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Schreibtisch statt Kaserne

Fr, 26. Feb. 2021

Auch das Militär musste sich an die geltenden Corona-Massnahmen anpassen. Am 18. Januar rückten deshalb circa 40 Prozent der Rekruten an den Schreibtisch statt in die Kaserne ein. Gefechtstraining im Wohnzimmer? Sanitätsübungen an den Geschwistern? David Reichenbach (DR) aus Lauenen und Kenny Wehren (KW) aus Saanen berichten im Interview, wie sie die ungewöhnliche Situation gemeistert haben.

SOPHIA GRASSER

Wie sah der Alltag zu Hause aus?
DR
: Die Alternative zur gängigen Präsenzlehre wird als Distance Learning bezeichnet. Das heisst: Das Militär hat uns über die Plattform «Learning Management System» ein digitales Programm zusammengestellt, mit dem wir uns sechs Stunden täglich von Montag bis Freitag befassen sollten. Der Lernplan bestand aus verschiedenen Reglementen. Mithilfe von Videos, PDF-Dokumenten und Arbeitsaufgaben hat man sich also die Inhalte selbstständig erarbeitet. Das reichte von den militärischen Verhaltensregeln über die Grundkenntnisse im Sanitätsdienst bis hin zum Umgang mit der persönlichen Waffe.
KW: Für unsere Fitness waren wöchentlich vier Stunden Sport vorgesehen. Wie der einzelne Rekrut das umgesetzt hat, war ihm selbst überlassen. Als Hilfeleistung wurde uns über eine Sport-App ein Trainingsplan zur Verfügung gestellt, nach dem wir uns richten konnten. Ich persönlich habe mich aber jeden zweiten Abend mit einem Kollegen getroffen und gemeinsam mit ihm in seinem privaten Fitnessraum trainiert. Das hat für mich am besten funktioniert.

Gab es technische Probleme?
KW
: Ja, das war tatsächlich eine grosse Sache, denn in der ersten Woche war der Server stark überlastet. Das hat sich dann in extrem langen Ladezeiten geäussert, sodass man mit dem Lernplan nicht fortfahren konnte. Viele gerieten in den Rückstand. Um am Ball zu bleiben, habe ich mich einfach auf den Sport fokussiert und auf diese Weise die Zeit sinnvoll genutzt. In der darauffolgenden Woche war die Störung behoben und wir konnten problemlos auf die Inhalte zugreifen.
DR: Und wenn ein Rekrut keinen Laptop oder keinen Internetzugang besass, wurden ihm die Unterlagen per Post zugeschickt – es gab für alles eine Lösung.

Wer prüft, ob man wirklich gelernt hat?
DR
: Das Militär hat in erster Linie auf Eigenverantwortung gesetzt. Nach dem Einrücken in die Kaserne fanden zwar einige Tests statt, es lag aber in deinem eigenen Interesse, dich entsprechend vorzubereiten, um die Prüfung nicht unzählige Male wiederholen zu müssen.
KW: Das Militär konnte Einsicht in das digitale Programm nehmen und auf diese Weise den individuellen Lernfortschritt verfolgen. Solange man die Reglemente zeitnah abgeschlossen hat, gab es keine Konsequenzen. Allerdings herrscht in der Kaserne ein gewisser Zeitdruck, weil wir unser theoretisches Wissen zuerst in die Praxis übertragen müssen. In diesem Punkt sind uns unsere Kameraden voraus, die bereits mit dem Beginn der Ausbildung eingerückt sind.

Wie beurteilen Sie die Alternative des Distance Learnings?
DR: Ich denke, das Distance Learning ist eine angemessene Massnahme hinsichtlich der Corona-Pandemie. Bis auf wenige Fälle, die sofort in Quarantäne geschickt wurden, sind hier alle gesund – toi toi toi (lacht). Wären alle gemeinsam eingerückt, sähe das vielleicht anders aus. Die Kehrseite ist natürlich, dass es eine gehörige Menge an Disziplin erfordert, sich die Lerninhalte selbstständig beizubringen. In der Kaserne herrscht von Grund auf eine andere Atmosphäre – so ergeht es aber vermutlich auch allen Schülern in der momentanen Zeit.
KW: Ich gehöre leider nicht zu der Sorte Mensch, die gern stundenlang am Schreibtisch sitzt und büffelt (lacht). Besonders im Militär sind die Übungen schliesslich darauf ausgelegt, in der Praxis durchgeführt zu werden. Deswegen finde ich es ein bisschen schade, dass ich erst drei Wochen später einrücken durfte. Aber ich habe mich mit der Situation gut arrangiert.

Sind Sie froh, die Ausbildung in der Kaserne abschliessen zu können?
DR
: Ja, ich bin sehr froh, dass ich jetzt einrücken durfte. Zu Hause verliert man schnell die Motivation und die Freude an der Ausbildung – das ist nicht das Wahre. Ausserdem konntest du nur schwer nachvollziehen, ob und inwiefern du die Inhalte verstanden hast. Schliesslich hatte man keine Möglichkeit, sie tatsächlich anzuwenden. In der Kaserne merkst du hingegen schnell, wo es noch hapert. Die Übungen kannst du dann so lange wiederholen, bis sie klappen.
KW: Ich fühle mich in der Kaserne wohl und bin froh, dass ich jetzt aktiv werden kann. Ich habe mich einfach gefreut.

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