Beschädigte oder nicht korrekt zurückgelassene Herdenschutzzäune sorgen bei Familie Rubin für Frust. Die Ziegenhalterfamilie aus Schönried appelliert an Wandernde, Weidezäune so zu hinterlassen, wie sie diese antreffen.
JONATHAN SCHOPFER
«Hinuntergedrückte, ...
Beschädigte oder nicht korrekt zurückgelassene Herdenschutzzäune sorgen bei Familie Rubin für Frust. Die Ziegenhalterfamilie aus Schönried appelliert an Wandernde, Weidezäune so zu hinterlassen, wie sie diese antreffen.
JONATHAN SCHOPFER
«Hinuntergedrückte, aufgeschnittene oder abgelegte Netze haben wir schon alles erlebt», teilt Helen Rubin mit. Für die Familie Rubin gehört der Herdenschutz zum Alltag. Weil sie Ziegen hält, muss sie ihre Tiere gemäss den geltenden Vorgaben schützen. Werden diese nicht eingehalten, besteht im Schadenfall das Risiko, dass gerissene Tiere nicht entschädigt werden.
105 Zentimeter Höhe und 3000 Volt Spannung
«Wenn Leute über den Zaun steigen, ihn hinunterdrücken und so zurücklassen, dass die Netze den Boden berühren, ist die Mindesthöhe nicht mehr gegeben und die Spannung wird verringert.» Laut der Familie muss der Zaun mindestens 105 Zentimeter hoch sein und eine Spannung von 3000 Volt aufweisen.
Der Herdenschutz bedeute für Ziegenhalter ohnehin zusätzliche Arbeit und Mehrkosten, schreibt die Familie. Gerade im Sömmerungsgebiet seien die Anforderungen hoch. Sie appelliert deshalb an Wandernde, die Zäune so zu hinterlassen, wie sie diese vorgefunden haben. «Es geht nicht nur um Vorschriften, sondern auch um die Tiere selbst. Obschon unsere Tiere Nutztiere sind, hängt unser Herz an ihnen.» Die älteste Ziege der Herde begleite die Familie seit zehn Jahren. «Es wäre kein schöner Anblick, sie gerissen auf der Weide zu finden.»
Erst kürzlich habe die Familie im Grischbach einen Luchs gesichtet. «Ein hinuntergedrücktes Netz kann ein Raubtier leichter überwinden.» Auch der Wolf gehöre für viele Tierhalterinnen und Tierhalter im Berggebiet längst zur Realität. «Mit dem Wolf leben zu müssen, bedeutet für uns als Familie, Herdenschutz zu betreiben.» Dabei sei sie auch auf die Mithilfe jener Menschen angewiesen, die sich im Weidegebiet bewegten.
«Ein Zaun kann einen Wolf nicht in jedem Fall abhalten»
Bei der Landwirtschaftlichen Vereinigung Saanenland (LVS) sei das Thema beschädigter oder nicht korrekt zurückgelassener Zäune derzeit kein Verbandsthema, sagt Präsident David Perreten auf Anfrage. «Es kommt halt auch immer auf den Ort der Weide an.»
Den Frust der betroffenen Tierhalterinnen und Tierhalter könne er dennoch nachvollziehen. «Zauntechnisch ist der Herdenschutz recht kompliziert», sagt Perreten. Je nach Weide sei bereits das fachgerechte Aufstellen der Zäune schwierig.
Einen vollständigen Schutz allein durch die Bezäunung hält er jedoch für unrealistisch. «Der Wolf lernt schnell kleinste Schwachstellen auszunutzen, sobald im Saanenland sich ein Rudel bildet, wird der Herdenschutz sehr schwierig werden», sagt er. «Ein Zaun kann einen Wolf nicht in jedem Fall abhalten.»
Positiv beurteilt Perreten die Beschilderung von Gstaad Saanenland Tourismus (GST). Die Tafeln machen Wanderinnen, Wanderer und Velofahrende darauf aufmerksam, wie sie sich in Weidegebieten verhalten sollen.
Mit Sensibilisierung zur respektvollen Koexistenz
Auf Anfrage dieser Zeitung sagt Simone Oehrli von der Abteilung Infrastruktur bei GST: «Die Beschilderung ist gemeinsam mit verschiedenen Interessengruppen entwickelt worden.» Daran beteiligt gewesen seien unter anderem die Landwirtschaftliche Vereinigung, die Standortgemeinden, die Bergbahnen, weitere Vereinigungen und BEBike. «Ziel ist es, die Gäste für das richtige Verhalten auf und neben den Weiden zu sensibilisieren.» Die geltenden Verhaltensregeln würden mehrheitlich eingehalten und auch die Koexistenz auf den Wegen funktioniere gut, so Oehrli.