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Die Musikliebhaber von morgen

Fr, 25. Okt. 2019
Die Erzählerin Jolanda Steiner und das zauberhafte Flötenspiel von Maurice Steger in der Rolle des Tino Flautino.

Hautnah durften die Kleinsten ab vier Jahren das Musikmärchen «Tino Flautino» in der Grundschule Saanen erleben. Für einige Kinder dürfte es der erste Kontakt mit klassischer Musik gewesen sein, auf jeden Fall aber schuf das Konzert emotionale Bindungen zum Musikgenre und eventuell die Musikliebhaber/innen von morgen.

SONJA WOLF
Einladend war die Aula der Grundschule Saanen am Dienstagvormittag mit gelben Gstaad Menhuhin Festival-Luftballons geschmückt. Zwei Vorstellungen von «Tino Flautino» wurden dort vor voll besetzten Reihen präsentiert. Im Musikmärchen gelingt es dem Prinzen Flautino, die goldene Prinzessin durch sein wunderschönes Flötenspiel aus der Macht der bösen Königin zu befreien. Geschrieben ist das Stück für Kinder ab vier Jahren bis etwa zur zweiten Klasse, allerdings liessen sich auch die Dritt- und Viertklässler im Schulhaus diese zauberhafte Gelegenheit nicht entgehen.

Märchenhafte Interaktion mit den Kindern
Die Autorin und Erzählerin Jolanda Steiner verstand es, packend und kindgerecht vorzutragen und dabei das junge Publikum interaktiv miteinzubeziehen: Teils animierte sie ihre Zuschauer/innen zum Mitmachen mit Gesten, teils stellte sie Fragen, die dann je nach Antwort der Kinder tatsächlich das weitere Geschehen mitbeeinflussten. Im Finale forderte sie das Publikum zum Aufstehen und unbeschwerten Mitklatschen auf.

Eingebettet war das interaktive Märchen in eine Melange aus einem fantasievollen Bühnenbild, den Flötensoli des Prinzen und den Streichereinlagen mit Melodien von Mozart und Vivaldi. Dabei waren die einzelnen Erzähl- und Musikparts jeweils kurz und untereinander ausgewogen, so dass der Spannungsbogen für die Kinder immer erhalten blieb.

Musikalische Leitung
Die Figur des Tino Flautino wird verkörpert von Maurice Steger. Der international tätige Blockflötist und Dirigent hat zu Gstaad eine besondere Beziehung: «Ich liebe zum einen die Region und zum anderen das Gstaad Menuhin Festival.» Am Festival wirkt er seit 2013 aktiv als Direktor der Gstaad Baroque Academy mit.

«Tino Flautino» liege ihm als pädagogisches Projekt besonders am Herzen. Es ist das erste von drei Musikmärchen, das er als musikalischer Leiter zusammen mit der Kinderbuchautorin Jolanda Steiner im Jahr 2003 entwickelt hat. Je nach Aufführungsort passe Steger das musikalische Arrangement an: Auf der kleineren Bühne der Grundschulaula Saanen wurde er von einem Streichquartett des La Cetra Barockorchesters Basel begleitet, andere Male von einem Klavier oder gar von einem ganzen Symphonieorchester.

Frühe Musikvermittlung durch das Gstaad Menuhin Festival-Team
Die Idee, das Musikmärchen in die Schule zu bringen, entstand im Rahmen der Abteilung Musikvermittlung des Festivals unter Verantwortung von Anne-Christine Cettou: «Eigentlich müssten wir mal etwas anderes machen: Nicht die Kinder kommen im Rahmen des Festivals zu uns, sondern wir gehen zu den Kindern».

Das Gstaad Menuhin Festival & Academy wendet sich seit 2017 mit dem Discovery-Programm bereits gezielt an Kinder und Jugendliche mit spielerischen Ateliers, begleiteten Konzertbesuchen, Treffen mit erstklassigen Musikern, musikalischen Experimenten und vielem mehr, um ihnen die Welt der klassischen Musik lustvoll näherzubringen.

Allerdings sollten nun in diesem Pilotprojekt speziell die einheimischen Kinder angesprochen werden und nicht nur die, die wegen klassikbegeisterter Eltern sowieso die Veranstaltungen des Festivals besuchen.

Auch die Idee der Schule als Räumlichkeit ging auf: Der Kontakt mit der klassischen Musik konnte auch physisch kaum intensiver sein: Die Kinder sassen im Abstand von nur wenigen Metern direkt vor dem Orchester, sahen vielleicht zum ersten Mal ein Cello live und bekamen noch dazu eine gelungene Mischung aus Musik, Erzählung und Theater präsentiert. Dieses künstlerische Gesamtpaket kam aufgrund des kleineren Rahmens auch einmal wohltuend ohne Technik und Computer aus – Kunst in Fleisch und Blut zum Anfassen und zum Mitmachen.

Gespannt wartet Anne-Christine Cettou nun auf das Feedback aus den einzelnen Schul- und Kindergartenklassen. Das aufrichtige Interesse der Kleinsten an klassischer Musik wäre eine Weitertradierung des kulturellmusikalischen Erbes Gstaad an die jüngeren Generationen.

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