und verbessert das operative Ergebnis, schreibt jedoch erneut einen kleinen Verlust. An der Generalversammlung stand neben den Zahlen vor allem der Generationenwechsel im Zentrum: Antoine Spillmann übernimmt das Präsidium – und will den traditionsreichen Berg fit für eine Zukunft auch ohne Schnee machen.
MARCO KELLENBERGER
Im Hotel Arc-en-Ciel in Gstaad hat die Wasserngrat 2000 AG an ihrer 26. Generalversammlung die Weichen neu gestellt. Neben soliden Geschäftszahlen stand vor allem ein personeller Wechsel im Zentrum – und die strategische Frage, wie sich der traditionsreiche Berg langfristig positionieren will.
Mehr Umsatz – aber erneut ein Verlust
Die Aktionäre hatten wenig Anlass zu Diskussionen. Die statutarischen Traktanden wurden zügig abgehandelt, das Protokoll einstimmig genehmigt.
Finanziell blickt die Gesellschaft auf ein durchzogenes, aber stabiles Jahr zurück. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf rund 1,325 Millionen Franken – nicht zuletzt dank eines etwas höheren Beitrags des Eagle Clubs. Die Kosten blieben insgesamt unter Kontrolle. Auffällig ist der Rückgang der Personalkosten um rund 15 Prozent. Gleichzeitig erhöhte sich jedoch der Energie- und Entsorgungsaufwand um rund 23 Prozent – mit knapp 175'000 Franken mittlerweile der zweitgrösste Ausgabenposten.
Verwaltungsratspräsident Philippe Gudin rechnet damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird: Energie dürfte kaum günstiger werden, und der Bedarf an technischer Beschneiung nehme weiter zu.
Operativ resultierte ein deutlich verbessertes Ergebnis: Der EBITDA kletterte um 63 Prozent auf rund 348’800 Franken. Unter dem Strich blieb nach Abschreibungen, Finanzaufwand und Steuern jedoch erneut ein Jahresverlust von rund 34’000 Franken. Immerhin: Der Cashflow fiel leicht positiv aus.
Für Gudin ist klar, dass das nicht genügt. Es gelte, «den Trend umzukehren und eine Lösung zu finden, um den Wasserngrat auch ohne Schnee immer attraktiver zu machen». Die Jahresrechnung wurde einstimmig genehmigt, der Verlust auf neue Rechnung vorgetragen.
Magic Pass: Sommer besser, Winter unklar
Auch die Auswirkungen des Magic Pass waren Thema. Sowohl der bisherige Verwaltungsratspräsident als auch Geschäftsführer Ivo Paroni wollten sich jedoch nicht auf konkrete Prognosen festlegen. Noch sei es zu früh für belastbare Zahlen.
Der Sommer sei «sicherlich etwas besser» verlaufen. Im Winter hingegen zeige sich ein verändertes Kaufverhalten: Morgens würden deutlich weniger Einzeltickets verkauft, da viele Gäste bereits im Besitz eines Magic Pass seien. Paroni geht davon aus, dass der Jahresumsatz in etwa stabil bleiben dürfte.
Blick auf 2039: neues Projekt in Planung
Kurzfristig sind keine grösseren Investitionen vorgesehen. Langfristig hingegen ist Bewegung in Sicht. 2039 läuft die Betriebserlaubnis der Bahn aus. In Zusammenarbeit mit dem Eagle Club arbeitet die Gesellschaft bereits an einem Projekt, das die künftige Nutzung von Bahn und Skipisten neu definieren soll.
Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: Heute übersteigen die Kosten für die Pistenpräparierung jene für den eigentlichen Transport auf den Berg. An der nächsten Generalversammlung soll den Aktionären ein umfassendes Zukunftspaket präsentiert werden.
Generationenwechsel an der Spitze
Emotionaler Höhepunkt der Versammlung war das Traktandum Wahlen. Aufgrund der Altersregelung – Verwaltungsräte scheiden mit 70 Jahren aus – musste ein neuer Präsident bestimmt werden.
Die Wahl fiel auf Antoine Spillmann, der vom Verwaltungsrat vorgeschlagen und von der Versammlung unter grossem Applaus gewählt wurde. Als Ersatz für Philippe Gudin zieht Alexis de Dietrich in den Verwaltungsrat ein – ebenfalls mit deutlicher Zustimmung.
Nach der Würdigung von Gudins Verdiensten und der Übergabe eines Dankesgeschenks richtete Spillmann das Wort an die Anwesenden. Der Enkel eines Gründungsmitglieds erinnerte daran, dass die Bahn im April 2026 ihr 80-jähriges Bestehen feiern kann – keine Selbstverständlichkeit in einer Branche im Umbruch.
«Wir haben acht Jahrzehnte überstanden, weil wir es geschafft haben, eine Familie, einen Verein, eine Gesellschaft und eine Region um eine gemeinsame Vision zu vereinen. Der Wasserngrat ist nicht einfach nur eine Sesselliftanlage. Er ist lebendige Geschichte, eine Skikultur, ein Familiengeist und eine kollektive Energie.»
Er freue sich, die Verantwortung als «fast Einheimischer», Mitglied des Eagle Clubs und ehemaliger Roseyer, zu übernehmen. Zum Abschluss dankte er auch Geschäftsführer Ivo Paroni, der die Geschicke des Unternehmens seit drei Jahren leitet.
Die T&R Oberland AG wurde für ein weiteres Jahr als Revisionsstelle bestätigt.
Beim anschliessenden Apéro diskutierten die Aktionäre bereits angeregt weiter – über Energiepreise, Schneesicherheit und die Frage, wie der Wasserngrat auch in Zukunft ein fester Bestandteil der regionalen Identität bleiben kann.





