Ein Erbe stellt die Spitex Saane-Simme vor Fragen
02.06.2026 GesundheitswesenDer Spitex-Verein Saane-Simme wurde mit einem grosszügigen Legat begünstigt. 2026 weist das Spendenkonto ein Vermögen von fast einer Million Franken auf. Was soll der Verein damit machen? An der Hauptversammlung informierte der externe Experte Marcel Held über Risiken, Renditen und mögliche ...
Der Spitex-Verein Saane-Simme wurde mit einem grosszügigen Legat begünstigt. 2026 weist das Spendenkonto ein Vermögen von fast einer Million Franken auf. Was soll der Verein damit machen? An der Hauptversammlung informierte der externe Experte Marcel Held über Risiken, Renditen und mögliche Anlagestrategien. Die Mitglieder genehmigten schliesslich eine neue Strategie für die Spendengelder.
Ein grosses Erbe für die Spitex Saane-Simme
Ein stattliches Erbe, bestehend aus Bargeld und 74 Aktien der Saanen Bank, wurde dem Spitex-Verein Saane-Simme vermacht. Was soll nun mit diesem Vermögen geschehen? Dieser Frage gingen die Vereinsmitglieder letzten Mittwoch an der Hauptversammlung nach.
JONATHAN SCHOPFER
Erbschaften werden in der Schweiz vor allem im Familienkreis weitergegeben – über 90 Prozent laut dem Erbschaftsrapport 2024 der Uni Lausanne. Aussergewöhnlich wird es daher, wenn in einem Testament ein Verein erwähnt wird. So geschehen 2023, als die Spitex Saane-Simme mit einem grosszügigen Legat begünstigt wurde. Das löste im Vorstand des Vereins die Frage aus: Was soll mit dem Spendenkonto geschehen, das nun ein Guthaben von fast einer Million Franken aufweist? Soll der Verein investieren oder soll das Geld auf einem Sparkonto bleiben? Im Reglement der Spitex Saane-Simme war bisher festgelegt, dass «in einem durchschnittlichen Jahr Einnahmen und Ausgaben die Waage halten.»
«Ein ausserordentliches Geschäft»
«Entsprechend schnell ist uns klar geworden, dass wir hier externe Fachkompetenz holen müssen», informierte Alexander Gäumann, Vorstandsmitglied des Vereins, an der sechsten Hauptversammlung vom 27. Mai der Spitex Saane-Simme. «Ich habe die Ehre, dieses ausserordentliche Geschäft vorzustellen.»
So kam es, dass die Privatbank Von Graffenried beigezogen wurde, die über eine entsprechende Fachabteilung verfügt. Marcel Held informierte an der Mitgliederversammlung ausführlich über Anlagestrategien und -möglichkeiten, über Renditen und Diversifizierung und über das Klumpenrisiko, das derzeit bei der Spitex Saane-Simme bestehe. «Das heisst, der Anteil des Vermögens ist zu über 10 Prozent bei derselben Anlage angelegt», sagte Marcel Held von der Von Graffenried Privatbank.
Schliesslich stimmten die Mitglieder über zwei Anträge ab: Erstens darüber, ob ein Teilverkauf der Aktien der Saanen Bank AG durchgeführt werden soll. Eine Aktie der Saanen Bank AG kostete Ende Mai 6000 Franken. Zweitens, falls der Teilverkauf vollzogen wird, ob das Geld auf dem Sparkonto bleibt, oder ob das Vermögen nach einem Anlagereglement gemäss BVV 2 (siehe Kasten) investiert werden soll. Beide Anträge wurden angenommen. Die Verwaltung des Vermögens auf dem Spendenkonto der Spitex Saane-Simme wird noch öffentlich ausgeschrieben.
13’793 Mahlzeiten verteilt
Neben dem ausserordentlichen Geschäft wurde auch über das Geschäftsjahr 2025 informiert. Yves Allenspach, Leiter Finanzen und Administration, präsentierte die Jahresrechnung. Diese schliesst mit einem Gewinn von 116’260 Franken ab. Die Bilanzsumme beträgt 1’577’251 Franken.
Auch die Kennzahlen zeigen ein erfreuliches Bild. Ariane Beetschen, Betriebsleiterin, zeigte sich zufrieden mit dem Jahr 2025. Die kassenpflichtigen Pflegeleistungen blieben mit 28’880 Stunden praktisch auf dem Niveau des Vorjahres. Leicht zugenommen haben die nicht kassenpflichtigen Leistungen: Sie stiegen um 5,1 Prozent auf 3156 Stunden. Deutlich stärker gefragt war der Mahlzeitendienst. Die Zahl der verteilten Mahlzeiten nahm von 11’240 auf 13’793 zu, was einem Plus von 22,7 Prozent entspricht. Gleichzeitig sank die Wegzeit in der Pflege um 7,1 Prozent auf 8489 Stunden. Insgesamt leistete die Spitex Saane-Simme 71’788 Einsätze, 4,6 Prozent mehr als im Vorjahr.
Ein Engpass beim Personal
Die Präsidentin Anne Speiser lobte den Vorstand, die Betriebsleitung und die Qualität der Arbeit. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass die Personalsituation angespannt bleibt. «Es ist nicht einfach, Personal zu finden. Wir sind eher knapp.» Dadurch entstehe eine Mehrbelastung für die Mitarbeitenden.
«Erfreulich ist aber der Austausch zwischen dem Saanenland und dem Obersimmental. Das hat sich bewährt», sagte sie. Derzeit helfe Personal aus dem Saanenland im Obersimmental aus, da dort ein Engpass bestehe. Das Fazit der Präsidentin: «Wir sind zusammen gut unterwegs. Aber wir müssen uns damit befassen, Leute zu rekrutieren.»
Damit spürt auch die Spitex Saane-Simme, wie viele andere Regionen, den Fachkräftemangel.
Die Region sei aber hinsichtlich Erbschaften aussergewöhnlich. Wie Gäumann auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte: «Ein Legat zugunsten einer Spitex-Organisation ist keineswegs selbstverständlich, auch wenn solche Zuwendungen in unserer Region immer wieder vorkommen. Umso dankbarer sind wir, dass unsere Organisation berücksichtigt wurde, denn viele andere Spitex-Organisationen würden sich ebenfalls über eine solche Unterstützung freuen.»
BV V-2-RICHTLINIEN
Die Verwaltung des Vermögens auf dem Spendenkonto der Spitex Saane-Simme wird noch ausgeschrieben. An der Hauptversammlung wurde aber informiert, dass das Vermögen nach BVV-2-Richtlinien aufgeteilt wird. Die BVV-2-Richtlinien sind gesetzliche Anlage- und Risikovorschriften für Schweizer Pensionskassen und weitere Vorsorgevermögen. BVV 2 steht für Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge. Die strategische Allokation, sprich die Aufteilung des Vermögens, ist zunächst ein Zielbild.
JSC
VERWENDUNG SPENDENGELDER 2025
Die Spitex Saane-Simme verwendete die Spendengelder 2025 unter anderem für die Unterstützung von Klientinnen und Klienten in finanziellen Notlagen. In drei Fällen wurde entsprechende Hilfe geleistet. Zudem unterstützte sie sechsmal Mitarbeitende bei Ausbildungen. Weitere Beiträge flossen in den Mahlzeitendienst zur Deckung des Defizits sowie in Klientengeschenke.
PD





