Eine Ferienwoche zwischen Teufelsstein und Paradiso

  01.10.2021 Kirche, Schweiz, Reisen

Eine aufgestellte Gruppe von 32 Reiselustigen stieg am Samstag, 11. September in die Reichenbach-Busse, um die Fahrt nach Magliaso im Tessin unter die Räder zunehmen. Pfarrerin Marianne Aegerter leitete zusammen mit Brigitte Zahnd die Seniorenwoche der Kirchgemeinde Saanen-Gsteig.

VRENI MÜLLENER
Bei schönem Spätsommerwetter ging es in flotter Fahrt über den Brünig, durch die Innerschweiz und über den Gotthardpass ins Tessin. Für diejenigen, die schon vor zwei Jahren dabei waren, war die Ankunft im Centro Magliaso am Lago di Lugano fast ein Heimkommen. Die Neulinge staunten ob der ganzen Anlage und Infrastruktur und machten sich erst einmal mit der warmen Temperatur in der Südschweiz bekannt.

Novaggio – das fast unbekannte Dorf im Malcantone
Die Dorfführung durch das Tessinerdorf Novaggio wahr sehr aufschlussreich. Der evangelische Dorfpfarrer erzählte spannend über die geografische Lage, die Geschichte des Dorfes und allerlei Besonderheiten, während sich die Reisegruppe aus dem Saanenland durch die engen Gässlein und an geschichtsträchtigen Häusern vorbeibewegte. An aussichtsreicher Lage befindet sich ein Rehazentrum, dort befand sich früher ein Militärspital. Wer in diesem Erholungspark durch die richtige Baumlücke blickte, stellte fest, dass vom Dörflein Novaggio aus beide Tessiner Seen zu sehen sind – der Lago Maggiore und der Lago di Lugano. Ein Gottesdienst in der evangelischen Kirche, gestaltet von Pfrarrer Tobias Uldrich und Marianne Aegerter, bildete den Abschluss dieses Ausflugs.

Swiss Miniatur und der Hausberg von Lugano
Die Ausfahrt in die Ausstellung Swiss Miniatur interessierte die einen, andere frönten dem «Lädele» in Melide oder genossen einen ruhigen Vormittag mit Badeplausch und einfach ein wenig «Sein» im Centro.

Die Fahrt nachmittags mit der Standseilbahn auf den Monte San Salvatore auf gut 900 m belohnte die Touristen mit einem überwältigenden Rundumblick. Auch wenn die Weitsicht ein wenig getrübt war, waren ausser dem weitläufigen See mit dem Damm von Melide die Poebene, die Savoyer und die Schweizer Alpen in der Ferne zu erkennen. Wie jeden Abend freuten sich alle auf das Dreigangmenu zu Hause im Centro.

Man muss das Maggiatal auf sich wirken lassen
Der Fahrt ins Maggiatal war eine eindrückliche «Schulreise», vorbereitet und durchgeführt von Brigitte Zahnd. Beim ersten kurzen Halt konnte der gut 14 m hohe Obelisk aus Granit am Taleingang bewundert werden. Er wurde als Sinnbild für das Leben und Auskommen im Maggiatal errichtet. Die einheimische Bevölkerung verstand es, aus den vielen Steinen einen Wirtschaftszweig zu entwickeln, der viel zum materiellen Überleben in diesem langgezogenen Tal beiträgt.

Der hübsch eingerichtete Ruheplatz beim Wasserfall in Bignasco, der «Cascata Grande», bot sich geradezu an, in die mitgebrachten Lunchsäcklelin zu schauen und beim Rauschen des Wassers das Picknick zu geniessen.

Der Spaziergang durch das Dorf führte unter anderem über eine typische Steinbrücke, die unzählige Male in eine Kamera eingepackt und so ins Saanenland mitgenommen wurde. An der Strasse ins Lavizzaratal steht ein gewaltiger Stein, der wie in der Schöllenenschlucht als Teufelsstein bezeichnet wird. Der Legende nach soll dieses Mahnmal unverrückbar und für alle Zeiten an den Sieg des Guten über das Böse erinnern. Obwohl das Dörflein Brontallo aussieht, als wäre es an den Hang geklebt, gab es doch noch eine Möglichkeit, die Fahrzeuge für die Rückfahrt zu wenden. Dank einem Gönnerverein wurden die alten Gebäude aus Holz und Stein renoviert und bleiben somit für die Zukunft erhalten. Dass dadurch auch eine kleine touristische Wertschöpfung entsteht, ist den Bewohnern, die ganzjährig so abgeschieden leben, mehr als zu gönnen.

Der Markt in Ascona, der im Anschluss kurz besucht werden konnte, holte die Reisegruppe zurück in die Zivilisation.

Falknerei und Abendessen im Grotto
Eine Entführung in die spannende Welt der Greifvögel bot die Vorstellung in der Falconeria. In einer natürlich angelegten Umgebung wurden Falken, Adler, Eulen, Geier, Arabus, Waldrappen und Störche im freien Flug vorgestellt. Wer wollte, konnte sich zusammen mit einer niedlichen Eule auf dem bekannten Lederhandschuh ablichten lassen – eine hübsche Erinnerung an diesen regnerischen Nachmittag in Locarno.

Der Abschluss dieses Tages machte ein typisches Tessinermenu im Grotto Ca’ Nostra in Orselina: Ein «chüschtiger» Schmorbraten mit Originalpolenta passte genau zum Wetter. Dass die Aussicht an diesem Sommerabend betörend gewesen wäre, konnte leider nur erahnt werden.

Schiffahrt und Zollmuseum
Der letzte Ferientag stand ganz im Zeichen der Gemütlichkeit. Bei Geschichten und Liedern ging der Vormittag schnell vorbei und am Nachmittag lockte eine windige Fahrt mit dem Schiff von Lugano Paradiso aus über Gandria ins Zollmuseum in Cantine di Gandria.

Nach dem Abendessen lud eine Mundharmonikagruppe, die ihre Übungswoche im Centro Magliaso verbrachte, zu einem kleinen Konzert ein. Es war unglaublich zu sehen und zu hören, was für weltbekannte Melodien in nur einer Woche eingeübt und gespielt werden konnten. Mit oder ohne Schlummertrunk begaben sich die Saanerinnen und Saaner zur Ruhe, stand doch am Freitag die weite Heimreise über Varese–Domodossola–Simplon ins Wallis und dann ins heimatliche Saanenland auf dem Programm.

Die Kirchgemeinde Saanen-Gsteig ermöglichte ihren Senioren eine unvergessliche Woche im Tessin. Marianne Aegerter hat zusammen mit Brigitte Zahnd alles fein säuberlich geplant und auch durchgeführt. Es gelang den beiden, mit mehr oder weniger Anstrengung, ihre «Schäflein» nicht zu verlieren. Für die sichere Fahrt über Pässe, Autobahnen, durch Staus und durch enge Kurven im Maggiatal waren Hansjörg Zahnd, Bernhard Aegerter und Marco Kellenberger verantwortlich. Sicher im Namen der ganzen Reisegruppe danke ich ihnen von Herzen für ihren Einsatz. Die interessanten Ausflüge und die schöne Gemeinschaft unter allen Teilnehmenden tragen dazu bei, dass Magliaso 2021 nicht so schnell vergessen geht!

 


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