Zwischen Punk und Campingstuhl: ein Wochenende am Mad Muni
05.05.2026 GstaadWarum kommt eine Gruppe Aargauer Freunde jedes Jahr samt Camper ans Mad Muni? Seit acht Jahren reist sie ins Saanenland. Einige der Freunde sind zusammen aufgewachsen, heute treffen sie sich hier jedes Jahr wieder – fast wie ein Klassentreffen, sagen sie. Dabei haben sie ihre eigenen ...
Warum kommt eine Gruppe Aargauer Freunde jedes Jahr samt Camper ans Mad Muni? Seit acht Jahren reist sie ins Saanenland. Einige der Freunde sind zusammen aufgewachsen, heute treffen sie sich hier jedes Jahr wieder – fast wie ein Klassentreffen, sagen sie. Dabei haben sie ihre eigenen Traditionen entwickelt. Obwohl sie vor allem Punkmusik hören, lassen sie sich auch den Volksmusikabend am Donnerstag nicht entgehen. Zwischen Jodel und Schwyzerörgeli stehen sie gemeinsam vor der Bühne und feiern, wie sie es sonst zu Gitarrenriffs tun. Am Freitag dann stehen sie bei der Rockband «Stepfather Fred» mitten im Publikum. Die Band aus Bayern bringt die Aargauer zum Tanzen.
Stammgäste am Mad Muni – wieso die Aargauer immer wieder kommen
Seit acht Jahren nimmt eine Freundesgruppe aus dem Kanton Aargau am Mad Muni teil. Warum sie sich gerade hier pudelwohl fühlt und wie sie nach langen Nächten wieder zu Kräften kommt.
JONATHAN SCHOPFER
Es ist der 1. Mai, ein sonniger Freitagnachmittag, das Thermometer zeigt über 20 Grad. Camper rollen auf das Gelände beim Kleinkaliberschiessplatz an der Allmistrasse in Saanen. Unter einem Vorzelt eines Wohnmobils, auf Klappstühlen und an einem Grill sitzt die Freundesgruppe aus dem Aargau beisammen Es wird herzhaft diskutiert. Immer wieder kommen Neuankömmlinge vorbei, bleiben bei der Gruppe sitzen und wechseln ein paar Worte. Zwei Kinder rennen über den Campingplatz. «Ich würde meine Kinder auch jederzeit ans Mad Muni mitnehmen, wenn ich welche hätte», sagt Vollmi, wie ihn seine Kollegen nennen. «Dann wachsen sie wenigstens mit einem guten Musikgeschmack auf.»
Seit acht Jahren kommen die Aargauer samt Wohnmobil hierher. Meist sind es vier bis sechs Kollegen, fast alle über 50 Jahre alt. Auf das Festival gestossen sind sie zufällig.
Wie alles begann
«Ich bin hier einmal mit dem Motorrad vorbeigefahren und bin so auf das Mad Muni aufmerksam geworden», erzählt Vollmi. Ein Jahr später reiste die Gruppe zum ersten Mal an. «Ich hatte vier Tickets online reserviert, aber wir sind nur zu dritt gekommen, weil jemand einen Unfall hatte», erinnert sich Sämpi. An der Kasse gab es dann ein Problem am Computer. Dann kam jemand vom OK: «Eh, ihr seid ja die vier Einzigen, die online Tickets reserviert haben», und dieser habe sie kurzerhand durchgewinkt.
Familiär statt kommerziell
Früher besuchten die Aargauer auch grosse Festivals wie das Wacken oder Rock am Ring. Heute reizt sie gerade das Gegenteil. «Hier ist es familiär. Es ist nicht überlaufen», sagt einer aus der Runde. «Wir kennen fast jeden, man grüsst sich.»
Dass alle Bands ihnen dieses Jahr unbekannt sind, stört sie nicht – im Gegenteil. «Dieses Jahr kennen wir keine einzige Band. Genau das ist für uns eine Bereicherung.» Auch dass sie damit die Musikszene unterstützen, ist für sie ein Anliegen. Die grossen Festivals seien ihnen mit der Zeit zu kommerziell geworden.
Beim Wohnmobil haben sie sich eingerichtet. Eine Eismaschine steht bereit, daneben läuft über Boxen Rockmusik. «Neben den Konzerten ist es eigentlich fast ein Klassentreffen geworden», sagt Vollmi.
Pogo auch zum Jodel
Die Freundesgruppe ist allerdings etwas müde. Denn sie war bereits am Donnerstag am volkstümlichen Abend des Mad Muni dabei, obwohl sie diese Musik im Alltag nicht oft hört. «Es ist schon richtig eindrücklich, wenn 15 Nasen jodeln», sagt Christian, der von seinen Kollegen Wägi genannt wird. Sie haben zur Musik gefeiert – ja sogar gepogt. Luki stellt nebenan einen Topf auf und brüht Schwarztee. Seine Kollegen nennen es augenzwinkernd «seine Teezeremonie». «Damit wir wieder zu Kräften kommen», sagt einer lachend. Heute gebe es Ostfriesentee: einen kräftigen Schwarztee. Manchmal werde Luki mit seiner Kaffeemühle sogar zum Barista.
«Wir sind nicht so interessant», meint Vollmi. «Wir sind nun in einem Alter, unsere Krankheitsliste wäre wahrscheinlich interessanter.»
Ob sie denn nach dem Wochenende am Montag wieder arbeiten gehen? «Natürlich», meint Wägi, der Spengler von Beruf ist. «Wer feiern kann, kann auch arbeiten.» Schliesslich habe er auch ein Geschäft.
An ihrem aufgestellten Tisch sind stets alle willkommen. Neben dieser Tradition haben sie noch eine andere: «Wir machen jedes Jahr ein Fondue», sagt die Gruppe.
«Es muss nicht alles Sinn ergeben»
Am Abend dann wechselt die Stimmung. Die Bäume auf dem Campingplatz werden rot beleuchtet. Zum Mad-Muni-Festivalzelt gesellen sich viele Einheimische. Auch unter ihnen sind die Aargauer keine Unbekannten. «Wenn diese Aargauer nicht da wären, dann würde hier etwas fehlen», meint ein Festivalgänger aus Saanen.
Als «Stepfather Fred» um 22.30 Uhr loslegt, ist die Gruppe mittendrin. Energiegeladen wird zu den harten Gitarrenriffs gesprungen, geschwitzt, mit den Haaren gewirbelt – Pogo wird getanzt. Nach dem Konzert stehen Oc und Luki vor dem Merchandise-Stand der Band. Warum eigentlich gerade Punk? Oc zuckt mit den Schultern. «Wenn ich solche Musik höre, beginnen sich meine Beine automatisch zu bewegen.» Mehr brauche es nicht. «Es muss ja nicht alles einen Sinn ergeben.» Am Ende gehe es ihm um etwas anderes. «Wir sind einfach ein paar Kollegen, die Spass an der Musik haben», sagt er. «Und schlussendlich ist das Zusammensein das Wichtigste.»







