«Wir möchten probieren, etwas Neues aufzubauen»
10.03.2026 InterviewFRAGEN AN MARIANNE HERBST-STAUFFER
ANITA MOSER
Es geht um die Gesundheitsversorgung im Simmental-Saanenland. Aber aus dem Saanenland ist weder jemand im Gründungsteam noch im Vorstand. Weshalb?
Bis jetzt hat sich noch niemand aus dem ...
FRAGEN AN MARIANNE HERBST-STAUFFER
ANITA MOSER
Es geht um die Gesundheitsversorgung im Simmental-Saanenland. Aber aus dem Saanenland ist weder jemand im Gründungsteam noch im Vorstand. Weshalb?
Bis jetzt hat sich noch niemand aus dem Saanenland zur Verfügung gestellt. Was nicht ist, darf aber gerne noch werden. Rosmarie Willener-Perreten ist jedoch in Feutersoey aufgewachsen und es gibt auch Menschen aus dem Saanenland, die sehr interessiert sind an der neuen Genossenschaft. Aber zum Teil sind es Personen, die aus beruflichen oder privaten Gründen nicht öffentlich auftreten wollen. Wir vertreten selbstverständlich auch die Interessen der Bevölkerung im Saanenland.
Sie und Ihre Mitstreiter:innen sind schon länger dran am Thema Gesundheitsversorgung im Simmental-Saanenland. Es gab auch schon mehrere Organisationen, Sie haben offene Briefe geschrieben usw. Was ist mit der neuen Genossenschaft anders als bisher?
Was sicher anders ist: Wir haben eine Genossenschaft, die eine breite Schicht aus der Bevölkerung vertreten soll und bei der alle Interessierten mitwirken und mitbestimmen können. Grundversorgung oder Gesundheitsversorgung sind etwas Essenzielles, und wir haben gemerkt, dass viele Menschen in unserer Region nicht zurückschauen, sondern Verantwortung übernehmen wollen. Und SanVetia bietet eine Plattform dafür.
Was erhoffen Sie sich, respektive was ist das grundsätzliche Ziel?
Unser grundsätzliches Ziel ist, die Leute zusammenzubringen, dass wir wirklich eine Grundversorgung, eine Gesundheitsversorgung vernetzen können, welche den Bedürfnissen der Region gerecht wird. Wir wollen Fachpersonen, die Bevölkerung und Institutionen zusammenbringen, um gemeinsam eine tragfähige und langfristige Gesundheitsversorgung entwickeln zu können.
Auf der Website steht unter «Weitere Schritte» unter anderem «Planung und Bau/Umbau». Geht es ums Spital?
Nein, wir haben nicht im Sinn, das Spital um- oder neu zu bauen. Wir möchten wirklich probieren, etwas Neues aufzubauen. Wir schlagen neue Wege ein. Wir sind überzeugt, dass es eine gute, breit abgestützte Gesundheitsversorgung in der Region braucht und dass dies möglich ist, wenn die ansässigen Fachpersonen und die weitere Bevölkerung mitbestimmen und sich beteiligen können. In der Gemeinschaft schlummert so viel Potenzial. Wissen, Ideen, und Erfahrungen. Dieses wollen wir nutzen, um neue Wege zu gehen. Auf der Website gibt es einen Fragebogen zur Mitwirkung. Was sich daraus entwickelt, wird sich zeigen.
Die Gesundheitsversorgung in der Region ist seit Jahrzehnten ein Thema. Sie setzen nun grosse Hoffnung in die neue Organisation. Sie geben nicht auf.
Nein. Ich glaube wirklich daran, dass Veränderungen mit Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen, beginnen. SanVetia ist ein solcher Anfang. Davon bin ich fest überzeugt. Gesundheitsversorgung ist wie eine Schule oder eine Feuerwehr, sobald diese nicht mehr da sind, fehlt ein riesengrosses Stück der Grundversorgung. Und das darf nicht einfach so hingenommen werden. Die Schliessung des Operationssaals und der Wegfall der Anästhesie sind ein weiterer grosser Einschnitt und Eingriff.
Kapital mobilisieren ist ein weiterer definierter Schritt: Wie viel Kapital benötigt die Genossenschaft?
Im Moment haben wir noch keine grundsätzlichen Projekte, die wir finanzieren wollen, wir haben auch noch keine Finanzplanung in diesem Sinn. Das ergibt sich aus der Nachfrage und der Machbarkeit. Wir erhoffen uns natürlich sehr viele Rückmeldungen und Genossenschafter. Ein Genossenschaftsanteil kostet 200 Franken. Jeder Genossenschafter, jede Genossenschafterin muss mindestens einen Anteilschein zeichnen.
«Konzept finalisieren» steht ebenfalls unter der Rubrik «Weitere Schritte». Wie weit ist man damit?
Wir haben Ideen, die wir verfolgen. Ein ganz grosses Thema und die grosse Hoffnung ist, dass wir beispielsweise die Anästhesie wieder zurück ins Tal beziehungsweise in die Region bringen inklusive Operationsmöglichkeiten. Das wird sich alles ebenfalls aus den Rückmeldungen und der Mitwirkung ergeben. Aber das bedingt natürlich, dass wir entsprechend Personal akquirieren können und dass wir irgendwo ein Gebäude finden, wo wir erwünscht sind.
