Wortreisen im Saanenland – Literarischer Herbst Gstaad

  09.09.2022 Kultur

Literatur führt in andere Welten, Kulturen, Sprachen. Mit Romanen lassen sich historische Zusammenhänge verstehen, Gedichte öffnen verborgene Räume. Auch mit der diesjährigen Ausgabe wollen die Mitglieder des Organisationsteams Menschen anstecken mit ihrer Begeisterung für Bücher.

Reisen zieht sich als Thema durch den Literarischen Herbst Gstaad 2022. Am Donnerstagabend nimmt uns Noemi Somalvico mit in die Fabelwelt (siehe Text unten), während Usama Al Shahmani in seinem neuesten Roman «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt» einen irakischen Akademiker, der in der Schweiz als Tellerwäscher arbeitet, begleitet. Al Shahmani – seit 2021 Literaturkritiker im «Literaturclub» des Schweizer Fernsehens SRF – ist ein begnadeter Erzähler, der auch die Geschichten in seinem dritten Roman sehr genau kennt, musste er doch selbst 2002 aus dem Irak fliehen. Die Lesungen in der Kirche Zweisimmen werden vom «Cantate Chor» begleitet.

Ebenfalls eine Reise, nämlich in die Berge, machen Rolf Hermann und Claudio Landolt am Freitagabend in der Jugi Saanen. Sie lassen Töne vom Berg erklingen und untermalen sie mit Texten. Rolf Hermann stellt zusätzlich Auszüge aus seinem vielfältigen Werk am Samstag um 11 Uhr im Hotel Alpenland Lauenen vor. Ein weiterer Ausblick auf das Programm folgt am kommenden Dienstag ebenfalls in dieser Zeitung.

PD LITERARISCHER HERBST, LILIANE STUDER

Literarischer Herbst Gstaad, 15. bis 18. September 2022. www.literarischerherbst.ch


ILMA RAKUSA FÜR EMILY ARTMANN

Die österreichische Lyrikerin und Filmautorin Emily Artmann musste ihre Teilnahme am Literarischen Herbst Gstaad 2022 aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen (Lesung vom Samstag, 17. September, 20 Uhr im Hotel Huus Saanen-Gstaad). An ihrer Stelle tritt die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin, Übersetzerin und Kennerin der slawischen Literatur, Ilma Rakusa, auf. Ihr neuer Gedichtband «Kein Tag ohne» ist eben im Grazer Droschl Verlag erschienen und umfasst Gedichte vom 22. Oktober 2020 bis 22. Februar 2022 und das Postskriptum mit Einträgen vom 26. und 28. Februar 2022. Ilma Rakusa greift die Jahre der Coronapandemie auf, sie erinnert an die Wiedereroberung Kabuls durch die Taliban sowie die Niederschlagung der Demokratiebewegung und weist eindringlich bereits am 22. Februar 2022 auf den bevorstehenden Krieg Russlands gegen die Ukraine hin: «Mit seelendem Auge seh ich die Bilder von russischen Panzern und Gewehren im Donbass Fakten auf Rädern vorbei die Verhandlungsfarce.»

PD

 


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote