Wenn ein Millionen-Ertragsüberschuss Sorgenfalten bereitet…
02.06.2026 PolitikAn der Gemeindeversammlung in Gsteig wurden alle Traktanden diskussionslos genehmigt. Darunter die Rechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von 3,26 Millionen Franken abschliesst sowie die Erhöhung des jährlich wiederkehrenden Gemeindebeitrags an die Sportzentrum Gstaad ...
An der Gemeindeversammlung in Gsteig wurden alle Traktanden diskussionslos genehmigt. Darunter die Rechnung, die mit einem Ertragsüberschuss von 3,26 Millionen Franken abschliesst sowie die Erhöhung des jährlich wiederkehrenden Gemeindebeitrags an die Sportzentrum Gstaad AG. Aufgrund von Amtszeitbeschränkung und einer Demission sind auf Januar 2027 zwei Vakanzen im Gemeinderat zu besetzen.
ANITA MOSER
27 Stimmberechtigte (was 4,35 Prozent der insgesamt 644 Stimmberechtigten entspricht) – darunter alle neun Mitglieder des Gemeinderats sowie zwei Verwaltungsangestellte – fanden am Freitagabend den Weg in die Mehrzweckhalle zur ordentlichen Gemeindeversammlung. Ohne Wortmeldung wurde die von Finanzverwalter Karl Graa erläuterte Jahresrechnung 2025, die statt mit einem erwarteten Aufwandüberschuss von knapp 661’000 Franken mit einem Ertragsüberschuss von rund 3,26 Millionen abschliesst, genehmigt. Eigentlich sollte ein solches Ergebnis – fast ein Rekordergebnis – Freude bereiten, so der Finanzverwalter. Seine Freude ob diesem Resultat sei aber an einem kleinen Ort. Was Karl Graa vor einem halben Jahr angedeutet hatte, ist nun Tatsache.
Wegzug eines guten Steuerzahlers
«Die Auswirkungen des Wegzugs eines sehr guten Steuerzahlers hallen nach und werden weitere Jahre ihre Spuren hinterlassen», betonte Karl Graa an der Gemeindeversammlung im Dezember 2025. Durch die nachträgliche, definitive Steuerveranlagung von diesem mittlerweile weggezogenen Sonderfall habe man die sehr hohen Steuererträge erfolgswirksam verbuchen müssen, erklärte Graa am Freitagabend den anwesenden Stimmberechtigten. Die Erträge seien aber grösstenteils bereits in den Vorjahren geflossen und hätten der Gemeinde zu sehr guter Liquidität verholfen. Mit der definitiven Steuerveranlagung seien im Rechnungsjahr hohe Steuerrückzahlungen fällig geworden. «Das hat unser Rechnungsresultat ziemlich durcheinandergebracht und auch etwas verfälscht», so Graa. Die Gemeinde weise zwar ein gutes Rechnungsergebnis aus, habe aber Ende Jahr trotzdem rund 664’000 Franken weniger an flüssigen Mitteln.
«Vergessen wir nicht, dass es sich sowohl beim Ertragsüberschuss als auch beim Bilanzüberschuss um Buchwerte handelt, die leider nicht in Form von Geld zur Verfügung stehen», so Graa.
Wo Sonne ist, ist auch Schatten
Dieser Schatten habe sich deutlich bemerkbar gemacht durch stark gestiegene Zahlungen in den Disparitätenabbau unter den Gemeinden und den gekürzten geo-topografischen Zuschuss. «Unsere Liquidität sank und sinkt. Schlussendlich wird sie es sein, die uns zu einer allfälligen Korrektur der Steueranlage bewegen wird», heisst es in der Informationsbroschüre.
Erhöhung des Gemeindebeitrages an die Sportzentrum Gstaad AG
Seit 2022 unterstützt die Gemeinde Gsteig das Sportzentrum mit jährlich 24’000 Franken. Infolge stark gestiegener Energiepreise und unerwartet höherer Betriebskosten seien in den Jahren 2023 bis 2025 zusätzliche Unterstützungsgelder – zwischen 3000 und 6000 Franken – gesprochen worden, jedoch immer in Form von ausserordentlichen Beiträgen, erläuterte Gemeinderat Marius Frank. «Das soll nicht zur Gewohnheit werden.» Der Gemeinderat von Saanen habe die Sportzentrum Gstaad AG ersucht, mit den Aussengemeinden Verhandlungen aufzunehmen, damit sich diese an den höheren und stetig steigenden Betriebskosten ebenfalls beteiligten, so Frank.
Aufgrund der höheren Betriebskosten und Personalaufwände sowie im Vergleich mit dem von der Gemeinde Saanen zu leistenden Gemeindebeitrag von ca. 1,2 Millionen Franken erachte der Gemeinderat eine Erhöhung des jährlich wiederkehrenden Beitrags um 11’000 Franken auf 35’000 Franken ab dem Geschäftsjahr 2026/27 als angebracht. Alle profitierten von einem attraktiven und vielfältigen Sportangebot der Sportzentrum Gstaad AG, so auch die Gsteiger Schulklassen, welche das Hallenbad, die Curlinganlage, die Eisbahn sowie die Minigolfanlage kostenlos benützen könnten.
Er fände es angezeigt, wenn sich nicht nur die Gemeinden mit immer höheren Beiträgen beteiligen müssten, sondern auch die Nutzer:innen, betonte ein Stimmberechtigter und wollte wissen, ob eine Erhöhung der Eintritte zur Debatte stehe. Aufgrund der steigenden Kosten werde man die Preise auf November 2026 anheben müssen, antwortete Cornelia Walker, Gemeinderätin und Geschäftsführerin der Sportzentrum Gstaad AG. «Aber in einer Grössenordnung, dass weiterhin alle die Möglichkeit haben, das Sportzentrum zu besuchen.»
Ohne weitere Wortmeldung genehmigte die Versammlung die Erhöhung des jährlichen Beitrags.
Zwei Vakanzen per Ende Jahr
Nach zwölf Jahren im Amt scheidet Gemeinderatsvizepräsident Toni Bühler aufgrund von Amtszeitbeschränkung per Ende Jahr aus dem Rat aus. Und Gemeinderat Steffen Nischan hat aus beruflichen Gründen nach sieben Jahren im Amt auf Ende Jahr seine Demission eingereicht. «Das heisst, wir brauchen auf Januar 2027 zwei neue Ratsmitglieder», betonte Gemeindepräsidentin Barbara Kernen. Die Ausschreibung erfolge im «Amtlichen Anzeiger Saanen» im Laufe dieses Monats. «Es macht meistens Spass», schmunzelte Barbara Kernen, «das Amt ist sehr interessant und abwechslungsreich. Bitte helft uns mit, die Zukunft des Gemeinderates und der Gemeinde mitzugestalten.»
Postautohaltestelle verschoben
Ihm sei aufgefallen, dass die Postautohaltestelle bei der Grundbrücke verschoben worden sei und er frage sich, ob das Trottoir, für das man einen Gemeindebeitrag von 82’000 Franken gesprochen habe, überhaupt noch notwendig sei, fragte ein Anwesender. Die Gemeinde sei von der Versetzung der Postautohaltestelle auch überrascht worden, antwortete Barbara Kernen. Die Versetzung sei aus Sicherheitsgründen erfolgt, was durchaus nachvollziehbar sei. Erstaunt habe jedoch schon, dass die Gemeinde von den Zuständigen nicht miteinbezogen worden sei. Und zum Trottoir: «Es ist in erster Linie dafür vorgesehen, dass das Trottoir von Feutersoey bis Gstaad durchgehend ist.» Es werde sicher genutzt, vielleicht nicht so oft wie andere.
Die Vorsitzende rief abschliessend dazu auf, am 14. Juni abzustimmen. «Wir müssen von diesem Recht und um das uns viele Länder beneiden, Gebrauch machen.»


