«Das Leben muss weitergehen»

Fr, 11. Sep. 2020
Willi Bach und das OK haben die Herausforderung angenommen. FOTO: NADINE HAGER

Der diesjährige Alpkäse- und Glockenmarkt im Dorfkern Saanens findet statt – trotz sämtlichen coronabedingten Hürden. Was die Vorgaben für den Event am 19. September genau bedeuten und wie die Gedanken des Veranstalters Willi Bach zu diesem aufwendigen Vorhaben aussehen, hat der «Anzeiger von Saanen» in diesem Interview ausgelotet.

NADINE HAGER

Die aktuelle Situation stellt für einen Anlass wie den Alpkäse- und Glockenmarkt eine grosses Herausforderung dar. Trotzdem hat das zuständige OK beschlossen, dass er stattfinden soll. Weshalb?
Wir haben uns lange Zeit mit dieser Frage auseinandergesetzt und uns gefragt: Geht das, geht das nicht? Im Sommer haben wir uns aber dafür entschieden, nachdem wir uns über die Vorgaben des Marktverbandes Schweiz über Bedingungen und Schutzkonzepte informiert hatten. Wir kamen zum Schluss, dass das Vorhaben grundsätzlich mit Berücksichtigung gewisser Auflagen machbar ist. Wir fanden, es wäre schade, diesen Markt abzusagen – das Leben muss weitergehen und wir können uns anpassen.

Insbesondere deshalb, weil dieser Anlass den Menschen Freude bereitet.
Ja, ich hatte in letzter Zeit den Eindruck, dass die Leute auf so etwas warten und froh sind darüber, wenn sie wieder an eine Veranstaltung gehen können. Aber ich bin auch überzeugt, dass die Menschen sich bewusst sind, wie sie sich verhalten sollen.

Wer hat die Bewilligung erteilt für die Durchführung des Marktes?
Das Bewilligungsverfahren ist mehr oder weniger genau gleich abgelaufen wie die letzten Jahre. Grundsätzlich ist die Sicherheitsbehörde der Gemeinde Saanen verantwortlich und die Bewilligung hat problemlos erteilt werden können – einfach mit gewissen Auflagen. Ausserdem haben wir mit dem Regierungsstatthalter Kontakt aufgenommen, welcher den Markt ebenfalls unter bestimmten Bedingungen gutgeheissen hat.

Welche Auflagen müssen konkret berücksichtigt werden?
Der Marktverband Schweiz hat bereits seit dem Mai ein Konzept ausgearbeitet, nachdem wir uns richten. Grundsätzlich muss die Abstandsregelung von eineinhalb Metern eingehalten werden, was der wesentlichste Punkt ist. Ausserdem müssen wir den Personenfluss gewährleisten, sodass es keine Menschenansammlungen gibt. Der Dorfkern Saanens bietet bereits viel Platz, und wir verteilen die Stände dieses Jahr über eine grössere Fläche. Des Weiteren muss an den Ständen Desinfektionsmittel vorhanden sein für Besucher und Personal und wir empfehlen den Standbetreibern, Handschuhe anzuziehen. Wir sehen zu, dass niemand Produkte aushändigt und zugleich einkassiert, Kasse und Herausgabe werden getrennt sein. Ausserdem gibt es keine Selbstbedienung und die Degustation, welche ein wichtiger Bestandteil des Marktes ist, wird eingeschränkt: Sie ist sicher möglich, doch es werden keine Teller herumgereicht. Stattdessen bekommt jeder Marktbesucher seinen Käse direkt.

Gibt es im Vergleich zum Vorjahr weniger Stände?
Nein, ungefähr gleich viele. Das Interesse von Standbetreibern ist dieses Jahr grundsätzlich gross, doch wir lassen ausser an den Glockenständen nur Einheimische zu. Definitiv wissen wir dann am 19. September, ob alle kommen – es werden um die fünfundzwanzig Stände sein.

Sie haben erwähnt, dass das Einhalten der Abstandsregel eine zentrale Massnahme ist. Setzen Sie dabei auf die Eigenverantwortung der Besucher oder kontrollieren Sie deren Umsetzung?
Grundsätzlich ist jeder für sich selbst verantwortlich. Das ist generell im Leben so und hier ist es genau dasselbe. Die Eigenverantwortung des Bürgers ist hier das Wichtigste. Natürlich setzen wir trotzdem Massnahmen um. Als Beispiel hat Gstaad-Saanenland Tourismus die Marktstände angepasst, sodass der Abstand zwischen Verkäufer und Kunde gewährleistet ist. Zudem hängen wir Plexiglasscheiben vor den Kassen auf. Ein weiterer Punkt ist, dass wir kein Festzelt aufstellen werden wie bisher. Damit verhindern wir, dass sich die Besucher auf engem Raum miteinander befinden. Das Angebot lokaler Restaurants wird trotzdem präsent sein, doch einfach mit eigenen Schutzkonzepten.

Und die Besucherströme? Regulieren Sie diese auf irgendeine Art?
So wie wir das sehen, ist dies kein Problem im Dorf Saanen, wir haben gute Erfahrungen gemacht. Wir setzen primär auf die Eigenverantwortung der Besucher, doch die Öffnungszeiten erleichtern eine Verteilung zusätzlich: Der Markt dauert von morgens um zehn bis nachmittags um vier Uhr. Wir hoffen, dass sich die Besucher zeitlich und örtlich verteilen.

Worauf darf man sich dieses Jahr beim Alpkäse- und Glockenmarkt freuen?
Die köstlichen Alpprodukte werden auch dieses Jahr die Hauptsache sein. Wir haben jedoch auch ein gutes volksmusikalisches Angebot einheimischer Musikgruppen, beispielsweise kommt die Kapelle «Bergmoos» von Gstaad, aber auch «Ächt Bodeständig» aus Frutigen, die «Silvesterchlauseschuppel» Appenzell und am Nachmittag gibt es ein Alphornkonzert der Gruppen Saanenland, Gstaad und Klus. Der Alpkäse, die Glocken und die traditionelle Musik passen gut zusammen. Und auch für Kinder haben wir kleine Attraktionen. Ein paar Ziegen und Kälber, ein Traktorparcours, die Möglichkeit, mit Holzklötzchen etwas zu bauen.

Möchten Sie noch etwas anfügen?
Für uns als Veranstalter ist es eine grosse Herausforderung, diesen Markt trotz allem zu organisieren. Doch wir stellen uns dieser Herausforderung. Wie gesagt, man kann nicht einfach alles absagen, das bringt auch nichts. Irgendwie muss das Leben weitergehen. Aber wir appellieren auch an unsere Besucher, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen gegenüber sich selbst und den Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Es ist selbstverständlich, dass jemand, der sich krank fühlt – ob Besucher oder Verkäufer – zu Hause bleibt.
Natürlich ist es der einfachere Weg, den Markt abzusagen. Doch in diesem Fall lohnt es sich aus der Sicht des OKs, ihn durchzuführen. Wir sind uns sicher, dass die Sehnsucht nach einer gewissen Normalität da ist bei der Bevölkerung.

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