Fingerfertigkeitsduell am «Le Bois qui Chante»

Di, 15. Okt. 2019
Adalberto Maria Riva (vorne) und Reto Reichenbach musizieren konzentriert vierhändig. FOTO: ÇETIN KÖKSAL

Die Pianisten Reto Reichenbach und Adalberto Maria Riva lieferten sich letzten Samstagabend am Eröffnungskonzert des Musikfestivals «Le Bois qui Chante» im Temple de Château-d’Oex einen nicht allzu ernsten Wettstreit. Dabei massen sich die beiden «Konkurrenten» zwei- und vierhändig bei der Interpretation von Bach, Chopin, Debussy, Fumagalli, Liszt, Martin, Mozart, Scarlatti, Schubert und Tschaikowski.

ÇETIN KÖKSAL
Vierhändig begann der «Konkurrenzkampf» der beiden – auch parodistisch begabten – «Klavier-Narzissten» mit dem Präludium in C-Dur und dem Allegro aus dem von Maximilian Reger arrangierten dritten Brandenburgischen Konzert von Johann Sebastian Bach. Stets machten sich die beiden Komödianten spielend den begehrten Solistenplatz streitig. Die Scarlatti-Sonate K. 24 interpretierte Reto Reichenbach dann allerdings allein, wie auch Adalberto Maria Riva das Impromptu Opus 142 No. 2 von Franz Schubert. Riva gelang eine äusserst feingliedrig stringente Ausgestaltung dieser «Art einer Improvisation» (Impromptu). Ein sehr schöner Spannungsbogen und dadurch auch eine nicht abreissende Beziehungsspannung zum Publikum gelangen da dem Mailänder Pianisten. Zusammen mit dem wiederum vierhändig vorgetragenen «A la Chapelle Sixtine» von Franz Liszt waren dies die Höhepunkte des ersten Konzertteils.

Letzteres ein im übrigen sehr spezielles Stück, komponierte Liszt es doch 1862, ein Jahr nach seiner Abreise von Weimar nach Rom, wo er seine langjährige Lebensgefährtin Fürstin Caroline von Sayn-Wittgenstein heiraten wollte. Da der Papst die benötigte Ehedispens der Fürstin in letzter Minute vorenthielt, wurde aus dem Vorhaben nichts. Enttäuscht darüber und erschüttert durch den Tod seiner Tochter Blandine, widmete sich Liszt von da an verstärkt Kompositionen mit religiösen Themen. Beim Betrachten der Sixtinischen Kapelle in Rom liess er sich von Allegris «Miserere» und Mozarts «Ave Verum» inspirieren. «Die Not und Sorgen weinten im Miserere», schrieb der Komponist, «und Gottes unendliches Erbarmen, Gottes gewährende Gnade antworteten im Ave verum corpus.» Liszt sah darin eine trostreiche Begegnung des Menschen mit dem Himmlischen und vereinte sie in «A la Chapelle Sixtine».

Oper, Ballett und weitere Einblicke
Den zweiten Teil des Konzerts begann Adalberto Maria Riva mit der wohl berühmtesten Arie aus der Oper «Norma» von Vincenzo Bellini. Er interpretierte «Casta Diva» in der von Adolfo Fumagalli arrangierten Version für (ausschliesslich!) die linke Hand. Reto Reichenbach spielte dann eine Etude von Chopin, «Mouvement» von Claude Debussy und das Vivace aus dem Prélude No. 8 des Schweizer Komponisten Frank Martin. Der im Turbach aufgewachsene Reichenbach überzeugte gerade mit den beiden letztgenannten Stücken durch seine Virtuosität und die stimmige Ausgestaltung. Virtuose Fähigkeiten verlangte auch die «Paraphrase sur Rigoletto» von Franz Liszt. «Konkurrent» Riva zeigte erneut, dass er sein Instrument in sehr vielen Facetten beherrscht. Zum Abschluss dieses vielfältigen Klavierabends zeigten sich die beiden Solisten versöhnlich. Harmonisch und sprichwörtlich im Einklang gaben sie Auszüge aus der «Nussknacker Suite» von Peter Iljitsch Tschaikowski zum Besten.

Der während des Konzerts von den Solisten selbstverständlich nur vorgespielte Wettkampf und die anschliessend ebenfalls inszenierte Entspannung spiegelte sich bestimmt ungewollt im effektiven Zusammenspiel. Bezeichnenderweise waren demzufolge die «Nussknacker»-Schmankerl der vierhändige Höhepunkt des Konzerts.

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