In einer Zeit, in der vieles digital und schnelllebig geworden ist, drohen handwerkliche Fähigkeiten und alltägliches Wissen zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Im Saanenland wirkt der gemeinnützige Frauenverein diesem Verlust seit Jahren entgegen – leise, aber nachhaltig. Die ...
In einer Zeit, in der vieles digital und schnelllebig geworden ist, drohen handwerkliche Fähigkeiten und alltägliches Wissen zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Im Saanenland wirkt der gemeinnützige Frauenverein diesem Verlust seit Jahren entgegen – leise, aber nachhaltig. Die Ausstellung der Kursarbeiten vom vergangenen Samstag im Kirchgemeindehaus Gstaad zeigte die sichtbaren Ergebnisse dieser Arbeit. Dahinter steht jedoch eine tiefere Aufgabe: die Weitergabe von Wissen und Tradition.
IRINI PAPANDREOU
«Wir organisieren nicht einfach Kurse», sagt Patricia Dönier-Ogi, Vorstandsmitglied des Frauenvereins Saanen, «wir geben etwas weiter.»
Zwischen Bewahren und Erneuern
Das Kursprogramm bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Tradition und Gegenwart. Techniken wie Malen oder Glasperlen wirken auf den ersten Blick schlicht, sind jedoch oft Teil einer länger gewachsenen Handwerkskultur. «Vieles davon haben frühere Generationen ganz selbstverständlich gekonnt», erklärt Vorstandsmitglied Silvia Kübli. «Heute fehlt dieses Wissen oft. Wenn wir es nicht weitergeben, geht es verloren.» Damit werden die Kurse zu einem Ort gelebter Erinnerung.
Lernen als Weitergabe
Der niederschwellige Zugang ist dabei entscheidend. Menschen unterschiedlichen Alters kommen zusammen, lernen voneinander, sind kreativ und tragen Wissen weiter. «Gerade für jüngere Generationen ist das wichtig», so Patricia Dönier-Ogi, «sonst entsteht ein Bruch.» Die Kurse sind weniger Unterricht im klassischen Sinn als gemeinsames Tun – geprägt von Wiederholung, Austausch und Erfahrung.
Die Ausstellung als Moment der Kontinuität
Die jährliche Ausstellung macht diesen Prozess sichtbar. Sie zeigt Ergebnisse, aber auch Entwicklungen und Lernwege. Zugleich richtet sie den Blick nach vorne: Mit der Präsentation des neuen Kursprogramms lädt der Verein zur Teilnahme ein und schafft so die Grundlage für Kontinuität. «Tradition erhält sich nicht von selbst», ist Silvia Kübli überzeugt. «Man muss Räume dafür schaffen.»
Leise Kulturarbeit
Ohne grossen institutionellen Rahmen übernimmt der Frauenverein eine Funktion, die sonst kulturellen Einrichtungen zugeschrieben wird. Er bewahrt Techniken, fördert Austausch und stärkt das soziale Gefüge über Generationen hinweg. «Es geht darum, etwas lebendig zu halten», so Dönier-Ogi. Im Saanenland geschieht genau das – Schritt für Schritt, von Hand zu Hand.