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Alzheimer Angehörigengruppe Saanenland soll nicht vergessen werden

Di, 05. Okt. 2021
Angehörige von Demenzerkrankten finden die Gesprächsgruppe wie gewohnt weiterhin im alten Spital Saanen, Eingang Spitex, jeden dritten Donnerstag im Monat. FOTO: KEREM MAURER

Zu geringes Interesse und kein Geld vom Bund: Die Alzheimer Angehörigengruppe Saanenland wurde per 1. September geschlossen. Gegen diesen Entscheid regt sich Widerstand.

KEREM S. MAURER
Die Berner Sektion von Alzheimer Schweiz hat die Alzheimer Angehörigengruppe Saanenland per Ende August geschlossen. Dies sorgt bei den hiesigen involvierten Stellen für Empörung. Per Brief vom 29. Juni wurde Edith Ellenberger, welche die Gruppe seit dem 15. August 2019 leitete, gekündigt und damit die Gruppe offiziell geschlossen. «Weil wir die Gruppe in Saanen mangels Teilnehmenden nicht mehr weiterführen können», heisst es im Kündigungsschreiben, das von Mirjam Morgenthaler, Geschäftsleiterin von Alzheimer Bern, unterzeichnet ist. Morgenthaler beendete gleichzeitig ihre Tätigkeit bei Alzheimer Bern. Neue Geschäftsleiterin ist seit dem 2. August Rahel Kunz.

Fünf müssten es sein
Dass nicht viele Angehörige demenzerkrankter Menschen die Gesprächsgruppe in Saanen besucht haben, ist kein Geheimnis. «Wir waren immer etwa zwei bis vier, selten mehr Personen in der Gruppe», bestätigt Edith Ellenberger. Und das ist offenbar nicht genug. «Damit wir eine Angehörigengruppe anbieten können, sind wir auf finanzielle Beiträge des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BVS) angewiesen und dazu müssen wir bestimmte Vorgaben erfüllen», teilt Rahel Kunz, Geschäftsleiterin Alzheimer Bern, auf Anfrage mit, und: «Eine Angehörigengruppe kann erst mit fünf Teilnehmenden starten.» Alzheimer Bern betont, dass während längerer Zeit nur eine oder zwei Personen das Angebot in Saanen genutzt hätten. «Trotz Inseraten in den regionalen Medien und weiterer Öffentlichkeitsarbeit erhielt die Gesprächsgruppe im Saanenland keine neuen Teilnehmenden.» Diese Fünfpersonenregel ist für Edith Ellenberger insbesondere in den gegenwärtigen Zeiten ein Witz. Weil sich viele Personen infolge von «Schützen Sie sich und andere» oder «Bleiben Sie zu Hause» offenbar nicht mehr getraut haben, die Gesprächsgruppe zu besuchen.

Werden Randregionen im Stich gelassen?
Dass es bei dieser Schliessung um finanzielle Überlegungen geht, kann sich Marc Mathis, Betriebsleiter der Spitex Saane-Simme, kaum vorstellen. «Die Kosten für die Gesprächsgruppe belaufen sich pro Jahr auf rund 1500 Franken, inklusive Weiterbildungen. Frau Ellenberger hat ja nichts verrechnet, wenn niemand gekommen ist», sagt er. Vielmehr sei diese Schliessung für ihn ein «weiterer Beweis dafür, dass Randregionen bei gewissen Themen im Stich gelassen werden». Dieses Argument lässt Alzheimer Bern jedoch nicht gelten. «Für uns ist es ein zentrales Anliegen, Angehörige und Menschen mit Demenz in der Bewältigung der Erkrankung vor allem auch vor Ort bestmöglich zu unterstützen», so Rahel Kunz. Das aktuell geringe Interesse an der Angehörigengruppe Saanenland lasse vermuten, dass dieses Angebot den Bedürfnissen der betroffenen Menschen dieser Region nicht entspreche. Deshalb wolle Alzheimer Bern in Zukunft sogenannte Beratungsnachmittage vor Ort anbieten. «Ganz niederschwellig mit individueller Demenzberatung für Angehörige und Erkrankte, wo sich Personen in Einzelgesprächen beraten lassen können», informiert Rahel Kunz. Alzheimer Bern biete jetzt schon ihre Beratungen im ganzen Kanton Bern sowohl telefonisch, online, persönlich und – wo es sinnvoll sei – auch bei den Leuten zu Hause an. Sie betont, dass das Saanenland von diesem Angebot nicht ausgeschlossen sei.

Entscheid überdenken
Auch die Ärztin Dr. Claudia Sollberger, die sich bei Pro Viva für die Begleitung chronisch-, schwerkranker und sterbender Menschen sowie deren Angehörigen engagiert, kämpft für den Erhalt der Alzheimer Angehörigengruppe Saanenland. Sie hat mit einem Brief (liegt der Redaktion vor) an Alzheimer Bern auf die Schliessung reagiert. Darin schreibt sie, dass auch in der Region Saanen Demenzkranke von ihren Angehörigen betreut würden. Sollberger unterstreicht, dass Pro Viva aufgrund ihrer Tätigkeit wisse, dass eine Nachfrage nach dieser Gesprächsgruppe bestehe und dass hierzulande die Hürde, solche Angebote in Anspruch zu nehmen, gross sei. Umso wichtiger sei ein niederschwelliges Angebot. Denn müssten die Betroffenen aufgrund der Schliessung nach Spiez oder Bern fahren, wäre dies für viele zu aufwendig oder gar nicht machbar. Die Streichung dieses Angebots bedeute ein grosser Verlust, der eine allfällige Kostenersparnis nicht rechtfertige. Sollberger schliesst ihren Brief mit der Bitte, den Schliessungsentscheid zu überdenken. Alzheimer Bern bestätigt den Eingang dieses Briefes. «Mit Frau Sollberger hatten wir telefonischen Kontakt und ein persönliches Gespräch.»

«Wir machen weiter!»
Marc Mathis will diese Schliessung nicht einfach hinnehmen. Zusammen mit Pro Viva hat er beschlossen, die Alzheimer Angehörigengruppe Saanenland nicht verschwinden zu lassen. «Wir machen weiter wie bisher», sagt er und verspricht, dass Pro Viva vorläufig die Kosten für die Angehörigengruppe sowie die Weiterbildungen von Frau Ellenberger übernehme werde. Edith Ellenberger bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass sie genauso weitermachen könne, wie bisher. Angehörige von Demenzerkrankten, die sich mit anderen Betroffenen austauschen möchten, können dies nach wie vor an jedem dritten Donnerstag im Monat tun. Man trifft sich wie gewohnt im alten Spital Saanen, Eingang Spitex, dann erste Tür links.

 

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