FC Thun: neuer Meistertitel – gleiches Trainingslager
30.06.2026 SportAuch als Schweizer Meister zieht es den FC Thun ins Saanenland. Beim Besuch im Trainingslager zeigt sich: Mit dem Meistertitel wurde Geschichte geschrieben – seine Bodenständigkeit und die Verbundenheit zur Region bleiben jedoch unverändert.
MAXIME ...
Auch als Schweizer Meister zieht es den FC Thun ins Saanenland. Beim Besuch im Trainingslager zeigt sich: Mit dem Meistertitel wurde Geschichte geschrieben – seine Bodenständigkeit und die Verbundenheit zur Region bleiben jedoch unverändert.
MAXIME VÖGELE
Die Tore und Bälle liegen auf dem Fussballfeld auf dem Schützebode in Saanen bereit. Ein Spieler nach dem anderen trifft am letzten Tag des Trainingslagers des FC Thun in Saanen ein. Von Starallüren ist beim Schweizer Meister keine Spur: Die Spieler grüssen die Zuschauenden mit einem Händedruck, bevor sie sich auf die bereitgelegten Matten legen, um sich auf das Training vorzubereiten.
Bewährtes Trainingslager
Seit vielen Jahren führt das Trainingslager die 1. Mannschaft des FC Thun immer wieder ins Saanenland – daran hat auch der Meistertitel nichts geändert. Auf die Frage warum, antwortet Präsident Andres Gerber ohne zu überlegen: «Weil es hier am schönsten ist.» Die Zusammenarbeit mit dem Hotel und dem FC Sarina für den Fussballplatz habe sich bewährt, man schaue gut zueinander. Für Gerber sei der Aufenthalt im Saanenland von Jahr zu Jahr ein Highlight.
Dass die Bedingungen stimmen, zeigt sich auch auf dem gut gepflegten Trainingsplatz. Dort wird derweil in verschiedenen Gruppen gearbeitet. Während die Torhüter gezielt mit dem Torhütertrainer arbeiten, absolvieren zwei Feldspieler individuelles Sprinttraining. Der Rest der Mannschaft misst sich auf engem Raum im Spiel gegeneinander. Mehrere Trainer begleiten die verschiedenen Übungen und geben immer wieder Anweisungen.
Ein bodenständiger Verein
Auch Heinz «Henä» Huber ist von Steffisburg nach Saanen gereist. Er ist wohl der bekannteste und einer der treuesten Fans des Vereins. Die Spieler und Mitarbeitenden kennen und schätzen ihn. Sie begrüssen ihn herzlich und erkundigen sich nach seinem Befinden. Seit neun Jahren ist er bei fast jedem Heimspiel und Training der Mannschaft dabei. «Das wäre bei einem anderen Club undenkbar», sagt Huber über die Nähe zur Mannschaft.
Auf dem Trainingsplatz herrscht eine konzentrierte, gleichzeitig aber lockere Atmosphäre. Trotz des tropfenden Schweisses, wird konzentriert gearbeitet. Immer wieder gibt es Trinkpausen, bevor die nächste Übung beginnt. Auf dem Platz wird viel miteinander gesprochen und gelungene Aktionen werden mit Zurufen und Applaus begleitet.
Für Präsident Andres Gerber ist diese Haltung kein Zufall. Die Bodenständigkeit sei im Club tief verankert. Langjährige Persönlichkeiten wie Gerber selbst, Sportchef Dominik Albrecht sowie Spieler wie Captain Marco Bürki oder Verteidiger Jan Bamert würden diese Werte vorleben. «Wir als Club möchten sympathisch und respektvoll sein», sagt Gerber. Daran ändere auch der Meistertitel nichts.
Das richtige Mindset
Trotzdem gibt es Dinge, die sich nach dem Erfolg in der letzten Saison verändert haben. Dass der FC Thun auf einmal Schweizer Meister sei, verändere die Wahrnehmung von sich selbst aber auch von aussen. «Auf einmal ist man Schweizer Meister, das fühlt sich für uns speziell an», sagt Andres Gerber mit einem Lächeln.
Mit dem Meistertitel sei auch die Aufmerksamkeit gewachsen. Medien berichten häufiger über den FC Thun, Gegner begegnen der Mannschaft anders als früher. «Der Status von jedem Spieler hat sich verändert», meint Gerber. Das Interesse anderer Vereine an den Spielern sei gewachsen. Dass dadurch gute Spieler dem FC Thun verloren gehen, sieht Gerber gelassen: «Wenn ein Spieler die Chance hat, in einen grösseren Club zu gehen, darf man das nicht verwehren.» Gerber beschreibt die Fussballlandschaft als Nahrungskette. Wer nicht zur europäischen Spitze gehört, sei für viele Spieler eine Zwischenstation. Dass der FC Thun oft als Ausbildungsverein bezeichnet wird, stört Gerber nicht. Im Gegenteil: Er sieht darin eine Aufgabe statt einer Schwäche – auch wenn die vielen Wechsel den Verein immer wieder fordern. «Man muss immer bereit sein», sagt Gerber. Ebenfalls müsse man schauen, dass Mitspieler, Sponsoren und Mitarbeiter nicht besorgt seien und die Freude an der Sache nicht verlören.
Routinier
Gerber spricht ruhig und überlegt. Seine Gelassenheit kommt nicht von ungefähr: Er hat mit dem FC Thun Auf- und Abstiege, Beinahe-Konkurse und zahlreiche personelle Umbrüche erlebt. Den Meistertitel bezeichnet Gerber als Wunder. Gleichzeitig habe er mit dem FC Thun schon viele gute, aber auch schwierige Zeiten erlebt. Gerade die Möglichkeit, seine Erfahrungen weiterzugeben, motiviere ihn bis heute: «Die Erfahrung weiterzugeben ist etwas Schönes und Dankbares.»
Mit Ruhe in die neue Saison
Trotz aller Gelassenheit blickt Gerber realistisch auf die kommende Saison. Von innen habe man nicht den Anspruch, beim Meistertitel nachzudoppeln: «Intern haben wir den Druck nicht, weil wir wissen, wie das Geschäft funktioniert.» Das Ziel sei eine Ruhe und Kontinuität in den Club zu bringen. Garantien, in der nächsten Saison wieder ganz vorne mitzuspielen, könne man keine geben: «Ich weiss nur, dass es mehr Sinn ergibt, wenn man zuversichtlich ist und Vertrauen hat, als wenn man die ganze Zeit Panik macht.»
Nach über zwei Stunden in der Sonne endet das Training des FC Thun. Beim Aufräumen der Tore packen alle mit an. Heinz Huber verfolgt auch die letzten Minuten aufmerksam. Sein Fazit fällt kurz aus: «Ja, tipptopp haben sie es gemacht, wie immer.» Der Meistertitel mag etwas Besonderes sein – an der Nähe zwischen den Spielern und ihren Fans hat er nichts geändert.





