Das Publikum mit Emotionen berühren

Mi, 12. Jun. 2019
Markus S.Bach in seiner leichten, sicheren und eleganten Art zu dirigieren FOTOS: LOTTE BRENNER

Mit einer dreiteiligen Zeitreise, einem vierstündigen sehr kurzweiligen, atemberaubenden Musikprogramm – witzig, charmant moderiert von Eliane Schweizer – feierte die Brass Band Berner Oberland BBO am Pfingstmontag ihren 50. Geburtstag. Die Simmental Arena in Zweisimmen war bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrschte eine Bombenstimmung.

LOTTE BRENNER
«Das Publikum mit Emotionen berühren», so umschrieb Eliane Schweizer die Aufgabe, die sich die BBO immer wieder stellt. Treffender könnte es wohl nicht ausgedrückt sein. Der freudige Enthusiasmus ist einem jeden Mitglied der Band aufs Gesicht geschrieben, obschon dem Erfolg, der die Band seit ihrem Bestehen stetig begleitet, eine riesige Anstrengung vorausgeht: üben, üben und nochmals üben, seriös und diszipliniert. Denn Talent allein genügt nicht. Aber die Freude am gemeinsamen Musizieren und die Zusammengehörigkeit, das «Dabeisein» ist es wohl, das die ehrgeizigen Musikerinnen und Musiker zu dem macht, was sie als Brass-Band-Mitglied sind: Virtuosen, die ihr Instrument beherrschen und oftmals auch ausserhalb der Band eine aussergewöhnliche Musikkarriere angehen.

Harmloser Anfang mit Sogwirkung
Vor 50 Jahren begann alles ganz sachte und bescheiden: Da war Markus S. Bach, der seine Begeisterung für die Musik gerne mit andern talentierten Musikbegeisterten teilen wollte. Seine Vision, eine neue Musikformation aus dem Reservoir der Musikvereine der Region Saanenland und Simmental ins Leben zu rufen, welche mit wenig Probenaufwand eine grössere Anzahl Auftritte bestreiten kann, realisierte er Schritt um Schritt. Zuerst schrieb er die Vereine an. Es galt, die Besten zusammenzutrommeln, um mit einem anspruchsvollen Programm weiterzukommen. Es blieb indes nicht bei dieser Vision. Nach der Gründung der Brass Band «Berner Oberland» und einigen Anfangsschwierigkeiten jagten sich die Erfolge im In- und Ausland bis heute.

1972 nahm die Band am 1. Schweizer-Brass-Band-Wettbewerb teil und belegte gleich den vierten Rang. Die Erfolgsgeschichte in Stichworten: 1974 erste Pfingstmontags-Matinée und seither immer wieder, 1976 erstmals nach England, 1978 erstmals Tonstudio, 1980 BBO-Marschmusikparade Zürich, 1981 erster Auftritt an der European Brass Band Championships EBBC, 1983 Heimisches Palastkonzert, 1985/86 BBO in Japan und Hongkong, 1987 ein Galajahr: erster Sieg Schweizerischer Brass-Band-Wettbewerb SBBW, Erste am Swiss Entertainment Contest, Alpen-Gala Gstaad – alles in neuer Uniform in Gold und Königsblau. 1988 Europäische Klasse, 1989 (bis 2018) Show-Wettbewerbe in Birmensdorf mit mehrfachen Siegen.

Die Jungen kommen
1991 begannen die goldenen Jahre der BBO mit James Gourlay an der Spitze, 1992 kam Véronique Pitteloud (heute Gyger-Pitteloud). Gründung der BBO Junior, die goldenen Neunzigerjahre waren geprägt von Glamour, Siegserien und CD-Schüben für die erfolgreichste Brass Band der Schweiz. 1997 kam der Tessiner Carlo Balmelli mit einem Touch für alte Musik, so im Jahr 2000 mit einem Konzert im Berner Münster und 2001 einem Galakonzert im Zirkuszelt mit dem Geiger Alexandre Dubach. Dann 2004 Champion beim Swiss Open, 2006/2017 zeigte sich die BBO klassisch bis jazzig, 2007 wurde der schottische Starmusiker Philip Mc-Cann Dirigent. 2008 Holland-Deutschland-Schweizreise mit Alphorn und Radioaufnahmen, 2009 Pfingst-Matinée, CD-Taufe, 40-Jahr-Jubiläum, 2010 Neuuniformierung von BBO und BBOJ, 2012 übernimmt Jan Müller die Junioren, Corsin Tuor wird BBO-Dirigent und Vermittler zwischen den Kulturen. Eine neue Weihnachtstradition entsteht. 2015 geht die BBOJ an die European Brass Band Association EYBBC, 2016 gehts über den Gotthard mit einem Auftritt in der SRF-Sendung «Potzmusig», 2017 siegt BBBOJ an der SBBW, 2018 BBO wieder Champion Band. Und somit wurde die sehr kurz gefasste Geschichte der BBO in den 50 Jahren ihres Bestehens doch beachtlich raumfüllend.

Die geglückte Jubiläumsveranstaltung mit zwei Uraufführungen und einem tollen Programm, rhythmisch interessant und einfühlsam-emotional sowie einer feierlichen Laudatio durch das Ehrenmitglied Kurt Gyger, der seit 15-jährig bis heute in der BBO ist (von insgesamt 28 Ehrenmitgliedern spielten am Samstag acht mit) und einer Ehrung als Ehrenpräsident von Hans-Rudolf Kernen, welcher der BBO 26 Jahre lang als Präsident vorstand, nahm der lange Abend nochmals musikalisch ein Ende. Eine Anekdote, sinnbildlich für die lockere, familiäre Stimmung in der Band, konnte sich Markus S. Bach nicht verkneifen: Es war auf der Reise nach Japan. Die Band war bereits im Flughafen Zürich, als einer der Musiker seinen Musikpass (ebenfalls rot, mit einem Schweizerkreuz) anstelle des Schweizer Passes vorwies. Als der Bruder mit dem Traktor den richtigen Pass brachte, waren die BBO-Mitglieder im Flieger schon angegurtet – das war knapp. Bei solchen und andern Geschichten verwundert es nicht, wenn die befragten Jungen in der Band spontan sagen: «Es fägt, ist cool, der Dirigent ist super ...»

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