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Passionszeit musikalisch und emotional nachempfunden

Mi, 24. Apr. 2019
Sie überzeugten: die Gesangssolisten Raphael Jud, Christoph Waltle, Astrid Pfarrer und die einheimische Beatrice Villiger. FOTOS:PHILIPPE CHEVALIER

Mit den Saaner Osterkonzerten am Karfreitag und Ostersamstag in der Mauritiuskirche Saanen gelang es den einheimischen Musikerinnen und Musikern einmal mehr, auf eindrücklichste Art die Passionszeit emotional und musikalisch auf sehr hohem Niveau zu illustrieren. Das Publikum verliess die Konzerte besinnlich, das Herz voller herrlichster Musik.

LOTTE BRENNER
Das Orchestra degli Amici mit seiner langjährigen Konzertmeisterin Simone Roggen und der von Roland Neuhaus einstudierte Chor wurden in diesem Jahr ausnahmsweise nicht von Michael, sondern von seinem renomierten Bruder Philippe Bach dirigiert (siehe Kasten). Aufgeführt wurden zwei Werke von Wolfgang Amadeus Mozart: die schwermütige Sinfonie Nr. 40 in g-moll, KV 550, und mit dem Chor und den vier hervorragenden Gesangssolisten Beatrice Villiger (Sopran), Astrid Pfarrer (Alt), Christoph Waltle (Tenor) und Raphael Jud (Bass) das Requiem in d-moll, KV 626.

Das war Musik vom Feinsten, die unter die Haut ging. Der Chor wirkte stimmlich ausgewogen und beschrieb in eindrücklicher Weise die Geschichte, wie sie auch die vier harmonisch wunderbar zueinander passenden Solostimmen sonor, kirchenfüllend darstellten. Aber nicht nur der Gesang war Genuss pur. Das Orchester war ganz grosse Klasse. Sowohl Streicher als auch die Bläser überzeugten mit Klarheit und Reinheit. Es war eine wahre Freude, wie gut der Kontakt zwischen den Ausführenden und dem Dirigenten Philippe Bach funktionierte. Bach dirigierte feinfühlig und doch sehr prägnant, breitete auch mal weit die Arme aus und liess die Musik einfach fliessen. Vor allem gelang es ihm, am Schluss des Konzerts die greifbar heilige Stille zu halten, den dröhnenden Applaus so hinauszuzögern, dass das Requiem würdig ausklingen und nachwirken konnte.

Die eigene Totenmesse
Mozart schrieb seine eigene Totenmesse. Nachdem er seinen Tod sehr wohl vorausahnte und selber bedauerte, dass seine glückverheissende Laufbahn endete, bevor er sich seines Talentes erfreuen durfte, schrieb er angeblich in einem italienischen Brief an einen Unbekannten. «... Man kann sein zugemessenes Geschick nicht ändern. Keiner vermag seine Lebenstage zu umgrenzen. Ergeben muss man sich in den Willen der Vorsehung schicken. Und so beende ich meinen Grabgesang. Ihn darf ich nicht unvollendet lassen.»

Und doch blieb das Werk unvollendet. Mozart hatte von den zwölf Teilen des Requiems den Introitus mit dem Kyrie vollständig, die folgenden Teile bis zum Lacrimosa nur in der ausführlichen Art seiner gewohnten vorbereitenden Partituranlagen mit allen Singstimmen und vielen instrumentalen Partien an führenden Stellen ausgeschrieben. Beim achten Takte des Lacrimosa bricht die Handschrift ab. Von den übrigen Sätzen waren das Domine Jesu Christe und das Hostias wie die vorigen entworfen, die letzten drei Sätze fehlten ganz. Mehrere Musiker versuchten, das Requiem zu vervollständigen, Mozarts Schüler Süssmayr soll das Werk dann zu Ende geschrieben haben.

Bernhard Paumgartner schreibt in seiner wissenschaftlichen Mozart-Biografie: «Mozart selbst fand in bitterer Sterbensnot durch die Kraft seines schlichten Unsterblichkeitsglaubens den Weg zum Tode als dem ‹wahrsten, besten Freund des Menschen›.» So wird denn das Leiden, die Wehmut des grossen Meisters stets auch immer wieder vom Licht durchflutet, die Trauer von Zuversicht erhellt. Seine Musik macht betroffen. Sie erfüllt die Zuhörer mit einer tiefgründigen, unfassbar traurigen und doch hoffnungsvollen Botschaft. Die kraftvolle Schönheit der Musik überstrahlte alles und hinterliess im Publikum nachhaltig ein unvergessliches musikalisches Passionserlebnis.


EUROPAMEISTERSCHAFT DER BRASS BANDS

Dass Philippe Bach seinen Bruder Michael bei den traditionellen Osterkonzerten vertrat, hat seine Begründung in der ehrenvollen Teilnahme von Michael Bach am europäischen Wettbewerb der Brass Bands mit insgesamt 20 Teilnehmern aus Europa. Das heisst für Michael Bach jeden Abend proben, und am Wochenende fand in Montreux ein Konzert statt. Er dirigierte dort die Bürgermusik Luzern.
Die teilnehmenden Bands haben ein sehr schwieriges Aufgabestück sowie ein Selbstwahlstück zu bewältigen. Das Musikniveau ist unwahrscheinlich gross, die Vorträge bewegen sich auf topprofesioneller Stufe.

LOTTE BRENNER
www.swissbrass.ch/eurobrass19

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