Zwischen Sommerboom und Schneesicherheit
23.10.2026 WirtschaftImmer mehr Gäste zieht es auch im Sommer in die Berge, Saisonabonnemente gewinnen an Bedeutung und die Besucherlenkung wird wichtiger. Seilbahnen Schweiz zeigte an der Medienkonferenz in Interlaken, wohin sich die Branche entwickelt.
MAXIME VÖGELE
Zwischen dem Ende der ...
Immer mehr Gäste zieht es auch im Sommer in die Berge, Saisonabonnemente gewinnen an Bedeutung und die Besucherlenkung wird wichtiger. Seilbahnen Schweiz zeigte an der Medienkonferenz in Interlaken, wohin sich die Branche entwickelt.
MAXIME VÖGELE
Zwischen dem Ende der Sommersaison und den Vorbereitungen auf den kommenden Winter kamen am 20. Oktober Branchenvertreter aus dem ganzen Land zum Forum Seilbahnen Schweiz in Interlaken zusammen. Im Rahmen dieses nationalen Treffens informierte der Verband an einer Medienkonferenz über die Entwicklung des Sommer- und Wintergeschäfts sowie die Herausforderungen der Branche. Ein Thema dabei: die wachsende Bedeutung von Saisonabonnementen wie dem Magic Pass, dem sich im vergangenen Winter auch das Saanenland angeschlossen hat.
Saisonabonnemente auf dem Vormarsch
«Ein Trend hin zum Abo findet statt», stellte Hans Wicki, Präsident von Seilbahnen Schweiz, fest. Immer mehr Gäste setzen auf Saisonabonnemente und destinationsübergreifende Angebote wie den Magic Pass. Bei den Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG) stieg in der ersten Saison mit dem Verbund-abo der Median der Besucherzahlen pro Betriebstag um 34 Prozent (wir haben berichtet). Für die Saison 2026/27 verzeichnete der Magic Pass erneut einen Verkaufsrekord. Wicki verwies dabei auf die Erweiterung des Angebots um zusätzliche Destinationen. Ob die Besucherzahlen in den einzelnen Skigebieten weiterhin so stark steigen oder sich allmählich einpendeln, bleibt für ihn offen.
Als Erfolgsfaktoren des Magic Pass nannte Wicki das gute Marketing und das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer sein Abonnement regelmässig nutzt, senkt die durchschnittlichen Kosten pro Skitag. Ob das Geschäftsmodell langfristig wirtschaftlich tragfähig ist, bleibt allerdings offen: «Ob es dann auf diesem Preisniveau überlebensfähig ist, sei dahingestellt», so Wicki.
Auch die Preisentwicklung für den kommenden Winter zeigt die Attraktivität von Saisonabonnementen: Während die Tageskartenpreise für Erwachsene durchschnittlich um 2,3 Prozent steigen, verteuern sich Saisonabonnemente lediglich um 0,1 Prozent. Das ergab eine Stichprobe des Verbands bei mehr als 50 Bergbahnunternehmen und Anbietern von Mehrgebietskarten.
Schneesicherheit bleibt entscheidend
Damit Gäste ihre Saisonabonnemente frühzeitig kaufen und Winterferien buchen, spielt die Schneesicherheit eine entscheidende Rolle. Angesichts unbeständiger Schneeverhältnisse bleibt die technische Beschneiung für viele Skigebiete unverzichtbar. Voraussetzung dafür sind ausreichend gefüllte Speicherseen. Trotz des trockenen Sommers schätzt Berno Stoffel, Direktor von Seilbahnen Schweiz, die aktuelle Wassersituation nicht als dramatisch ein. Schweizweit würden für die technische Beschneiung zwischen 13 und 18 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt – ungefähr so viel, wie der Davosersee fasst. «Das sind nicht wahnsinnige Mengen, die wir benutzen», ordnete Stoffel den Wasserbedarf ein.
Allerdings gebe es regionale Unterschiede. Gebiete mit Gletschern seien dabei im Vorteil. Für die Versorgungssicherheit sei zudem eine doppelte Absicherung der Speicherseen wichtig. Diese müssten über zwei Möglichkeiten der Wasserzufuhr verfügen, um nicht von einer einzigen Quelle abhängig zu sein. Alles andere wäre laut Stoffel fahrlässig.
Kompass für die Zukunft
Neben der Wasserversorgung stellt sich für die Bergbahnen schweizweit die Frage, welche Investitionen angesichts des Klimawandels langfristig sinnvoll sind. Hier setzt die Studie «Kompass Schnee» an. Das von Seilbahnen Schweiz, Schweiz Tourismus und dem Verband Schweizer Tourismusmanager getragene Projekt liefert wissenschaftlich fundierte Entscheidungsgrundlagen zur Entwicklung der Schneeverhältnisse bis 2050.
Auch im Saanenland wird das Instrument genutzt. Wie BDG-CEO Matthias In-Albon bereits vergangenen Dezember gegenüber dem «Anzeiger von Saanen» erklärte, bestätigen die Ergebnisse unter anderem die Bedeutung des geplanten Speichersees am Hornberg. Dieser soll ermöglichen, das Skigebiet innerhalb kurzer Kältefenster effizienter zu beschneien, statt wie bisher einzelne Teilgebiete nacheinander mit Schnee zu versorgen.
Das Sommergeschäft wächst weiter
«Der Sommer ist extrem am Wachsen», stellte Berno Stoffel fest. Während die Wintersaison mit 49 Prozent weiterhin den grössten Anteil am Branchenumsatz ausmacht, gewinnt das Sommergeschäft mit mittlerweile 21 Prozent an Bedeutung. Im Jahr 2025 verzeichneten die Schweizer Bergbahnen rund zwölf Millionen Ersteintritte im Sommer. Auch 2026 zeichnet sich eine starke Saison ab: Bis Ende September lagen die Ersteintritte schweizweit zehn Prozent über dem Vorjahr. Besonders deutlich fiel der Zuwachs im Berner Oberland mit einem Plus von 22 Prozent aus. Abschliessende Zahlen für den Sommer 2026 liegen noch nicht vor.
«Es gibt vor allem eine ausgeprägte Entwicklung in der Region der Voralpen», erklärte Stoffel. Dazu zählt er die Gebiete von der Waadt über das Berner Oberland bis in die Zentral- und Ostschweiz. Als wichtigen Wachstumstreiber nannte er den Ausflugstourismus, insbesondere durch internationale Gäste. Gleichzeitig verlängere sich die Sommersaison: Während sie früher teilweise erst im Juli begonnen und bis Oktober gedauert habe, würden gewisse Bahnen heute bereits nach Ostern den Betrieb aufnehmen und bis Mitte November fahren.
Zum starken Wachstum im Berner Oberland erklärte Stoffel, die Region bestehe nicht nur aus dem Jungfraujoch, sondern habe sich insgesamt positiv entwickelt. Trotz rückläufiger Gästezahlen aus Asien seien insbesondere Schweizer und deutsche Gäste wieder stärker vertreten. «Wir haben eine Rückkehr des deutschen Gastes im Sommer», sagte Stoffel. Einen weiteren Grund für die steigende Nachfrage sieht er in den hohen Temperaturen: Immer mehr Menschen würden in den Bergen Abkühlung suchen.
Stichwort Besucherlenkung
Mit dem wachsenden Sommergeschäft rückt auch der Umgang mit grossen Besucherströmen in den Fokus. An der Medienkonferenz kam deshalb die Frage auf, welche Verantwortung die Bergbahnen bei der Besucherlenkung tragen und wie sich Tourismus und die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung vereinbaren lassen. Berno Stoffel sieht die Besucherlenkung als wichtige Aufgabe. Als positives Beispiel nannte er Kandersteg mit dem Oeschinensee. Helfen könne zukünftig insbesondere die Digitalisierung, etwa durch Informationen zur aktuellen Auslastung von Bergbahnen, ähnlich wie in der SBB-App. So könnten Gäste ihre Ausflüge besser planen und Besucherströme gezielter verteilt werden.
Hans Wicki betonte hingegen die positiven Seiten des Tourismuswachstums. «Wir müssen froh sein, dass wir Leute überzeugen können, dass wir eine fantastische Bergwelt haben und dass wir eine sichere und zuverlässige Schweiz haben.» Schliesslich profitierten auch Hotels, Restaurants und weitere Betriebe davon. Das Thema Overtourism sehe er deshalb weniger kritisch. Dennoch brauche es Lösungen zur Besucherlenkung. Dabei stelle sich die Frage nach deren Akzeptanz. Während internationale Touristinnen und Touristen ihre Ausflüge meist im Voraus planten, entschieden Schweizer Gäste häufig spontan, welchen Berg sie am nächsten Tag besuchen möchten. «Kann der Schweizer damit umgehen?», fragte Wicki mit Blick auf mögliche Zeitfensterreservationen. Welche Massnahmen sich durchsetzen, müsse sich erst zeigen. Die Branche befinde sich diesbezüglich noch in einer Testphase.



