«Nun singet und seid froh!»
05.12.2017 Kultur, Saanen, Kirche«Wir wollen heute Abend zusammen mit euch das Geburtstagsfest von Jesus Christus vorfeiern». So lautete die Einladung von Urs von Grünigen an die vielen Liebhaber von Chor- und Gospelmusik anlässlich des Adventskonzerts in der Kirche Saanen. Es sei jetzt der Moment, die Hast und die Hektik der Weihnachtszeit oder Sorgen und Ängste abzulegen und diesen Abend froh und dankbar im Hier und Jetzt zu geniessen.
Es war wirklich ein Genuss, den Männerchor «Echo vom Olden» und den Gospelchor «Spirit» bereits zu Beginn des Abends als Gesamtchor unter der Leitung von Ada van der Vlist Walker zu hören. Schon die alte Weihnachtsmelodie «In dulci jubilo» lud ein, sich auf die Geschehnisse um Christi Geburt in Bethlehem zu besinnen. «Eja, wärn wir da», wurde im deutschen Text gesungen. Welch ein Gedanke, wären wir wirklich dabei gewesen, als Maria ihr Kind in Windeln wickelte und in eine Futterkrippe legte! «Jesus meine Freude», die bekannte Komposition von Johann Sebastian Bach sang der Chor ohne dirigiert zu werden, spielte ihre musikalische Leiterin doch die typische Bachmelodie dazu selber an der Orgel. «Spirit», der Gospelchor aus dem Obersimmental, in dem auch Sängerinnen und Sänger aus dem Saanenland mitwirken, hatte weitere Lieder auf Lager. Die Dirigentin verstand es, die vielen Frauenstimmen im Gegensatz zu den wenigen, aber starken Männerstimmen geschickt einzusetzen. So ertönten viele interessante Interpretationen von bekannten Weihnachtsliedern und Spirituals, spannungsvoll geladen und wieder Spannung abbauend, abwechslungsreich für die lauschenden Zuhörer.
Viele Melodien – ein Thema
Der Männerchor doppelte mit weihnächtlichen Gesängen nach: «Maria durch ein Dornwald ging» aus dem 17. Jahrhundert wurde ursprünglich als Wallfahrtslied komponiert. Die Schwere der Melodie lässt den Zuhörer die mühsamen Umstände, die Maria zugemutet wurden, nachempfinden. «Kommet ihr Hirten», eine Melodie aus Böhmen war ein Aufruf, den Stall in Bethlehem aufzusuchen und anschliessend dem Jesuskind das «Sanctus» («Heilig, heilig») zu singen, andächtig vorgetragen durch die tiefen Männerstimmen.
Mit «Fanfare» und einem «Concerto» in drei Sätzen tanzten Finger und Füsse von Ada van der Vlist Walker auf den Tasten der Orgel und entlockten ihr mal rassige, mal besinnliche und wiederum lüpfige Töne. Die bescheidene Künstlerin sorgte gerade selber für Abwechslung im abendlichen Liedprogramm.
Zu Beginn des Konzerts wurde nicht zu viel versprochen – fast zwei Stunden wurde gesungen und musiziert. Alle Lieder hatten einen Bezug zu Weihnachten im Text – eine wunderbare Gelegenheit, sich auf das bevorstehende, christliche Fest einstimmen zu lassen.



