Wenn Geigenklänge durch die Berge hallen
13.10.2026 SaanenJunge Geigerinnen und Geiger aus aller Welt kamen zur Alberto Lysy International Violin Competition 2026 ins Saanenland. In der historischen Kirche Saanen vereinten sich musikalisches Talent, Leidenschaft und die besondere Atmosphäre der Schweizer Bergwelt. Im Interview spricht Organisator ...
Junge Geigerinnen und Geiger aus aller Welt kamen zur Alberto Lysy International Violin Competition 2026 ins Saanenland. In der historischen Kirche Saanen vereinten sich musikalisches Talent, Leidenschaft und die besondere Atmosphäre der Schweizer Bergwelt. Im Interview spricht Organisator Çetin Köksal über die Geschichte des Wettbewerbs, die Herausforderungen hinter den Kulissen und die Bedeutung der Förderung junger musikalischer Talente.
IRINI PAPANDREOU
Mitten in den Schweizer Alpen erfüllten die Klänge der Violinen die historische Kirche Saanen, als junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt zur vierten Alberto Lysy International Violin Competition zusammenkamen.
Der Wettbewerb fand vom 8. bis 10. Oktober 2026 in Gstaad und Saanen statt und brachte talentierte Geigerinnen und Geiger zusammen, die eine gemeinsame Leidenschaft für die klassische Musik und den Traum von einer internationalen Karriere teilen.
Insgesamt gingen 183 Bewerbungen von Musikerinnen und Musikern aus 44 Nationalitäten ein. Davon wurden 17 junge Talente ausgewählt, um am Wettbewerb teilzunehmen. Drei von ihnen schafften es schliesslich ins Finale, das am 10. Oktober in der Kirche Saanen stattfand.
Junge Talente im Mittelpunkt
Sara Isabelle Ispas aus Australien und Zi Yang Low aus Malaysia wurden gemeinsam mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Damit teilten sich die beiden jungen Talente den ersten Platz des internationalen Wettbewerbs. Die drei Finalistinnen und Finalisten erhielten die Gelegenheit, gemeinsam mit dem Sinfonieorchester St. Gallen unter der Leitung des Dirigenten Pietro Rizzo aufzutreten. Sara Isabelle Ispas präsentierte das Violinkonzert in D-Dur von Peter Tschaikowski, während Zi Yang Low das Violinkonzert in D-Moll von Jean Sibelius interpretierte. Die dritte Finalistin, Yuna Sung aus Südkorea, spielte ebenfalls das Violinkonzert von Tschaikowski. Einen Sonderpreis erhielt I-Hao Cheng aus Taiwan für die beste Interpretation der «Paganiniana» (Variationen) für Solovioline von Nathan Milstein.
Für die jungen Musikerinnen und Musiker bedeutete die Teilnahme weit mehr als die Aussicht auf einen Preis. Hinter jedem Auftritt standen jahrelange Vorbereitung, unzählige Übungsstunden und eine grosse Leidenschaft für die Musik. Vor einer internationalen Jury aufzutreten, erfordert nicht nur technisches Können, sondern auch Konzentration, Selbstvertrauen und die Fähigkeit, Gefühle durch Musik auszudrücken. Jede Geigerin und jeder Geiger brachte eine eigene musikalische Persönlichkeit auf die Bühne und zeigte damit, dass die klassische Musik auch heute noch eine neue Generation begeistert.
Eine Vision, die weiterlebt
Die Geschichte der Alberto Lysy International Violin Competition beginnt mit einer Idee, die der berühmte Geiger Alberto Lysy bereits zu Lebzeiten entwickelte. Wie Organisator Çetin Köksal im Interview erklärt, war die Förderung junger talentierter Musikerinnen und Musiker ein zentraler Bestandteil von Lysys Lebenswerk. Er träumte davon, einen internationalen Violinwettbewerb ins Leben zu rufen, bei dem junge Künstlerinnen und Künstler ihr Können präsentieren und sich musikalisch weiterentwickeln können. Diese Idee konnte jedoch zu seinen Lebzeiten nicht verwirklicht werden.
Später beschlossen die Verantwortlichen der musikalischen Vereinigung, die sich dem Vermächtnis von Alberto Lysy widmet, seinen ursprünglichen Wunsch aufzugreifen und den Wettbewerb zu organisieren.
Für Köksal ist es besonders wichtig, dass dabei nicht nur die technischen Leistungen bewertet werden, sondern auch die musikalischen Werte von Alberto Lysy und seinem Lehrer Yehudi Menuhin weiterleben. Der Wettbewerb soll jungen Talenten die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren, Erfahrungen zu sammeln und ihre musikalischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig lernen die Teilnehmenden, mit Konkurrenz, Erwartungen und dem Druck eines internationalen Wettbewerbs umzugehen. Diese Erfahrungen können ihnen später auf ihrem Weg zu einer professionellen Musikkarriere helfen.
«Musik sollte nicht einfach als technischer Spitzensport betrachtet werden. Neben der Beherrschung des Instruments spielen auch die musikalische Ausdruckskraft, die Interpretation und die Persönlichkeit eine entscheidende Rolle», betont Çetin Köksal.
Gstaad – wo Musik auf die Berge trifft
Auch der Austragungsort spielt eine wichtige Rolle für den Charakter des Wettbewerbs. Gstaad und die umliegende Region besitzen eine lange musikalische Tradition, die eng mit Yehudi Menuhin und Alberto Lysy verbunden ist. Çetin Köksal erklärt, dass diese historische Verbindung einer der Gründe dafür ist, weshalb der Wettbewerb hier stattfindet.
Gleichzeitig bietet die Region eine besondere Atmosphäre. Im Gegensatz zu grossen internationalen Städten ist Gstaad ein vergleichsweise kleiner und ruhiger Ort. Diese Umgebung ermöglicht es den jungen Musikerinnen und Musikern, sich intensiv auf ihre Auftritte vorzubereiten. Umgeben von den Schweizer Bergen bietet die Kirche Saanen einen besonderen Rahmen für die Finalauftritte. Für die Teilnehmenden, die teilweise weite Reisen auf sich nehmen, wird der Aufenthalt dadurch zu einer unvergesslichen Erfahrung.
Da die jungen Geigerinnen und Geiger aus verschiedenen Ländern anreisen, wird der Wettbewerb ausserdem zu einem Ort internationaler Begegnungen. Unterschiedliche Kulturen, musikalische Traditionen und persönliche Erfahrungen treffen hier aufeinander. Obwohl die Teilnehmenden miteinander konkurrieren, verbindet sie ihre gemeinsame Leidenschaft für die klassische Musik.
Die Herausforderungen hinter den Kulissen
Während die jungen Musikerinnen und Musiker auf der Bühne stehen, arbeitet hinter den Kulissen ein engagiertes Team daran, den Wettbewerb erfolgreich durchzuführen. Çetin Köksal erklärt, dass die Organisation eines internationalen Violinwettbewerbs zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt.
Da das Organisationsteam vergleichsweise klein ist, wird es während des Wettbewerbs von vielen freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt.
Eine der grössten Schwierigkeiten besteht darin, die verschiedenen organisatorischen Aufgaben miteinander zu koordinieren. Die Anreise der Kandidatinnen und Kandidaten muss geplant, die Proben müssen organisiert und die Räumlichkeiten vorbereitet werden.
Gleichzeitig müssen die Termine der Jurymitglieder berücksichtigt werden. Besonders anspruchsvoll sind kurzfristige Änderungen. Wenn Teilnehmende kurz vor Beginn des Wettbewerbs absagen, müssen Zeitpläne und organisatorische Abläufe häufig angepasst werden.
Für Köksal ist es vor allem die Kombination dieser verschiedenen Aufgaben, die die Organisation so anstrengend macht. Trotzdem beschreibt er die Arbeit auch als interessant und bereichernd. Schliesslich ermöglicht der Wettbewerb jungen Talenten aus aller Welt, ihre Musik auf einer internationalen Bühne zu präsentieren.
Was junge Geigerinnen und Geiger für eine internationale Karriere brauchen
Viele der jungen Teilnehmenden träumen davon, eines Tages auf den grossen Konzertbühnen der Welt aufzutreten. Doch was braucht es, um diesen Traum zu verwirklichen? Auf diese Frage nennt Çetin Köksal drei besonders wichtige Faktoren: «Ernsthafte musikalische Arbeit, Leidenschaft und die Fähigkeit, sich in der professionellen Musikwelt zurechtzufinden.»
Zunächst müssten junge Musikerinnen und Musiker bereit sein, hart zu arbeiten und sich intensiv mit ihrem Repertoire auseinanderzusetzen. Dabei gehe es nicht nur darum, schwierige Stücke technisch korrekt zu spielen. Vielmehr sei es wichtig, die Musik wirklich zu verstehen und eine eigene Interpretation zu entwickeln. Ebenso entscheidend sei die Leidenschaft. Ohne echte Freude am Musizieren und am eigenen Instrument sei es schwierig, die Herausforderungen einer professionellen Laufbahn zu bewältigen.
Gleichzeitig weist Köksal darauf hin, dass musikalisches Talent allein heute nicht mehr ausreicht. Junge Künstlerinnen und Künstler müssen lernen, sich selbst zu präsentieren, Kontakte zu knüpfen und ein professionelles Netzwerk aufzubauen. Dabei sei es wichtig, einschätzen zu können, welche Menschen und beruflichen Möglichkeiten tatsächlich hilfreich und seriös sind.
Diese zusätzlichen Fähigkeiten sollten jedoch niemals wichtiger werden als die Musik selbst. Sein wichtigster Rat an junge Musikerinnen und Musiker lautet deshalb, sich selbst treu zu bleiben und die eigene musikalische Persönlichkeit nicht zu verlieren.
Die Zukunft der klassischen Musik
Auch die Zukunft der klassischen Musik ist für Çetin Köksal ein wichtiges Thema. Er erklärt, dass sich die Situation der klassischen Musik je nach Weltregion stark unterscheidet.
Während in Europa bestimmte Herausforderungen bestehen, entwickelt sich die klassische Musik in Asien und Teilen Südamerikas unter anderen Bedingungen. Besonders wichtig ist für ihn, dass Kinder und Jugendliche möglichst früh mit klassischer Musik in Berührung kommen. Junge Menschen sollten die Gelegenheit erhalten, die Werke grosser Komponisten kennenzulernen und eine persönliche Verbindung zur Musik aufzubauen.
Çetin Köksal setzt sich auch selbst im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür ein, dass klassische Musik für die jüngere Generation zugänglich bleibt. Wettbewerbe wie die Alberto Lysy International Violin Competition können dabei einen wichtigen Beitrag leisten.
Die jungen Teilnehmenden zeigen mit ihren Auftritten, dass klassische Musik nicht nur eine Tradition der Vergangenheit ist, sondern auch von einer neuen Generation mit Begeisterung und Leidenschaft weitergeführt wird.
Mehr als ein Wettbewerb
Als die letzten Geigenklänge in der Kirche Saanen verklangen, ging die vierte Alberto Lysy International Violin Competition zu Ende und hinterliess weit mehr als Preise und Platzierungen.
Für die jungen Musikerinnen und Musiker war der Wettbewerb eine Gelegenheit, ihr Können zu präsentieren, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und wichtige Schritte in Richtung einer internationalen Karriere zu machen.
Der gemeinsame erste Platz von Sara Isabelle Ispas und Zi Yang Low zeigte, wie viel Talent und musikalische Vielfalt bei diesem Wettbewerb zusammenkamen. Gleichzeitig wurde durch die Veranstaltung das musikalische Vermächtnis von Alberto Lysy und Yehudi Menuhin bewahrt.
Das Gespräch mit Çetin Köksal machte deutlich, dass musikalischer Erfolg nicht allein von technischer Perfektion abhängt. Vielmehr braucht es Leidenschaft, Disziplin, Persönlichkeit und den Mut, einen eigenen künstlerischen Weg zu gehen.
Inmitten der Schweizer Alpen wurden die Klänge der Violinen so zu mehr als nur Musik. Sie wurden zu einem Symbol für junge Talente, künstlerische Träume und eine musikalische Tradition, die auch kommende Generationen inspirieren wird.
Unter www.albertolysy.ch/competition.php finden Sie den Link zum Streaming des Finals.






