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«Wir stecken den Kopf nicht in den Sand»

Di, 05. Jan. 2021
Tourismusdirektor Flurin Riedi blickt – auch in diesen speziellen Covid-Zeiten – recht zufrieden auf die ersten Wochen dieser Wintersaison zurück. FOTO: SONJA WOLF

Die Tage über Weihnachten und Neujahr sind traditionell ein Highlight mit einem hohen Gästeaufkommen für den Tourismus in der Destination. Inwiefern hat Covid die Feiertage beeinflusst? Tourismusdirektor Flurin Riedi zieht trotz der herausfordernden Umstände ein positives Fazit.

SONJA WOLF

Über Weihnachten/Neujahr tummeln sich normalerweise mehr Gäste in der Destination. Wie war die Auslastung in diesem speziellen Covid-Jahr über die Festtage?
Trotz der widrigen Umstände nicht schlecht: Die Destination Gstaad hatte über Weihnachten etwa 80 Prozent der normalen Auslastung – je nach Leistungsträger gibt es da natürlich Schwankungen zwischen 60 und 100 Prozent. Über die Neujahrstage kann man sogar von einer Auslastung von etwa 90 Prozent sprechen, auch hier wieder je nach Angaben der Leistungsträger mit Schwankungen zwischen 80 und 100 Prozent. Dank einer umfassenden Vorbereitung und rücksichtsvoller Planung aller Szenarien konnte den Gästen in der Destination Gstaad auch in diesem Jahr ein unvergessliches Wintererlebnis geboten werden.

Gab es auch Tagesgäste?
Generell waren auf den Pisten oder Winterwanderwegen weniger Tagesgäste unterwegs. Auch auf den Parkplätzen war die Situation nie am Anschlag. Aber das kann auch wetterbedingt gewesen sein: beste Schneebedingungen, aber nicht viel Sonne.

Woher kamen die Gäste?
Wegen Corona erwartungsgemäss 80 bis 90 Prozent aus der Schweiz. Die wenigen ausländischen Gäste kamen aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Übersee.

Wie ist die Verteilung normalerweise?
Normalerweise haben wir gut 50 Prozent Schweizer, 30 Prozent aus Europa und 20 Prozent von Fernmärkten.

Gab es einen Anstieg bei Ferienwohnungsbuchungen?
Ferienwohnungen waren schon im Sommer stark nachgefragt und sind es immer noch. Tendenziell sehe ich eine höhere Auslastung im Vergleich zu den Vorjahren. Aber man kann nicht sagen, dass die Gäste die Ferienwohnungen den Hotels eindeutig vorzogen.

Wurden die Buchungen in diesem Saisonstart eher «auf den letzten Drücker» getätigt?
Ja, auf jeden Fall, hat man doch vor Kurzem noch nicht einmal gewusst, ob die Skigebiete tatsächlich offen bleiben. Wir hatten sehr kurzfristige Buchungen und Anreisen: Zum Teil wurde am Tag vor der Anreise erst gebucht. Aber da der Kanton Bern beschlossen hat, die Skigebiete offen zu lassen, steht Skifahrern und Skifahrerinnen nun das volle Angebot zur Verfügung: Glacier 3000, Bergbahnen Destination Gstaad, Wasserngrat-Bahn, Skilift Lauenen und Skilift Gsteig.

Nicht alle fahren Ski …
Gstaad Saanenland Tourismus und ihre Partner hatten eine grosse Nachfrage nach zusätzlichen Outdoor-Angeboten schon erwartet und konnten auf den aktuellen Winter hin das entsprechende Angebot für Gäste und Einheimischen stark ausbauen. Das geht vom zusätzlichen Langlaufbus zum Sparenmoos bis zu neuen Winterwanderwegen und Schneeschuhtrails. Dieses zusätzliche Anbot wird stark nachgefragt.

Und trägt dazu bei, dass sich die Gäste besser verteilen.
Ja genau. Uns war von Anfang an klar, dass wir auch im Bereich der Schutzkonzepte, Sicherheitsmassnahmen etc. als Vorzeigebeispiel agieren müssen. Kein Aufwand ist zu klein, um das Einhalten der empfohlenen Distanz- und Personenansammlungsregeln zu unterstützen. Generell sorgt das breit ausgebaute Netz von Winterwanderwegen, die Langlaufloipen, das Tourenskiangebot sowie das Eissportangebot dafür, dass sich die Besucher in der Destination verteilen. Vorteilhaft ist sicherlich auch die Infrastruktur der Bergbahnen mit ihren über acht verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten. Somit kommt es auch an Spitzentagen kaum zu Menschenansammlungen an den Talstationen. Nicht zu vergessen sei an dieser Stelle auch der grosse zusätzliche Effort der Bergbahnmitarbeitenden, damit Skifahren trotz den schwierigen covidbedingten Rahmenbedingungen überhaupt möglich ist.

Halten sich die Gäste an die Schutzkonzepte?
Ja, bisher gab es noch keine nennenswerte Probleme. Es ist schön zu sehen, dass sich die Gäste an die Regeln halten. Auch das Covid-Testcenter hat sich bewährt. Die erweiterte Dienstleistung mit dem Testcenter in Schönried wird sehr begrüsst und entsprechend gut genutzt. Die Schutzkonzepte funktionieren in der gesamten Destination sehr gut – auch bei einer beachtlichen Destinationsauslastung von circa 80 Prozent.

Schade, dass Gäste und Einheimische nicht im Warmen essen können.
Natürlich werden in den Dörfern und auch auf den Bergen die unterschiedlichsten Take-away-Angebote offeriert, damit auch die Geniesser unter den Gästen nicht zu kurz kommen. Vom indischen Gourmetgericht über gutbürgerliche Schweizer Küche bis hin zum Weinlieferanten findet man in der Destination Gstaad das gewohnt vielfältige Gastronomieangebot.

Aber in der Destination spielt die Gastronomie einfach eine riesige Rolle: Die Schliessung respektive die beschränkte Öffnung der Gastrobetriebe in den Hotels ausschliesslich für Hotelgäste ist schon ein riesiges Handicap für uns. Sie führt auch bei den entsprechenden Betrieben zu teilweise massiven Einbussen. Gewisse Hotelbetriebe rechnen mit einem 30 bis 50 Prozent tieferen Umsatz.

Wie ist die Prognose für die kommenden Wintermonate?
Für Januar ist die aktuelle Buchungslage enttäuschend. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand. Eine Prognose ist natürlich schwierig. Wir erwarten jedoch eine tiefere Auslastung als im Vorjahr. Für den Februar sieht die Buchungslage etwas positiver aus, aber auch da ist eine Aussage sehr schwierig, da sich Stornierungen und Buchungen stetig ändern. Die ultrakurze Kurzfristigkeit lässt grüssen!

Wie drückt sich das in Zahlen aus?
Der aktuelle Buchungsstand für den Januar ist rund 50 Prozent tiefer im Vergleich zu den Vorjahren. 90 Prozent dieser Buchungen stammen übrigens aus dem Schweizer Markt. Auch der Buchungsstand für den Februar ist im Moment – verglichen mit dem gleichen Zeitpunkt der letzten Jahre – zwischen 40 und 60 Prozent tiefer. Aber die Buchungen für den Februar sind etwas internationaler aufgrund der Rosey-Gäste. Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht zusätzlich verschlechtern, erwarten wir jedoch sehr kurzfristige zusätzliche Buchungen, vor allem auch – wie schon im Sommer – durch viele «first visits» aus der Schweiz.

Was waren bisher die Feedbacks der Gäste?
Die Gäste sind sehr dankbar, dass sie ihre Ferien praktisch ohne Einschränkungen bei uns geniessen können. Man spürt den Drang nach «Freiheit», «Bedarf nach Tapetenwechsel», «Frischluftbedarf» und die grosse Nachfrage nach «Wintergenuss». Sie posten positive Fotos über Gstaad. Generell gibt es in den Medien keine Bilder von überfüllten Zonen oder negative Berichterstattung von der Destination, da ein starkes Augenmerk auf die entsprechenden Massnahmen gelegt wird und diese professionell umgesetzt werden.

 

 

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