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«Saanetütsch» vom Feinsten

Di, 01. Dez. 2020
Heidi und Ruben Frautschi. FOTO: ZVG

Das frisch erschienene Büchlein «Saanetütsch» dokumentiert – dem Wandel der Sprache zum Trotz – die Eigentümlichkeiten des hiesigen Dialekts und lädt gleichwohl zum Schmunzeln wie zum Diskutieren ein.

NADINE HAGER
Wenn die Mutter ihr «Pötti» «i Sänkel schtällt, wills zum zhindernavor wärden ischt, wies aapfuggets derhar chunt», dann ist das eine wunderbare Kostprobe feinsten Saaner Dialekts. Dieser gerät in seiner Ursprünglichkeit jedoch immer mehr in Vergessenheit. Dem wirken Heidi und Ruben Frautschi, Ruth und Albert von Grünigen sowie Fritz Müllener in ihrem frisch erschienenen Büchlein «Saanetütsch» entgegen.

Ihr Ziel: Einen Beitrag «zur Erhaltig u Pfleg va de schöne Dialäkte in ünse Bärgtälere» zu leisten. Das Büchlein enthält typische Wörter und Redewendungen mit den zugehörigen Übersetzungen auf Hochdeutsch sowie einen kleinen Grammatikteil – denn merke, die Suppe ist «gchocheti», doch die Pflaumen sind «gchochetu»!

Da die beiden Hauptverfasser Ruben und Heidi Frautschi aus dem Turbach und der Bissen stammen, liegt der Fokus insbesondere auf diesem Dialekt. «Nur schon die Schönrieder und die Feutersoeyer haben wieder andere Ausdrücke», erklärt die Co-Autorin Heidi Frautschi gegenüber dem «Anzeiger von Saanen», «und die Gsteiger und Lauener sowieso. Da gibt es einen grossen Unterschied.»

Aus Liebe zum Saanendeutsch
Das Projekt «Saanetütsch» nahm seinen Anfang mit Ruben Frautschis Liebe zur Sprache. Bereits in der RS hielt er stets standhaft an seinem Turbacher Dialekt fest, auch wenn die Leute aus anderen Regionen ihn kaum verstanden. Aus derselben Begeisterung heraus begann er später, für seine Sprache typische Ausdrücke niederzuschreiben. Dieser Funke sprang auch auf seine Frau Heidi Frautschi sowie seine Schwester Ruth von Grünigen mit ihrem Mann Albert von Grünigen über. «Wir steuerten gemeinsam Wörter und Redewendungen bei, die uns in den Sinn kamen», erzählt Heidi Frautschi. Dabei sei es allein um das Dokumentieren der Sprache gegangen – zu Privatzwecken. «Erst nachdem das Ehepaar von Grünigen verstorben war, kam die Idee auf, man könnte ein Heftchen aus unserer Sammlung machen – bevor der ursprüngliche Dialekt verloren geht.»

Von der Sammlung zum Büchlein
Ruben Frautschi war altersbedingt bald nicht mehr in der Lage, das Buchprojekt mitzutragen. Deshalb holte Heidi Frautschi Fritz Müllener ins Boot. Dieser hatte bereits zwei Bücher auf Saanendeutsch veröffentlicht und half ihr nun begeistert dabei, das Buchprojekt aufzugleisen. Die Mission: der lokalen Bevölkerung den kleinen Kulturschatz zugänglich zu machen. Fritz Müllener verstarb noch vor der Veröffentlichung des Büchleins, genauso wie Ruben Frautschi. Heidi Frautschi jedoch brachte die Veröffentlichung vor ein paar Tagen zu Ende und schloss damit ein Projekt ab, das sich während mehreren Jahrzehnten entwickelt hatte. «Wenn ich das Büchlein in Händen halte, bin ich erleichtert, dass es jetzt so weit ist. Zwei Jahre lang habe ich das Projekt allein getragen und bin froh, dass ich das so abgeben kann», sagt sie.

Für Sprachinteressierte
Vor wenigen Tagen wurde das kleine Buch «Saanetütsch» von Müller Medien veröffentlicht. Entstanden ist ein kunterbunter Einblick in die hiesige Sprache, der sowohl neuere als auch bereits in Vergessenheit geratene Ausdrücke vereint. «Ds Saanetütsch ischt e läbigi u bluemigi Schprach», stellen die Autorinnen und Autoren gleich nach dem Vorwort fest – und dieser wird das Büchlein zweifellos gerecht. «Ich kann das Heft sehr für jene empfehlen, die an der Sprache interessiert sind», sagt Heidi Frautschi. «Und es eignet sich gut als kleines Geschenk!»

Erschienen: Müller Medien, 2020; ISBN: 978-3-907041-73-4
Erhältlich: Au Foyer, Cadonau, Müller Medien, Pfander und online unter https://www.mmedien.ch/saanetuetsch/

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