Eine Groteske, die Spass macht

Di, 20. Okt. 2020
Matthias Moser (rechts) scheitert als Wachtmeister Gyger am Versuch, die eigenartigen Dorfbewohnerinnen, hier Nathalie Moser als Fränzi Niedermeyer, zu verhören. Dorfpolizist Wintermeyer, gespielt von Urs Roos (links), erweist sich dabei nicht als sehr hilfreich. FOTOS: JENNY STERCHI

Ungewöhnlich viele Witwen und einen Polizeiwachtmeister, der bis an seine Belastungsgrenze gebracht wird, präsentiert derzeit ein kleines Ensemble der Theatergruppe «Szenewächsel» in Zweisimmen.

JENNY STERCHI
Die Groteske «Willkomme z Ungerknoflige» beginnt mit der Strafversetzung des Wachtmeisters Gyger: In den folgenden sechzig Minuten erfährt der Zuschauer neben dem Vornamen des Chefpolizisten auch viele haarsträubende Ereignisse, die sich in dem scheinbar nur von Damen verschiedenen Alters bewohnten Dorf Ungerknoflige abspielten.

Die Spielfreude der Darstellerinnen lässt das Publikum eine Stunde lang an einem Dorfleben fernab von Corona teilhaben. Die verblichenen Ehegatten der Dorfdamen haben sich auf spektakuläre Weisen aus dem Leben verabschiedet. Sicher hat auch Matthias Moser Spass an der Rolle des Wachtmeisters Gyger, auch wenn er die Freude am Spiel in der emotionalen Bandbreite von «genervt» bis «verzweifelt» verpacken muss. Es gelingt ihm neben dem beinahe anstrengend gut gelaunten Dorfpolizisten Wintermeyer, gespielt von Urs Roos, sehr gut.

«On/Off» in der Planung
Die diesjährige Programmplanung der Theatergruppe «Szenewächsel» war alles andere als geradlinig. Symptomatisch für den Pandemiebeginn im Frühling verwarf auch sie ihren Plan, im Herbst das bereits ausgewählte Theaterstück auf die Bühne zu bringen. Die stabilisierten Umstände im Sommer und die Lust aufs Theaterspielen führten im Juni zum Entscheid, ein kurzes Stück auszuwählen und im Oktober auf die Bühne zu bringen. «Der Plan war sportlich, ein Stück in drei Monaten auszuwählen, einzustudieren und es spielen zu können, ihm Leben einzuhauchen», so die Schauspieler rückblickend. Mitunter erfuhren sie mit ihrem Plan Gegenwind und Unverständnis. Gefragt danach, ob es während des Einstudierens Momente des Zweifels gegeben habe, antwortet Regisseurin Christine Schwizgebel: «Die Situation war ja durchgehend veränderlich und mit diesem Wissen haben wir die Proben aufgenommen. Wir haben ein lückenloses Schutzkonzept erarbeitet. Jedem, der auf der Bühne stand, war klar, dass es unter Umständen nicht zur Aufführung kommen könnte. Aber das Theaterspiel ist unser Hobby, der Spass, in Rollen zu schlüpfen hängt nicht zwangsweise von einem Publikum ab.»

Kulturhunger der Bevölkerung
Umso schöner sei es natürlich nun, dass sie vor Zuschauerinnen und Zuschauern spielen dürften. Und die gehen in dem einstündigen Spiel voll mit, lassen sich bereitwillig in Gelächter versetzen und leiden mit dem geprüften Kommissar…wenigstens ein bisschen. «Die Menschen haben irgendwie Kulturhunger», beschreiben die Darstellerinnen und Darsteller die Atmosphäre im Publikum, das nach Besuchergruppen getrennt und im Gemeindesaal von Zweisimmen verteilt platziert wird.

Kleine, runde Tischchen bieten den Besuchern Abstellfläche für Getränke und Snacks, die in der jetzigen Situation nur am Platz konsumiert werden dürfen. «Die Lösung mit den Tischen könnt ihr bitte aufrechterhalten, auch ohne Corona», hörten die Theaterleute von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Denn tatsächlich zauberten die mit Tischtuch und Teelicht dekorierten Tische eine Mischung aus Clubkino und Varieté in den Saal.

Weitere Vorstellungen am Mittwoch, 21. und Freitag, 23. Oktober. Kontakt und Reservationen auf der Homepage www.szenewaechsel.ch

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