Ruedi Kunz: Teamgeist als Erfolgsrezept
26.06.2026 SportWenn Ruedi Kunz über das Beach Pro Gstaad spricht, kommt er immer wieder auf dieselben Themen zurück: Teamgeist, Vertrauen und Menschen, die über Jahre gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Seit 26 Jahren prägt er das traditionsreiche Turnier als Turnierdirektor. Doch ...
Wenn Ruedi Kunz über das Beach Pro Gstaad spricht, kommt er immer wieder auf dieselben Themen zurück: Teamgeist, Vertrauen und Menschen, die über Jahre gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Seit 26 Jahren prägt er das traditionsreiche Turnier als Turnierdirektor. Doch dieselben Werte begleiten ihn auch im Eishockey, in seiner Familie und bei seinen zahlreichen Engagements im Schweizer Sport.
MAXIME VÖGELE
Nur noch wenige Tage, bis sich Gstaad wieder zum Beachvolleyball-Mekka verwandelt. In den letzten Wochen wurde das Eisbahnareal wieder zum Beach-Village umgebaut. Seit Beginn des Turniers zieht Ruedi Kunz im Hintergrund die Fäden. Für den Turnierdirektor ist die diesjährige Austragung eine besondere: Er erlebt das Beach Pro Gstaad erstmals als Pensionierter. Ruhiger geworden ist sein Leben deshalb allerdings nicht.
Mut zum Risiko
Die Idee eines Elite-Beachvolleyballturniers kam Ruedi Kunz und einigen Kollegen Ende der 90er-Jahre. Der grosse Haken: die Finanzierung. So entschied sich Ruedi Kunz, seine IT-Firma mit zehn Mitarbeitenden zu verkaufen, um in den Sportanlass zu investieren. Die Idee, die damals einige Leute zum Kopfschütteln brachte, wandelte sich mit der Zeit zu einem der beliebtesten Beachvolleyballturniere bei Athlet:innen und Publikum weltweit.
Nach wie vor motiviert
Die Frage, ob seine Motivation immer noch gleich sei wie am Anfang, bejaht Ruedi Kunz: «Ich bin kein bisschen weniger motiviert.» Er sei noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem er sagen könne: «Jetzt ist es gut so.» Der Drang, den Anlass stetig weiterzuentwickeln, sei nach wie vor ungebrochen. Dabei betont er, dass finanzielle Gründe für ihn nie im Vordergrund gestanden hätten. «Es ist das Herzblut», sagt er, «das mich antreibt.»
Wie eine Familie
Eine wichtige Rolle bei Kunz’ Engagement spielt das Team hinter dem Event. Viele im OK sind schon seit Jahren dabei. «Wir sind wie eine Familie», sagt Ruedi Kunz. Diese familiäre Atmosphäre beschränke sich nicht nur auf das OK. Neben dem langjährig bestehenden Team kommen jedes Jahr junge Praktikant:innen dazu, was er besonders schätzt. Auch die langjährigen Sponsoren zählt Ruedi Kunz zur Familie.
Zudem sei ihm wichtig, dass das Beach trotz seiner internationalen Ausstrahlung in der Region verankert bleibe. Mit seinem Rahmenprogramm und der Preisgestaltung, unter anderem beim Ticketing und der Verpflegung, soll es auch ein Anlass für die Einheimischen sein. Dass dies gelingt, spiegelt sich für ihn am grossen Interesse an den Helfereinsätzen. Man könne sich glücklich schätzen, meint Kunz: «Wir haben eine grosse Warteliste von Leuten, die helfen möchten.»
Dass man die Partnerschaften über eine so lange Zeit habe pflegen können, zeige ihm, wie wichtig Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Respekt gegenüber den Partnern seien. Finanziell sei das Turnier trotz seines Erfolgs «ein Hochseilakt», was seiner Motivation auch nach 26 Jahren keinen Abbruch tue.
Zusammenhalt auf und neben dem Eis
Ruedi Kunz ist nicht nur Turnierdirektor des Beachvolleyballturniers in Gstaad, sondern engagiert sich auch im Eishockey. Nachdem er selbst viele Jahre spielte, blieb er dem Sport in verschiedenen Funktionen erhalten.
Dank seiner langjährigen Arbeit bei Swiss Ice Hockey war er auch an jeder Eishockey-Weltmeisterschaft der letzten zwei Jahrzehnte in der Schweiz involviert, egal ob Männer, Frauen oder Junioren spielten. Bei der WM 2026 war er als Verantwortlicher des Off-Ice-Personals in Freiburg im Einsatz.
Die gewonnene Zeit nach seiner Pensionierung ermöglichte es Kunz, sich an der WM in diesem Umfang zu engagieren. In dieser Position konnte er die Spiele hautnah miterleben. «Ich musste mir dann halt jedes Spiel anschauen», sagt Kunz mit einem Schmunzeln. Durch seine langjährige Arbeit im Sport und sein dadurch aufgebautes Netzwerk, konnte er auf vertraute Personen zählen, die den Teamgeist mit ihm am Anlass trugen. «Die Teamfähigkeit ist entscheidend», erzählt er und ist glücklich, dass die WM problemlos verlaufen ist.
Wie der Vater, so die Söhne
Die Leidenschaft für Eishockey konnte er auch seinen Söhnen Nils und Tim weitergeben. Die beiden spielten in der Jugend beim HC Saanenland, wo Ruedi Kunz auch langjähriger Trainer war und heute als Präsident amtet. Nils und Tim wechselten später zum SC Lyss und zum EHC Biel, in die Heimat von Kunz. Als der SC Lyss in finanzielle Schwierigkeiten geriet und Kunz um Hilfe gebeten wurde, stieg er auch dort ein und fungiert bis heute als Sportchef. Diese zeitintensiven Ämter seien für ihn wichtig als Sportförderung: «Ich versuche einfach, die jungen Leute für den Sport zu begeistern.»
Die Vorbereitungen für das Beach in Gstaad und die Weltmeisterschaft überschnitten sich zeitlich. Damit beide Anlässe reibungslos funktionierten, sei eine gute Zusammenarbeit auf allen Ebenen entscheidend gewesen. Ein Gedanke, der sich wie ein roter Faden durch Kunz’ Wirken zieht, ob beim Beachvolleyball oder im Eishockey: Immer wieder kehrt Kunz zum selben Gedanken zurück. Erfolg entstehe dort, wo Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten.
Blick nach vorne
«Ich delegiere heute schon mehr», sagt Ruedi Kunz im Hinblick auf die Zukunft als Turnierdirektor. Die Vorfreude auf das Beach ist schon wieder gross. Der Samstag und Sonntag sind bereits ausverkauft, die gute Stimmung im Gstaadion also vorprogrammiert. Auch wenn man am Samstag noch einige Tickets mehr verkaufen könnte, habe das Turnier jetzt eine gute Grösse erreicht, meint Ruedi Kunz. Man profitiere enorm davon, dass man sich die Kosten der Infrastruktur mit dem Swiss Open Gstaad teilen könne. Dieses Modell habe sich bewährt und solle deshalb auch in Zukunft beibehalten werden.
Auch Grossanlässe, wie Welt- und Europameisterschaften, wolle Kunz immer wieder ins Saanenland holen. Einerseits sei es schön, solche Grossanlässe zu Hause durchführen zu können, als Organisator aber auch für Zuschauende und die Sportler:innen. Andererseits hätten sie einen grossen Mehrwert für den Sport selbst, da Fördergelder an die Verbände fliessen, wenn ein Grossanlass im eigenen Land stattfindet. «Es ist mir ein Anliegen, dass wir für unsere Schweizer Teams das Möglichste machen», sagt Kunz. So könne man langfristig das Niveau des Schweizer Beachvolleyballs hoch halten.
Sein Vermächtnis
Fast zwei Jahrzehnte war Ruedi Kunz in der Geschäftsführung des Sportzentrums Gstaad tätig. In dieser Zeit entstand der Um- und Neubau. Obwohl er offiziell im Ruhestand angekommen ist, hat er nach wie vor einen vollen Terminkalender. Trotzdem soll es in Zukunft Zeit geben für Dinge, die in den letzten Jahren teilweise zu kurz kamen. «Ich habe etwas mehr Zeit zum Rasenmähen», witzelt er. Es solle ihm aber auch mehr Zeit bleiben, aktiv Sport zu treiben, ob auf dem Golfplatz oder auf dem Bike. Oder auch wieder einmal als Zuschauer Sport zu geniessen.
An ein Ende des Swatch Beach Pro Gstaad ist jedoch noch nicht zu denken. Auch Ruedi Kunz möchte dem Turnier noch einige Jahre erhalten bleiben. Gleichzeitig stehen mit seinen Söhnen bereits Nachfolger bereit. Nils und Tim sind beide im Organisationskomitee aktiv und das Interesse, das Beach weiterzuführen, bestehe.
Ruedi Kunz sieht das Event als sein Vermächtnis: «Ich sage ihnen immer, ihr könnt von mir nicht viel erben, dafür ganz viel Sand.»
Offene Träume, die er noch verwirklichen möchte, habe er keine mehr. Auch wenn er vor wenigen Monaten pensioniert wurde, engagiert er sich weiterhin gerne im Sport, seiner Leidenschaft. «Ich kann am Morgen aufstehen und weiss, es kommt etwas, worauf ich mich freue», sagt Kunz. Wichtig sei ihm heute vor allem, dass seine Familie und sein Umfeld gesund und glücklich sind: «Ich bin happy, wenn die Leute happy sind.»
SWATCH BEACH PRO GSTA AD 2026
Vom 1. bis am 5. Juli trifft sich erneut die Weltelite des Beachvolleyballs auf dem Eisbahnareal in Gstaad. Mit der 26. Austragung ist es das älteste Turnier der Beach Pro Tour.
Bei den Frauen kämpfen vier Schweizer Teams auf dem Sand, drei sind im Hauptfeld gesetzt. Mit Nina Brunner, die von der Mutterschaftspause zurückkehrt, kommen die olympischen Bronzemedaillensiegerinnen zurück ins Gstaadion. Joana Mäder, die ebenfalls von der Babypause zurückkehrt, tritt mit Nachwuchstalent Leona Kernen an. Das Geschwisterduo Zoé und Anouk Vergé-Dépré spielen die zweite Saison miteinander. Annique Nieder hauser und Menia Bentele werden am Mittwoch die Qualifikation um den Eintritt ins Hauptfeld spielen.
Bei den Männern wird das neuformierte Duo Julian Friedli und Jonathan Jordan im Hauptfeld antreten. Ebenfalls neu sind die beiden Duos mit Yves Haussener/Adrian Heidrich und Luc Flückiger/Andrin Kolb. Die beiden Teams spielen ebenfalls die Qualifikation. Das Duo von Marco Krattiger und Leo Dillier fällt aufgrund einer Verletzung Krattigers aus.
Tickets für den Samstag sind bereits seit zwei Monaten ausverkauft, für die anderen Tage sind noch einige verfügbar.
MAV
ZUR PERSON
Ruedi Kunz ist seit 26 Jahren Turnierdirektor des Beach Pro Gstaad. Aufgewachsen auf einem Bauernhof bei Lyss, kam er für seine KV-Ausbildung bei der landwirtschaftlichen Gemeinschaft Gstaad (heute Landi) ins Saanenland. Bis zu seiner Pensionierung vor einigen Monaten war er fast 20 Jahre in der Geschäftsleitung des Sportzentrums Gstaad tätig. In dieser Zeit begleitete er unter anderem den Um- und Neubau des Sportzentrums in den Jahren 2018/19. Daneben engagiert er sich seit über 25 Jahren bei Swiss Ice Hockey und beschäftigt sich dort mit Themen rund um Spielbetrieb und Digitalisierung. Zudem ist er Präsident des HC Saanenland, Sportchef beim SC Lyss und Präsident von Swiss Top Sport, der Vereinigung der 23 grössten jährlich stattfindenden Sportveranstaltungen der Schweiz. Mit seiner Ehefrau Mägi Kunz-Schläfli hat er zwei Söhne, Nils und Tim. Beide engagieren sich bereits im Organisationskomitee des Beach Pro Gstaad. (MAV)

