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Wir folgen dem Stern!

Fr, 30. Nov. 2018

KORNELIA FRITZ
Wir gehen in schnellen Schritten auf Weihnachten zu. Adventszeit und Weichnachtszeit ist die Zeit, in der wir am meisten und am liebsten die kirchlichen Lieder singen. Überall in den Warenhäusern werden schon bald weihnachtliche Klänge und Töne zu hören sein. Menschen, die sonst kaum singen, Menschen, die von der Kirche und ihren Liedern nichts halten, stimmen mit in den Gesang ein. In einer Zeit, in der die Nacht länger ist als der Tag, in der Nebel die Sonne verdunkelt und unsere Gefühle häufiger als sonst von dunklen Ahnungen bedrückt und bestimmt werden, in dieser Zeit besingen wir die Ankunft des neuen Tages, die Ankunft des Lichts in der Welt.

Nur, diese Weihnachtslieder im Besonderen und die kirchlichen Lobgesänge im Allgemeinen sind in den letzten Jahren immer öfters kritisiert worden. Der berühmteste Protest ist sicher der von der Theologin Dorothee Sölle: «Wie man nach Auschwitz den Gott loben soll, der alles so herrlich regiert, das weiss ich auch nicht.» Für viele Menschen heute ist ein naives, kindliches Verhältnis zu einem Vater, der über dem Sternenzelt wohnt, der weiss, wie viele Sterne am Himmelszelt stehen, unmöglich geworden.

Ein Vater, der den Wolken, dem Luft Wege, Lauf und Bahn gibt, ein Heiland für die ganze Welt – diese Vorstellung ist ihnen verbaut. Viele Menschen machen die Erfahrung, dass sie in dieser Welt und in dieser Gesellschaft auf sich allein gestellt sind. Ein allmächtiger Gott, der in Bethlehem Mensch geworden ist, der uns erlösen will, der uns begleitet und beschützt, ist für sie ein illusionärer Wunschtraum. Sie erleben nur den Gott, der abwesend ist, der dem ganzen Treiben bei uns gleichgültig zuschaut. Die Weigerung, die Geburt dieses Gottes zu feiern und ihm noch Lieder zu singen, kann ebenso ein Protest sein gegen einen Gott, der nach 2000 Jahren noch immer nicht bei uns angekommen ist und seine Versprechen nicht eingelöst hat. Die Weigerung, diesem Gott Lieder zu singen, kann aber auch ein Protest gegen eine Christenheit sein, die Loblieder singt und Weihnachten feiert, wie wenn ausserhalb der Kirchenmauern alles in bester Ordnung wäre. Jede Rede von Gottvertrauen, vom gütigen Vater im Himmel, von Erlösung und Rettung ist für sie die übelste Ausflucht, die kaltherzigste Bagatellisierung aller Greueltaten auf dieser Erde.

Diese Anklagen und Einwände gegen das Singen von Lobliedern, gegen das unbeschwerte Feiern von Weihnachten, haben alle ihre Berechtigung und müssen ernst genommen werden. Und doch, ich bin überzeugt, dass wir nur Gemeinde sein können, wenn wir Loblieder singen und Gottes Geburt auf Erden und seine Ankunft feiern. Nicht weil es unserer Welt so gut geht. Umgekehrt, je schlechter es ihr geht, desto lauter müssen wir singen und feiern. Das ist weder Gleichgültigkeit noch Zweckoptimismus. Der Vorwurf, dass Loblieder auf einen fürsorglichen Gott naiv und den Leidenden gegenüber gefühllos seien, wird unter anderem durch den Lebenslauf des berühmtesten Dichters in unserem Kirchengesangbuch, Paul Gerhardt, in Frage gestellt. Die Strophen seiner Choräle sind in härtester Anfechtung, in dunkelster Nacht, in einer Situation von äusserster Gottverlassenheit gedichtet und gesungen worden.

Als Paul Gerhardt elf Jahre alt ist, bricht der 30-jährige Krieg aus. Verschiedene Kriegsheere saugen sein Land aus nach allen Regeln der Kriegskunst. Bald einmal sind die Dörfer verödet, die Felder zerstampft und verwildert. Die Bewohner ermordet oder geflüchtet. Auch seine Heimatstadt geht in Flammen auf. Als Paul Gerhard zwölf Jahre alt ist, verliert er seinen Vater, zwei Jahre später seine Mutter. Sein Bruder Christian, ebenso viele seiner Freunde sterben an der Pest, die sich nach der Verwüstung schnell ausbreitet. Später muss Paul Gerhardt miterleben, wie vier seiner fünf Kinder sterben. Alle noch im Kindesalter. Nach der Geburt des fünften Kindes stirbt auch seine Frau. Allein mit seinem kleinen Sohn Friedrich muss er zurückbleiben. Ist es da möglich, dass für Paul Gerhardt und seine Zeitgenossen Loblieder auf Gott, trotz quälendem Hunger und beissender Kälte, inmitten der Greuel, inmitten dem Ausgeliefertsein an die Grausamkeit der Mächtigen, inmitten einer Welt ohne Gott, leichter gewesen sein soll als heute? Ist es da möglich, dass diese Strophen Ausdruck von reiner Gedankenlosigkeit, von reinem Zweckoptimismus sein sollen?

Es kann nicht Kunstgenuss sein, den der Dichter und seine Zeitgenossen in diesen Liedern gesucht haben. In diesen Liedern hat ein kriegsmüdes und leidendes Volk Trost gesucht. Mit ihren Liedern auf den biblischen Gott weigerten sie sich, anderen, falschen Göttern die Ehre zu geben. Wer für den Gott Israels singt, wer die Geburt Gottes in Bethlehem feiert, der reisst laut und öffentlich den falschen Göttern und die sich als solche aufspielen wollen die Maske vom Gesicht und ruft mit seinen Liedern zum Widerstand gegen die menschenverachtende und totalitäre Ideologie vieler Diktatoren auf. Gerade durch ihren Lobpreis auf den biblischen Gott bezeugten sie, dass jegliche Unterdrückung von Menschen, Unrecht und Krieg immer die Folge von menschlichem Grössenwahn ist und nicht der Wille ihres Gottes. Diese Lieder waren Schreie von Menschen, die vom Tod bedroht waren. Schreie von Menschen, die in den Liedern und mit ihnen das Leben und die Gerechtigkeit suchten. Es waren Menschen, die in tiefster Nacht sangen. Menschen, die gegen alle Hoffnung daran festhielten, dass es einen neuen Morgen geben muss. Diesen unmöglichen Gott als gütig zu erkennen, ihn zu lieben und anzurufen, das war auch für Paul Gerhardt und seine Leidensgenossen keine Selbstverständlichkeit.

Aber sie wussten, dass in dem Moment, in dem nur noch Vernichtungsund Rachewünsche über ihre Lippen kommen, in dem Moment, in dem alle menschliche Sprache im Hals stecken bleibt, das Böse den endgültigen Sieg davonträgt. Sie wussten, wenn sie aufhören zu singen, dann hat die Gewalt und die Grausamkeit das letzte Wort. Sie wussten: Wer aufhört zu singen, der hat kapituliert, der hat die Hoffnung auf das Reich Gottes aufgegeben. Wer nur noch glaubt, was er sieht und was er für logisch hält, der hat sich für den Tod entschieden. Wer aber mitten in der finstersten Nacht die Kraft findet zu singen, der weckt die Morgenröte. Die Morgenröte, aus der heraus die Sonne der Gerechtigkeit geboren wird.

Liebe Leserinnen und Leser: Wir gehen auf Advent zu und bald steht die Weihnachtszeit vor der Tür. Singt und feiert so oft und so laut ihr könnt. Als Zeichen unserer messianischen Hoffnung. Als Zeichen dafür, dass der Morgen schon angebrochen ist und folgen wir unbeirrbar dem Stern von Bethlehem!»


VORSCHAU

Basar Samstag, 1. Dezember

9.30 bis 16.00 Uhr,
Kirchgemeindehaus Gstaad

Weihnachtsverkauf an diversen Ständen
Kaffeestube und Suppenzmittag
Suppenausschank zum Mitnehmen

ab 10.30 Uhr
Musik um 13.30 Uhr
Verlosung um 15.45 Uhr
Erlös hälftig für Mine-Ex und
Maison Claudine Pereira

Backwaren werden am 30. November ab 13.30 Uhr und am 1. Dezember ab 8.30 Uhr entgegengenommen

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