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Natur pur für Ohren, Gaumen und Gehirn

Di, 16. Jun. 2020
Welche der 245 Kleearten ist das nun? Sabine Reber gibt Tipps und Tricks. Rechts neben ihr steht Ruedi Hählen. FOTOS: BLANCA BURRI

«Hikes&Herbs» startete mit einer ausverkauften Veranstaltung. Vor dem Regen gab es eine aufschlussreiche Blumenwanderung, während dem Regen eine Lesung, ein Konzert und ein aromatisches Znacht in der SAC-Hütte Grubenberg.

BLANCA BURRI
«Es muss nicht immer konventionell sein.» Das haben sich Sabine Reber und Ruedi Hählen von «Hikes&Herbs» wohl gedacht, als sie im vergangenen Sommer zusammen in den Bergen waren. Ob die Idee entstand, als sie oberhalb der Grubenberghütte auf dem Amelier ein Prachtsexemplar einer Steinadlerfeder fanden oder als sie auf dem Spitzhorn die Wolke von innen betrachteten, verrieten sie nicht.

Natur, Kultur, Gastronomie
«Hikes&Herbs» bedeutet auf Deutsch nichts anderes als Kräuterwanderung, von denen in der Schweiz einige angeboten werden. Ob es eine zweite dieser Art gibt, wie sie Sabine Reber und Ruedi Hählen zelebrieren, ist aber zu bezweifeln, denn sie verbinden das Naturerlebnis mit literarischen Texten und einem Abendessen voller aromatischer Überraschungen. Das zeigte sich am ersten Anlass am vergangenen Samstag in der Grubenberghütte. Mit den Teilnehmenden wanderten Ruedi Hählen und Sabine Reber noch vor dem Regen auf die Husegg, wo es Geschichten zu den Pflanzen gab und wo gemeinsam Kräuter und Blumen fürs Abendessen gesammelt wurden.

Ruedi Hählen gab einen kleinen Einblick in die Entstehung der Gastlosen, der Dolomiten der Schweiz, die wegen eines Bruchs während der Alpenfaltung ihre markante Form erhalten haben.

Etwas für Kräuterliebhaber
In der Hütte stand bereits ein grosszügiges Aperitif mit einer Blüten-Bowle und spannenden Leckereien wie Hummus mit Sauerampfer, Peterli und Fenchelkraut oder Hummus mit Erbsenkraut und Bergminze bereit. Das Brennnesselpesto passte hervorragend zum Focaccia mit Bergthymian und Spitzwägerich. Die eingemachten Bärlauchknospen bildeten das i-Tüpfli.

Was von einigen als Unkraut angesehen wird, kann den Gaumen erfreuen. «Die Vorstellung davon, was essbar ist und was nicht, wandelt sich im Laufe der Jahre», sagte Sabine Reber dazu. Kulinarisch sind die Pflanzen also der Mode ausgesetzt. Und in der Botanik passt sich Zuordnung jeweils an den aktuellen Wissensstand an.

Sabine Reber gab nicht nur botanisch Wissenswertes weiter, sondern las auch Texte, die in ihrem nächsten Buch erscheinen werden. Zum Beispiel darüber, wie sie die Bergwelt ganz anders wahrnimmt, wenn sie im Nebel auf einen Gipfel klettert. «Die Blumen strahlen dann anders und die Höhenangst war weg.» Eine Geschichte begab sich zu Beginn der Corona-Zeit, als alle hypersensibel auf Nähe reagierten. Das war der Natur egal: Ein Fuchsschwanz – ein Schmetterling wohlverstanden – landete auf einer Frühlingsskitour auf ihrem Schuh.

Die kulinarische Alpenkräuterreise ging beim Abendessen weiter. Eine wohlriechende Suppe aus Sauerampfer, Gutem Heinrich und Brennnesseln sowie Gnocchi mit wildem Thymian waren nur zwei der vier Wildpflanzengänge.

Giftig oder nicht?
«90 Prozent aller Pflanzen sind essbar», versicherte Sabine Reber. Besonders schmackhaft sind Sauerampfer, Bergminze oder die so genannten «Heimele», der wilde Spinat. «Ich staune manchmal, wenn Landwirte im Sommer gefrorenen Spinat einkaufen, obwohl neben ihrer Vorsass wilder Spinat wächst», schmunzelte die Gartenexpertin, die bereits sieben Gartenbücher herausgegeben hat. Ob eine Pflanze für die Küche tauge, merke man, wenn man sie probiere. «Der wilde Spinat schmeckt ähnlich wie der Spinat aus dem Garten oder aus dem Laden.» Aber natürlich gelte es aufzupassen und nichts Giftiges zu essen, wie zum Beispiel das Meierisli, Hahnenfuss- oder Ranunkelarten. «Das, was die Kühe stehen lassen, ist auch für uns ungesund», riet sie.

Jodeln, aber etwas anders
«Vergiiget – verjuchzed – verzapft» steht auf der Website von Christine Lauterburg, ihres Zeichens Jodlerin und Verwandte des ehemaligen Pfarrers Lauterburg in Saanen, der älteren Generationen ein Begriff ist. Die 64-Jährige hat schon früh ihren eigenen Weg gewählt, Lieder abgeändert oder sie wild und ungezähmt mit Langnauerli, Viola oder Violine zum Besten gegeben. Ob traditionell oder skurril, Musik verbindet. Am vergangenen Samstagabend sang Lauterburg erst alleine, dann spontan mit Gästen, die des Jodelns mächtig sind und schliesslich mit der ganzen Gästeschar. Für Wiederholungstäter und solche, die es werden möchten, gibt es Anfang August eine zweite Ausgabe von «Hikes&Herbs» im «La Vache bleue» in Saanen. www.hikesandherbs.ch

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