Wenn die Segelflieger kommen, ist Sommer

Di, 04. Aug. 2020
«Id Rueh vor Natur» – hoch über dem Saanenland. Im Hintergrund das Niesehorn. FOTO: STÉPHANE WILLI

Seit dem 11. Juli und noch bis kommenden Sonntag ziehen Segelflieger über dem Saanenland und weit darüber hinaus ihre Kreise. Was auffällt: Es hat heuer sehr viele junge Leute sowie viele Familien und aus fast allen Landesteilen. «Das Lager entwickelt sich langsam zu einem Schweizer Lager», so Felix Deutsch, Vorstandsmitglied des Vereins Alpines Segelfluglager Saanen.

ANITA MOSER
«Während vier Wochen bieten wir einen täglichen Flugbetrieb in einer der Top-Feriendestinationen der Alpen. Fliegerisch bietet die Region beste Bedingungen – gerade auch, um die Berner-, Walliser- und Westalpen generell ohne längere Anflugwege kennenzulernen.» So wirbt der Verein Alpines Segelfluglager Saanen auf seiner Homepage für das traditionelle Segelfluglager in Saanen. Und weiter: «Die attraktive Lage eignet sich insbesondere auch für Teilnehmende mit Familien.» In diesem Jahr sind besonders viele junge Leute und Familien dem Ruf gefolgt. Mit ein Grund dafür sei wohl auch die Corona-Pandemie, mutmasst Co-Lagerleiter Felix Deutsch. «Und Saanen liegt auf rund 1000 Metern über Meer – es ist nicht so heiss wie im Unterland.»

Die Lagerteilnehmenden kommen aus fast allen Landesteilen. Früher sei es eher ein Zürcher und Berner Lager gewesen, nun entwickle es sich zu einem Schweizer Lager – was von der Lagerleitung durchaus so gewollt ist. «Das Lager soll ein Treffpunkt sein für Segelflieger, welche das Fliegen mit Familienferien kombinieren wollen. Sie finden hier idealste Verhältnisse», so Deutsch. «Die Jungen sind die Touristen von morgen.» Er selber sei hier gross geworden, komme seit 50 Jahren nach Saanen. «Vielleicht kommt der eine oder die andere in 50 Jahren immer noch.»

Er sei zum ersten Mal in Saanen, erzählt einer dieser jungen Piloten. Sein Heimatflugplatz ist Hausen am Albis und lagermässig sei er bisher nicht viel unterwegs gewesen. «Ich habe kürzlich einen eigenen Camper angeschafft und nun bin ich hier und das nicht zum letzten Mal. Das Lagerleben ist cool – wenn das Wetter stimmt.» Ein Vater mit seinem Kleinkind auf dem Arm nickt zustimmend, genauso wie ein «alter Hase», der schon viele Jahre im Rahmen des Segelfluglagers mit seiner Familie Campingferien auf dem Flugplatzareal verbringt.

Extreme Leistungen
«Wir hatten hochkarätige Piloten hier», freut sich Felix Deutsch. Und so seien in den vergangenen drei Wochen «extreme Leistungen» erbracht worden mit Flügen über 600 Kilometer – weit bis nach Österreich, Südfrankreich, in den Jura. «Der Punkt hier ist absolut ideal. Wenn man das ausnützt, kann man alle Bedürfnisse bestens befriedigen», so Deutsch.

Grillabend statt Segelfliegerfest
Wegen der Corona-Pandemie wurde hingegen auf das traditionelle Segelfliegerfest verzichtet. Stattdessen haben die Dorforganisation und Gstaad Saanenland Tourismus am vergangenen Dienstag spontan zum Grillabend vor dem Hangar eingeladen. «Die Segelflieger sind ein wichtiger Kundenstamm im Saanenland», betonte Dorforganisationspräsident Niclas Baumer. «Die Segler gehören zum Saaner Sommer solange ich denken kann und die Dorforganisation und Gstaad Saanenland Tourismus sind auch jedes Jahr ans Segelfliegerfest eingeladen, das dieses Jahr aufgrund Corona nicht durchgeführt werden kann. Daher war ich sofort begeistert von Ernest Marmets Idee.» Umgekehrt fühlen sich die Segelflieger im Saanenland willkommen. Der spontan organisierte Grillabend zeige einmal mehr «die Verbundenheit zwischen euch im Dorf und uns auf dem Flugplatz», so Deutsch. Und zu den mit gebührendem Abstand am Boden sitzenden und Wurst und Kartoffelsalat essenden Lagerteilnehmenden: «Ich hoffe, ihr nehmt alle einen guten Eindruck vom Saanenland mit nach Hause.»

Auch die Zusammenarbeit mit der Flugplatzleitung wird gelobt. «Die Flugplatzleitung hat sich sehr Mühe gegeben.» Es sei ein positives Aufeinanderzugehen. «Die Flugplatzleitung hat eine schwierige Aufgabe», so Deutsch. «Sie muss das sicherstellen, was hier benötigt wird. Wir sind nicht erleichternd. Wenn wir hierher kommen, erschweren wir ihre Arbeit.» Aber bisher habe die Zusammenarbeit gut funktioniert. «Wir hoffen, dass wir das aufrechterhalten können. Wir wollen das Lager weiterführen und die Begeisterung weitergeben. »

Ernest Marmet sprach den Anwesenden im Namen der Landanstösser und Landeigentümer «e gwaltige Dank» aus. «Chämet zahlrych wider», forderte er sie auf.

Eine wichtige Kundengruppe
Die Lagerteilnehmenden mieten Ferienwohnungen, wohnen in Hotels oder campieren auf dem Flugplatzgelände. «Wir sind genau das, was der Flugplatz bezweckt», erklärte einer der Piloten. Es gehe nicht darum, hier viele Arbeitsplätze zu schaffen, «sondern er ist dafür da, damit Leute hierherkommen, hier übernachten, in Restaurants essen gehen, in den Läden einkaufen. Wertschöpfung passiert nicht hier, sondern im Dorf. Wir passen gut hierher und hoffen, dass wir noch lange ein fester Bestandteil von diesem Flugplatz sind.»

Bei so viel Begeisterung geht beinahe unter, dass die Infrastruktur nicht neu und zum Teil baufällig ist. Es handelt sich nämlich nicht einfach um Materialunterstände, sondern um Hangare, um Flugzeugunterstände. Felix Deutsch drückt sich diplomatisch aus: «Die Segelflieger haben ein grosses Interesse an der Infrastruktur. Wir würden sie gerne weiter nutzen.» Das Lager dauert noch bis Ende dieser Woche.

www.segelflug-saanen.ch

Kommentare

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Die Oberstufe der Schule Bissen-Turbach wird geschlossen

Die 7. bis 9. Klasse mit den Kindern aus Bissen und Turbach wird im Sommer 2021 ins Oberstufenzentrum Ebnit integriert. Die Schülerzahlen sind und bleiben zu tief, um die Klasse im Turbach weiterzuführen. Hingegen bleibt die Mittelstufe vor Ort erhalten.