Die Bösen gibts seit 120 Jahren

Di, 27. Nov. 2018
Céline und Lucien von Grünigen sowie Gottlieb von Siebenthal und Andreas Kolly FOTO: BLANCA BURRI

Arthur Brand war einmal ein Böser. Auch Johann Graf und Armin Müllener. Das erzählte Gottlieb von Siebenthal am Abesitz vom vergangenen Mittwochabend, der ganz im Zeichen des Schwingsports allgemein und im Saanenland stand.

BLANCA BURRI
Eigentlich stimmt der Titel nicht ganz, denn der Schwingsport geht auf das 13. Jahrhundert zurück, als beim Kleiderringen zum Beispiel vor der Kathedrale in Genf der Beste Ringer auserkoren wurde. Das wusste Gottlieb von Siebenthal zu berichten, Referent des zweiten Abesitzes. Bereits 1805 wurde das erste offizielle Unspunnenfest in Interlaken abgehalten. Rund hundert Jahre später wurden viele Schwingervereine gegründet, auch der Schwingklub Saanenland und so gibt es den lokalen Verein seit rund 120 Jahren. Das Gründungsdatum ist der 26. November 1899.

Schwinget um ein schönes Schaf
Die Schwingerfreunde organisierten bereits zehn Monate nach der Gründung das erste grosse Schwingfest, bei dem es ein schönes Schaf zu gewinnen gab. «Der Mann das Schaf gewinnt, die Frau die Wolle spinnt, die Strümpfe trägt das Kind», las der ehemalige Schwinger von Siebenthal aus einem Dokument vor. Darauf folgten unzählige lokale und oberländische Schwinganlässe, die der hiesige Klub organisierte. Beim ersten Oberländischen Schwingfest 1905 in Gstaad kostete der Eintritt gerade mal Fr. 2.–. Für Kinder gab es eine Reduktion.

Krisen und Störungen
Der Schwingsport im Saanenland war auch Schwankungen ausgesetzt, wofür die Weltkriege aber auch andere Ereignisse verantwortlich waren. Schwingbegeisterte hauchten dem Verein aber immer wieder neues Leben ein, sodass viele gute Schwinger aus dem Saanenland entsprangen. Darunter waren Viktor Brand, Werner Romang, Arthur Brand, Marcel Marti, Gusti Oehrli, Gottlieb von Siebenthal und später Johann Graf, Armin Müllener und heute Florian Aellen, Andy Mösching, Philipp Aellen und André Zahler. In den Startlöchern steht Max Herrmann, welcher bereits 48 Zweige gewonnen hat.

Rellerlialpschwinget zügelt auf den Hornberg
Gottlieb von Siebenthal erinnert sich daran, wie früher an der Gstaader Chilbi geschwungen wurde. Als der Anlass nicht mehr durchgeführt wurde, hob man 1978 die Rellerliealpschwinget aus der Taufe. «Auf dem Rellerli haben wir viele schöne Schwingfeste erlebt», meint von Siebenthal. Manchmal habe es auch geregnet, «bis das Sagmehl im Regen ersoffen ist». Ein paar Mal habe es geschneit und gehagelt. «In solchen Situationen wurde der gemütliche Teil umso schöner», schaut der Landwirt zurück. Mit der Schliessung der Bahn zügelt der Traditionsanlass nächstes Jahr auf den Hornberg. «Dort wurden wir mit offenen Armen empfangen», sagt Armin Müllener, ehemaliger Böser und Präsident des Schwingklubs Saanenland. Er freut sich bereits auf die erste Austragung am 1. September 2019.

Den zweiten Abesitz verfolgten viele Schwingbegeisterte. Unter den Besuchern waren sogar ein Dutzend Damen auszumachen, welche den gut recherchierten Ausführungen zuhörten. Der Anlass wurde von Céline und Lucien von Grünigen sowie Andreas Kolly musikalisch untermalt.

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