Kirchgemeinde Saanen-Gsteig genehmigt enorme Abschreibungen

Mi, 12. Jun. 2019
Präsidentin Brigitte Zahnd und Ratsmitglied Stephan Friedli zeigten sich nach der Versammlung erleichtert und erfreut über das Verständnis und die Weitsicht der anwesenden Gemeindemitglieder. FOTO: JENNY STERCHI

Die Kirchgemeindeversammlung der reformierten Kirchgemeinde Saanen-Gsteig war von Zahlen dominiert. Gut aufbereitet und plausibel erklärt wurde die Abschreibungssumme von über 700’000 Franken von der Versammlung gutgeheissen.

JENNY STERCHI
Er sei schon ein wenig angespannt gewesen, wie Kirchgemeinderatsmitglied Stephan Friedli selber am Ende der Versammlung feststellte. Und auch Ratspräsidentin Brigitte Zahnd war die Erleichterung anzumerken, schliesslich war die Abschreibungssumme, deren Zustimmung es bedurfte, kein «Pappenstiel». Friedlis Aufgabe an der Kirchgemeindeversammlung bestand in der Erläuterung der Jahresrechnung von 2018 und den darin enthaltenen Abschreibungen von 765’979 Franken.

Unvorhersehbare Mehreinnahmen
Mit einer Rückvergütung des Fusionsbeitrages, Mieteinnahmen und deutlich höheren Steuereinnahmen als budgetiert resultierten gemäss Stephan Friedli im vergangenen Geschäftsjahr Mehreinnahmen von rund 650’000 Franken, die nicht kalkulierbar waren. Laut neuem Rechnungslegungsmodell HRM2, auf das die reformierte Kirchgemeinde Saanen-Gsteig im vergangenen Jahr erfolgreich umgestellt hat, sind Abschreibungssummen zukünftig begrenzt. Dies habe zusammen mit den Mehreinnahmen für die vorgeschlagene hohe Abschreibungssumme geführt.

Zudem könnten auf diese Weise die kommenden Generationen in der Kirchgemeinde entlastet werden. Somit werden sich die massiven Abschreibungen auf die Liegenschaften, wie die Kirche in Saanen und die verschiedenen Pfarrhäuser der Gemeinde, in den kommenden Jahren auszahlen. All die Argumente sorgten für eine einstimmige Genehmigung der vorgeschlagenen Abschreibungen durch die Versammlung.

Ertragsüberschuss
Grosse Investitionen seien nicht getätigt worden und auch für dieses Jahr nicht geplant. Die Kirchgemeinde werde aber in Zukunft wieder investieren müssen, wie Präsidentin Zahnd mit ihrer Aussage untermauerte: «Die nächste Sanierung kommt bestimmt.» Trotz der immensen Abschreibungssumme schliesst die Rechnung 2018 mit einem Ertragsüberschuss von 337 Franken. Die Versammlung genehmigte auch die Rechnung einstimmig. Die reformierte Kirchgemeinde Saanen-Gsteig befindet sich demnach in einer soliden Finanzlage.

Nach den Zahlen zu den Aktivitäten
Die Zahlen hatten viel Versammlungszeit in Anspruch genommen und Präsidentin Brigitte Zahnd leitete zum letzten Traktandum «Verschiedenes» über mit den Worten: «Unsere Kirchgemeinde hat scheinbar nur mit Zahlen zu tun. Dabei gibt es so viele Aktivitäten und Projekte, mit denen wir die Gemeinde beleben möchten.» Neben den gemeinsamen Gottesdiensten sei auch das Freizeitangebot für Senioren sowie die Kinder und Jugendlichen der Region sehr breit. Die Bäuertgottesdienste seien laut Umfrageergebnissen nach wie vor sehr beliebt. Aber ganz nach dem Motto, sich nicht mit Bestehendem zufrieden zu geben, werden neue Aktionen angedacht. Das Projekt «Reformationsgarten» zum Beispiel sei in der Entstehung und profitiere von der Beteiligung verschiedener kirchlicher Vereinigungen. Eines der Ziele in Zukunft sei nicht nur der Einbezug der Jugend, sondern auch die Übertragung von Verantwortung auf sie.

Neues Landeskirchengesetz
Pfarrer Bruno Bader ist Mitglied im Synodalrat und informierte in dieser Funktion erstmals über Änderungen, die mit dem neuen Landeskirchengesetz Anfang nächstes Jahr in Kraft treten. Neu werden kirchliche Stellen und Pfarrstellen vom Synodalrat besetzt und nicht mehr wie bis anhin vom Kanton. Das Geld vom Kanton geht nicht mehr direkt in die Kirchgemeinden. Vielmehr soll es als gesamtgesellschaftliche Leistung zur Verfügung gestellt und von den Gemeinden je nach Aufwand angefordert werden. Die Zahlungen werden dann voraussichtlich aller vier Jahre neu bewertet. Der Synodalrat agiert dabei als Kontrollorgan. Ob und in wieweit sich das auf die Kirchgemeinden im Saanenland auswirken wird, ist gemäss Pfarrer Bader heute noch nicht abzuschätzen.

Category: 

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

«Hie läbe, hie ichoufe» – eine Aktion zur Unterstützung der lokalen Betriebe

Der Gewerbeverein Saanenland, Gstaad Saanenland Tourismus und der Hotelierverein Gstaad Saanenland haben gemeinsam das Projekt «Hie läbe, hie ichoufe» zur Unterstützung des lokalen Gewerbes und der lokalen Gastronomie erarbeitet. Sämtliche Haushaltungen in Saanen bekommen eine Gstaad Gift Card mit einem Betrag zwischen 25 und 100 Franken. Die Gemeinde Saanen beteiligt sich an der Finanzierung des Projekts.

«Nachdem der Bundesrat den Fahrplan für die Locker...