JONATHAN SCHOPFER
Rückenwind, wenn ich durchs Dorf flaniere. Gegenwind, wenn ich mit dem Velo von Saanen nach Gstaad fahre. Rückenwind, Gegenwind – abwechslungsweise, und das im Frühling im Saanenland.
Als ich in meiner Schulzeit von Saanen ins OSZ Ebnit mit dem Velo fuhr, ...
JONATHAN SCHOPFER
Rückenwind, wenn ich durchs Dorf flaniere. Gegenwind, wenn ich mit dem Velo von Saanen nach Gstaad fahre. Rückenwind, Gegenwind – abwechslungsweise, und das im Frühling im Saanenland.
Als ich in meiner Schulzeit von Saanen ins OSZ Ebnit mit dem Velo fuhr, kann ich mich an vieles erinnern – an selbstverursachte Stürze und an hitzige Diskussionen mit den Schulgspändli Carla und Moritz – aber nicht an diesen Wind. Der Föhn im Wallis ist mir besser bekannt. Als Jugendlicher verbrachte ich die Ferien mit der Familie in Raron, auf einem Zeltplatz. Dort wusste ich: unbedingt ein Stirnband anziehen. Vom vielen Wind im Rohnental bekam ich sonst eine Mittelohrentzündung. Aber nun auch im Berner Oberland?
Auch meiner Arbeitskollegin ist der Wind aufgefallen. Wenn wir am Mittag durchs Gstaader Dorf zum Essen schlenderten und uns der Wind entgegenkam, sah sie natürlich aus wie ein Model in einer Werbung für Haarspray. Als Negativbeispiel zwar, da ihr schönes langes Haar vom Winde verweht wurde. Letztes Jahr sei es genau so gewesen, meinte sie. So kam schon mein Wissensdurst auf: Kann man beweisen, dass es im Frühling windiger ist? «Frag doch ChatGPT», hiess es dann in einer anderen Diskussion. Deshalb habe ich brav bei ChatGPT nachgefragt: «Kannst du mir die Telefonnummer von Thomas Bucheli geben, von SRF Meteo?» ChatGPT hat mich dann aber an ein Kontaktformular vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz weitergeleitet.
Geantwortet hat schliesslich sehr nett Thomas Schlegel, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Er schrieb: «Das mitteleuropäische und somit auch das Schweizer Klima weist eine grosse Variabilität in den Wetterabläufen der einzelnen Jahre auf. Jahre mit mehr Wind zum Beispiel wechseln sich mit Jahren mit weniger windigen Wetterphasen ab. Oder ein Frühling kann in einem Jahr vorwiegend von Hochdruck bestimmt sein, während im nächsten Jahr trübes Wetter vorherrscht etc. Im Gegensatz zu Temperatur und Niederschlag lässt sich bei den Windverhältnissen in den letzten Jahrzehnten und auch für die nahe Zukunft aktuell kein systematischer Trend hin zu mehr oder weniger Wind feststellen.»
Für die rasche Antwort dankte ich vielmals. Natürlich war ich auch ein bisschen enttäuscht, dass mir sozusagen der Wind aus den Segeln genommen wurde.
Dann muss es wahrscheinlich doch daran liegen, dass ich mich heute einfach schneller bewege, aber nicht besonders windschnittig bin. Oder sind es etwa die entgegenkommenden E-Scooter, die mit gefühlten 70 km/h an meinen Ohren vorbeirauschen und Windböen auslösen? Schliesslich können Schmetterlingsflügel, so sagt man, auch Wirbelstürme verursachen.
jonathan.schopfer@anzeigervonsaanen.ch