Zwischen Pfauenfeder und Papageienkäfig, zwischen Tradition und Fantasie: Die Scherenschnittausstellung von Elisabeth Bottesi und dem kürzlich verstorbenen Emmanuel Fornage zeigt in Château-d’Oex eindrucksvoll, wie modern, farbenreich und grenzenlos diese Kunstform ...
Zwischen Pfauenfeder und Papageienkäfig, zwischen Tradition und Fantasie: Die Scherenschnittausstellung von Elisabeth Bottesi und dem kürzlich verstorbenen Emmanuel Fornage zeigt in Château-d’Oex eindrucksvoll, wie modern, farbenreich und grenzenlos diese Kunstform sein kann.
MARTIN GURTNER-DUPERREX
Scherenschnittliebhaber im In- und Ausland kennen Elisabeth Bottesis Markenzeichen seit Jahrzehnten: aus farbigen Papieren geschnittene und kunstvoll geschichtete Blätter, die an schillernde Pfauenfedern erinnern. Häufig bilden sie die Zier mächtiger Bäume, die das ornamentale Zentrum ihrer dreidimensional wirkenden Kompositionen mit traditionellen ländlichen Szenen bilden. Doch Bottesi beschränkt sich längst nicht mehr darauf: Das charakteristische Federmotiv taucht ebenso in überraschend modern anmutenden Arbeiten auf, etwa in einer städtischen Szenerie oder in der leuchtenden «Komposition in Rot». Davon zeugt die aktuelle Ausstellung im Museum des Pays-d’Enhaut & Schweizer Scherenschnitt-Zentrum in Château-d’Oex, welches die Werke der in Gstaad aufgewachsenen Künstlerin und des französischen Scherenvirtuosen Emmanuel Fornage zusammen ausstellt.
Der Lehrer aus Troyes, der kurz vor der Vernissage am 4. April unerwartet verstorben ist, wurde vor allem durch seine meist symmetrischen schwarzweissen Illustrationen von Fabeln und Märchen bekannt – kein Wunder, hatte er das Handwerk doch vor über zwanzig Jahren im Pays-d’Enhaut erlernt. Wie Bottesi hat jedoch auch Fornage die Grenzen der Tradition mit sichtbarem Gusto überschritten. Mehrfarbige Werke wie «Fonds sous marin» (Unterwasserwelt), «Amazonie» oder «Cage aux perroquets» (Papageienkäfig) zeigen einen Künstler, der Papier nicht bloss präzise schnitt, sondern daraus ganze Fantasiewelten geschaffen hat.
Die Ausstellung wurde bis zum 5. Juli verlängert: Elisabeth Bottesi/Emmanuel Fornage, Musée du Pays-d’Enhaut & Schweizer Scherenschnitt-Zentrum, Château-d’Oex, täglich geöffnet von 13.30–17.30 Uhr (Sonntag geschlossen).