Wegen Baumkrankheiten und Hochwasser: An der Saane wird gesägt
24.04.2026 UmweltEntlang der Saane und ihren Nebenbächen wurde die letzten Wochen geholzt. Dabei sind Rottannen am Ufer unerwünscht, Eschen dagegen schon – wenn sie nicht von einem Pilz befallen wären. Die Holzarbeiten dienen dem Hochwasserschutz und der Verjüngung der ...
Entlang der Saane und ihren Nebenbächen wurde die letzten Wochen geholzt. Dabei sind Rottannen am Ufer unerwünscht, Eschen dagegen schon – wenn sie nicht von einem Pilz befallen wären. Die Holzarbeiten dienen dem Hochwasserschutz und der Verjüngung der Uferböschung.
Warum entlang der Saane Bäume gefällt werden
An der Saane und ihren Nebenbächen wurden in den vergangenen Wochen Bäume gefällt. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Neben dem Hochwasserschutz spielt auch das Eschentriebsterben eine Rolle.
JONATHAN SCHOPFER
Wer in den letzten Wochen im Saanenland entlang der Saane spazierte, stellte fest, dass an manchen Stellen Bäume gefällt wurden. So auch etwa beim Chalberhönibach – der Bach, welcher in die Saane mündet und 2010 Schäden verursachte, da er über die Ufer getreten war.
Auf Anfrage erklärt Ruedi Hefti, Schwellenmeister der Gemeinde Saanen, dass die genannten Arbeiten wegen den künftigen Hochwasserschutzbauten gemacht wurden. Schon länger war der Ausbau der Gemeindestrassen und Brückenneubauten im Rübeldorf geplant gewesen. Aufgrund mehrerer Einsprachen gegen das Projekt habe sich das Vorhaben verzögert, so Hefti. Inzwischen seien diese jedoch geregelt worden. «Im nächsten Herbst beginnt das Bauprojekt.»
Verjüngung des Waldes
Auch andernorts wurden punktuell Uferböschungen ausgeholzt. So wurde etwa entlang der Gschwendstrasse in Gstaad oder an der Gsteigstrasse im Grund Holz geschlagen. «Hier haben wir den Wald verjüngt», sagt Hefti. Solche Massnahmen werden an denselben Abschnitten alle sieben Jahre wiederholt. «Wir entnehmen gezielt verschiedene Baumarten, sodass auch Sträucher Platz haben.» Der Präsident der Schwellenkorporation, Klaus Mösching, erklärt, dass die Rottanne oft herausgenommen werde. «Bei Überschwemmungen richtet vor allem die Rottanne Schäden an, da sie flach wurzelt und dadurch leicht umkippt.» Ziel sei schlussendlich ein vielfältiger Waldbestand mit Bäumen, der Monokulturen vorbeuge. «Diese Vegetationsschicht ist wichtig für die Qualität des Ufers.»
Sorgenbaum Esche
Ein weiterer Grund für die Arbeiten ist eine Baumkrankheit: «Wegen des Eschentriebsterbens, das von einem Pilz verursacht wird, müssen immer wieder Eschen gefällt werden.» Der Schadorganismus Hymenoscyphus fraxineus, der aus Ostasien stammt, wird seit mehreren Jahren bekämpft. Laut Bundesamt für Umwelt (BAFU) wurde der Pilz erstmals 2008 im Kanton Basel registriert. Man geht davon aus, dass zurzeit in der Schweiz 90 bis 95 Prozent der Eschen betroffen sind. Einen Hoffnungsschimmer gibt es laut BAFU dennoch: Manche Eschen sind resistent gegen den Pilz. Diese werden gesucht und gezüchtet.
Auch Hefti betont, dass diese Baumart für den Wald wichtig sei und bedauert das Eschensterben. «Die Esche ist eigentlich ein robuster Baum mit tiefer Verwurzelung, welche die Böschung festigt.»
Brennholz für die Fernwärme
Das gesammelte Holz rund um die Saane wird verwendet: «Wir haben in den letzten Wochen rund 700 Kubikmeter Holz zu Schnitzeln verarbeitet. Diese werden nun für die Fernwärme in Saanen genutzt.» Weitere rund 100 Kubikmeter werden unter anderem als Stückholz ein bis zwei Jahre trockengelagert.
Darf man eigentlich selbst Hand anlegen?
Auf die Frage, ob Landbesitzer selbst Bäume entlang des Baches fällen dürfen, verneint Hefti. «Eigenmächtige starke Eingriffe in die Uferbestockung sind in der Regel nicht erlaubt.» Laut Bafu darf das Abholzen des Waldes nur mit einer Bewilligung erfolgen. «Wenn wir Bäume für das Fällen auswählen und markieren, geschieht das in der Regel zusammen mit Fachpersonen, etwa mit dem Förster», so Hefti.
WAS TUN BEI BEFALLENEN ESCHEN?
Das Eschentriebsterben ist in der Schweiz weit verbreitet. Wer im Wald kranke Eschen beobachtet, sollte nicht selbst eingreifen. Das heisst, keine eigenständigen Fällarbeiten: Eingriffe im Wald sind laut eidgenössischem Gesetz bewilligungspflichtig. Bei Unsicherheit kann der zuständige Förster oder die Gemeinde informiert werden. Absterbende Eschen können instabil sein, insbesondere bei Wind, deshalb ist ein Sicherheitsabstand ratsam.
JSC






