Wieder eins weniger
08.07.2022 GstaadDas Bro’s Gstaad, häufig und gern besuchte Apérobar, wird im nächsten Frühling geschlossen. Einmal mehr stellt sich die Frage nach dem Stellenwert dieser Art von Freizeitgestaltung.
JENNY STERCHI
Das Nachtleben des Saanenlandes erhält einen herben Dämpfer. Die Apérobar Bro’s Gstaad wird im April 2023 ihre Türen schliessen.
Gastronom mit Leidenschaft
«Nicht, dass wir keine Lust mehr hätten», versichert Ahmet Bicik, der neben dem Bro’s Gstaad das Restaurant Time out sowie das Restaurant im Freibad Saanen und seit drei Wochen auch die «Grotte» in Schönried als Bro’s Club bewirtschaftet. «Gastgeber zu sein, ist meine Leidenschaft», begründet Ahmet Bicik sein Engagement. Umso härter traf es ihn, dass sein Vertrag für den Barbetrieb nicht verlängert wurde.
Während seine Apérobar, in der sich sowohl Einheimische als auch Gäste ungezwungen bewegen können, nächsten Frühling aus der Gstaader Promenade verschwinden wird, können sich die Menschen in Thun freuen. «Um die Marke Bro’s trotz dieser Widrigkeiten weiterzubringen, habe ich das Angebot, in Thun direkt beim Bahnhof eine Apèrobar namens Bro’s Thun zu eröffnen, ergriffen.» Beim Aufbau und der Lancierung ist Ahmet Bicik stark eingebunden, leiten soll es dann später sein Bruder Murat. Beide hatten auch gemeinsam das Bro’s Gstaad aufgebaut.
Lücken im Nachtleben bleiben
Dabei sei das neue Lokal dort keineswegs ein Ersatz für Gstaad und das Saanenland. «Gern schliesse ich die Lücke, die mit dem Verschwinden des Bro’s aus dem Lokal in Gstaad entsteht», betont der passionierte Gastronom. «Das Angebot, sich nach Feierabend zu treffen und zusammen etwas zu trinken, gehört meiner Ansicht nach zum kulturellen Angebot und zum Nachtleben der Region.»
Und die Bestrebungen bezüglich des Nachtlebens deuteten darauf hin, dass es auch der Gemeinde Saanen ein Anliegen ist, dieses Angebot wieder zu reaktivieren. Ahmet Bicik, der zur von der Gemeinde initiierten Arbeitsgruppe gehört, fühlt sich demnach von den kommunalen Behörden gut verstanden. «Mit der Unterstützung der Gemeinde Saanen bin ich nun auf der Suche nach einem bezahlbaren, übersichtlichen und attraktiv gelegenen Objekt.» Häufig seien die Mietpreise horrend und ein Barbetrieb als Mieter nicht gerade erste Wahl.
«Füfi u Weggli»
Was aber Ahmet Bicik noch viel mehr umtreibt, ist die Frage nach den tatsächlichen Wünschen der Menschen im Saanenland.«Für die Aktivierung des Nachtlebens fanden sich im letzten Herbst Gemeindevertreter, Leistungsträger der Region und ortsansässige Gastronomen zusammen», erinnert er sich. «Die Anstrengungen wurden deutlich und das intakte Nachtleben als Massnahme gegen Abwanderung definiert.» Wenn aber dann der Versuch, Nachtleben zu gestalten, realisiert würde, dauere es gar nicht lange, bis die ersten Einwohner ihren Unmut über die Lärmbelästigung kundtäten.
Auch das temporäre Angebot mache ihm Sorgen. «Immer wieder wird betont, dass auch Frühlings- und Herbstsaisons – also die klassischen Nebensaisonzeiten – für Gäste, aber vor allem auch für Einheimische attraktiv gestaltet werden sollten. Die Angebotsdichte in den Nebensaisons sei seiner Ansicht nach aber immer noch dürftig. Für Ahmet Bicik ist das durchgehende Angebot entscheidend: «Mit dieser Kontinuität könnten wir in Barbetrieben viele Besuchergruppen erreichen.»

