Behütet sein in Gottes Gegenwart
29.08.2025 Kultur, KircheSo durften sich die vielen Besucher:innen der sechsten Aufführung der Jodlermesse «Bhüet euch!» in der Kirche Saanen fühlen. Das einmalige Zusammenspiel von Jodelliedern, Orgelmusik und Waldhornklängen berührte einmal mehr die Herzen der Zuhörer. ...
So durften sich die vielen Besucher:innen der sechsten Aufführung der Jodlermesse «Bhüet euch!» in der Kirche Saanen fühlen. Das einmalige Zusammenspiel von Jodelliedern, Orgelmusik und Waldhornklängen berührte einmal mehr die Herzen der Zuhörer. Die liturgischen Texte von Marianne Kellenberger ergänzten die Liedtexte und liessen diese Stunde für viele zu einem persönlichen Gottesdienst werden.
VRENI MÜLLENER
«Kein Weg ist zu weit, um sich dieses Werk anzuhören», schwärmte eine Besucherin nach der Aufführung. Einmal mehr stiess die Jodlermesse, wie sie alle zwei Jahre im Rahmen des Gstaad Menuhin Festivals aufgeführt wird, auf sehr grosses Interesse. Bewundernswert, wie die Komponistin Marie-Theres von Gunten den Gesamtchor als Dirigentin zusammenhält und zugleich auch immer mitsingt. Der Aufbau des Werks ist einer römisch-katholischen Messe nachempfunden. Die neun tiefsinnigen Lieder mit Jodel, umrahmt von Wolfgang Sieber an der Orgel und einem Waldhornbläserquartett, berührten das Publikum. Mit ermutigenden Worten sprach Marianne Kellenberger über das Geheimnis des Glaubens, die Bedeutung der Gemeinschaft untereinander und des Segens. Mit ihren Gebeten sprach sie vielen Anwesenden aus dem Herzen. Gute Wünsche, die wir einander immer wieder auf den Weg geben, könnten sich auswirken wie ein Segen. «Wenn mein Grossvater zu mir sagte, ‹Bhüet di Gott›, so meine ich noch heute die Geborgenheit, Liebe und Wärme zu spüren, die diese Worte in mir auslösten», ermutigte die Pfarrerin, einander wieder vermehrt diesen Wunsch mit auf den Weg zu geben. Dieses harmonische Zusammenspiel von Gesang, Musik und Worten fand den Weg tief in viele Herzen. Möge es alle kraftvoll und ermutigend auf dem weiteren Lebensweg begleiten.
BABETTE HERBERT
Dankbar und gerührt konnte Babette Herbert während dem weiten Teil im Landhaus Saanen ein grosses Dankeschön für die finanzielle Unterstützung der letzten fünf Aufführungen entgegennehmen. Als sie das volkstümliche Werk zum ersten Mal hörte, stand für sie fest: Dieses Konzert gehört regelmässig ins Saanenland. Sie lernte Jodeln und die Jodlermesse wurde ihr zur Herzensangelegenheit. Dank ihrem grosszügigen Engagement, der administrativen Unterstützung des Gstaad Menuhin Festivals und der Organisation von Käthi von Siebenthal kann die Heilpädagogische Schule Gstaad ihre Reisekasse mit 10’130 Franken aus der freiwilligen Kollekte aufstocken.
MARIANNE KELLENBERGER
An der Jodlermesse mitzuwirken, bedeutet Marianne Kellenberger sehr viel. Sie durfte schon an der Gedächtnismesse von Marie-Theres von Gunten mitwirken. Bereits in den Proben der Chöre die schönen Worte und Klänge zu hören und sich dann in der Kirche berühren zu lassen, sei ein besonderes Erlebnis. Ihre Aufgabe als Liturgin sehe sie als eine dienende, vertiefende Funktion an Wort und Klang der Messe. «Dabei einen kleinen Anteil an diesem grossen Werk haben zu dürfen, ist mir eine Ehre», beschreibt die einheimische Pfarrerin ihr Engagement.
WOLFGANG SIEBER
Für den Organisten Wolfgang Sieber ist es jedes Mal «ds Höchscht» und ein wunderbares Glück, wenn er die Jodlermesse von Marie-Theres von Gunten an der Orgel begleiten kann. Die Kombination Chor, Orgel und Waldhornquartett sei für ihn optimal, meint der Musiker aus Luzern. «Mein Sohn Gabriel leitet das Bläserquartett. Diese Zusammenarbeit ist für mich besonders erfüllend.» Nach einer Aufführung wurde der Organist «angezündet», wenn er schon Jodelgesang begleite, gehöre ein richtiges Trachtengewand dazu. So entschied sich der gebürtige Toggenburger, die Toggenburger Sonntagstracht mit dunkelbraunen Wollhosen und dem roten Brusttuch anzuschaffen. Die Messingbeschläge an den Hosenträgern liess er aber nicht mit bäuerlichen Motiven verzieren – der leidenschaftliche Organist trägt stolz eine Toggenburger Hausorgel auf der Brust.
KÄTHI VON SIEBENTHAL
Als Initiantin, die dieses volkstümlich-spirituelle Werk nach Saanen gebracht hat, ist es für die eher spät berufene Jodlerin jedes Mal eine grosse Freude und Ehre, mit dem Oberländerchörli zu proben und dann im Gesamtchor aufzutreten. «Am Schluss der Vorstellung möchte ich am liebsten meinen Freudentränen freien Lauf lassen, doch zum dankenden Applaus des ergriffenen Publikums gehört auch mein Lächeln.»
MARIE-THERES VON GUNTEN
Der Auftritt mit den Jodlerchörli Geuensee und dem Oberländerchörli Interlaken in Saanen ist für die Komponistin und Dirigentin jedes Mal das absolute Highlight des Jahres. Insgesamt werde die Jodlermesse sechs bis sieben Mal pro Jahr von verschiedenen Formationen aufgeführt. «Nicht viele Jodlermessen haben einen kompletten liturgischen Ablauf. Gerade das lässt das Werk zu dieser einmaligen Einheit verschmelzen.»
JODLERMESSE «BHÜET EUCH!»
Aus Anlass des ersten Kirchenklangfestes CANTARS 2011 wünschte sich Wolfgang Sieber, Organist der Hofkirche Luzern, von Marie-Theres von Gunten eine neue Jodlermesse mit liturgischem Ablauf. Die Komponistin und Jodlerin liess sich auf diese Herausforderung ein. Ihr Bruder und Theologe Jules Walthert verfasste eindrückliche Texte, Marie-Theres von Gunten komponierte ausdrucksstarke Melodien dazu und Wolfgang Sieber vervollständigte das Ganze mit anspruchsvollen Orgelwerken. So entstand «Bhüet euch!». Am 2. Juni 2011 wurde die Jodlermesse in der Hofkirche Luzern uraufgeführt. Im 2014 holten die Jodlerin Käthi von Siebenthal und ihr Mann Gottfried die Komponistin und Dirigentin mit ihren Chören und Wolfgang Sieber ins Saanenland. Anlässlich des Musiksommers Gstaad führten das Jodlerchörli Geuensee und das Wäberchörli Bern dieses Werk, das durch seine Intensität und Tiefgründigkeit besticht, in der Mauritiuskirche Saanen gemeinsam auf. Seither findet die Jodlermesse alle zwei Jahre ihren Platz im Terminkalender des Gstaad Menuhin Festivals. Dank viel Engagement von Babette Herbert und Familie von Siebenthal kann die Jodlermesse, in der sich Musik und Text zu einem ergreifenden Ganzen verbindet, gratis besucht werden. Der Erlös der Kollekte kommt vollumfänglich der Heilpädagogischen Schule in Gstaad zugute.
PD
Quelle: Gstaad Digital Festival