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Hauptprobe für zukunftsweisende Konzepte

Fr, 10. Sep. 2021
Artistic Director Christoph Müller ist rundum zufrieden mit dem Ablauf der diesjährigen Ausgabe «London» und blickt bereits auf die Ausgabe «Wien» von 2022 – mit möglichen Konzeptanpassungen. FOTO: GSTAAD MENUHIN FESTIVAL AG

Die 65. Ausgabe von Gstaad Menuhin Festival & Academy endete am vergangenen Wochenende. Ein nicht gewöhnliches Festival aufgrund der Corona-Einschränkungen, dafür aber mit einer besonderen Dankbarkeit aufseiten der Veranstalter und des Publikums. Bleibt zu prüfen, ob einige der coronabedingten Konzeptänderungen für die Zukunft Bestand haben.

SONJA WOLF

Sind Sie zufrieden mit der diesjährigen Ausgabe «London»?
Auf jeden Fall. Wir sind rundum zufrieden und sehr glücklich.

Wirtschaftlich oder emotionell glücklich?
Beides. Ich denke, wir hatten dieses Jahr ein besonders breit gefächertes Angebot, womit ein sehr breiter Publikumsgeschmack abgedeckt werden konnte. Und von den Besucherzahlen her wurden unsere Erwartung sogar übertroffen. Wir hatten knapp 20’000 Besucherinnen und Besucher, dabei haben wir ja nur etwa 50 Prozent Kapazität in den Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt: 900 Plätze im Zelt von den 1800 möglichen und 300 Plätze in der Kirche Saanen von den 750 möglichen. Wir sind dem Publikum sehr dankbar für das Vertrauen, welches es unseren Veranstaltungen gegenüber zum Ausdruck bringt.

Wie viele Besucher haben Sie normalerweise?
Im Rekordjahr 2018 waren es etwa 27’000 insgesamt.

Also gar nicht so viel mehr als bei dieser kapazitätsbeschränkten Ausgabe … Haben Sie entsprechend mehr Konzerte angeboten?
Nein, eigentlich sogar knapp 10 Prozent weniger Konzerte. Aber die Platzverhältnisse für das Publikum waren schon immer grosszügig. Also waren die Räumlichkeiten in den Vorjahren nicht voll belegt – ausser vielleicht bei einigen Superstars. Jetzt dagegen waren die wenigen Plätze heiss begehrt und meist ausverkauft.

Einige Konzerte in Saanen wurden ja auch doppelt angeboten um jeweils 18 und 20.30 Uhr. Haben Sie sich dazu aufgrund der guten Ticketvorverkäufe entschlossen?
Nein, das war eine Teamentscheidung schon bevor die Vorverkäufe begannen. Wir haben inhaltlich-künstlerisch vorhergesehen, welche Konzerte wahrscheinlich sehr gefragt sein werden. Diese Entscheidung hat sich als richtig erwiesen: Auch die doppelt angebotenen Konzerte waren grösstenteils ausgebucht.

Die doppelten Schichten waren sicher anstrengend für die Künstler?
Natürlich. Sie waren teilweise sichtlich erschöpft nach dem jeweils zweiten Konzert. Denn zweimal das 90-minütige Programm hintereinander zu spielen, bedeutet natürlich auch eine besondere Energie aufzuwenden, sich zweimal zu konzentrieren und den gleichen Enthusiasmus ins Musizieren zu legen. Wir sind all den Künstlerinnen und Künstlern sehr dankbar für dieses Extra-Engagement.

Mussten Sie im Programm häufiger coronabedingt umdisponieren? Ich erinnere mich an Jan Lisiecki als Ersatz für die Pianistin Hélène Grimaud, die wegen Corona-Auflagen aus den USA nicht einreisen konnte.
Umdisponieren ja, aber glücklicherweise nur selten. Die Lösung mit Jan Lisiecki war bereits vorgegeben, da er Hélène Grimaud auch bei anderen Auftritten zusammen mit dem Kammerorchester Basel vertreten hatte. Allerdings hatten wir auch Dirigentenwechsel 48 Stunden vor Konzertbeginn zu organisieren, zwei grosse Sängersolisten fielen kurzfristig aus oder ein A-cappella-Chor musste abgesagt werden. Wir waren schon recht gefordert, sind aber einigermassen glimpflich durch die sieben Wochen gekommen.

Wie wurde das Schutzkonzept von den Musikern und dem Publikum angenommen?
Sehr gut. Unser Geschäftsführer Lukas Wittermann hatte es in Zusammenarbeit mit dem Team ausgearbeitet und je nach epidemiologischer Entwicklung auch angepasst. Die Musiker des Gstaad Festival Orchestras wurden regelmässig getestet und spielten an Einzelpulten mit Abstand. Das Publikum hielt sich bereitwillig an die Abstands- und Maskenregelungen. Eine Zertifikatspflicht war nicht nötig, da wir durchgehend unter 1000 Teilnehmende hatten.

Restauration und Pausen hat es dieses Jahr nicht gegeben. Haben dem Publikum das traditionelle Cüpli und das Plaudern gefehlt?
Diesen Eindruck hatten wir nicht. Die meisten Leute kommen wirklich wegen der Musik zum Gstaad Menuhin Festival und waren äusserst dankbar, wieder Musik geniessen zu dürfen. Natürlich gab es auch einige wenige, die es schade fanden, dass der gesellschaftliche Teil gefehlt hat. Konzerte ohne Pausen haben aber auch positive Aspekte, da der Fokus und die Konzentration ohne Unterbruch auf die Musik gerichtet bleiben.

Werden Sie dieses Konzept beibehalten?
Wir haben in dieser Ausgabe coronabedingt ja so vieles anders gestalten müssen bezüglich der fehlenden Pausen, der geringeren Kapazitäten oder der verschiedenen Anfangszeiten der Konzerte. Wir werden diese Erkenntnisse auswerten und in die strategischen Überlegungen für die Zukunft miteinfliessen lassen. Es ist ein spannender Prozess!

An wie viele Konzerte sind Sie persönlich gegangen?
Eigentlich an alle. Ich sehe das als artistischer Direktor auch als meine Aufgabe an, schon aus Respekt gegenüber den Künstlern, aber auch aus eigenem Interesse.

Und was war Ihr persönliches Highlight?
Für mich war die Eigenproduktion mit dem Gstaad Festival Orchestra ein Höhepunkt. Sensationell finde ich Jaap van Zweden, den Chefdirigenten der New Yorker Philharmoniker. Ich habe das Gefühl, der Dirigent ist jetzt richtig angekommen hier in Gstaad und auch bei der Arbeit mit dem Orchester und der Conducting Academy. Mit solchen qualitativ überragenden Konzerten haben wir auch in der nationalen Presse ein grosses Echo auslösen können. Wir freuen uns, dass wir die Botschafterrolle von Gstaad nun auch mit einem eigenen Orchester mitprägen können.

Und Ihr Highlight bei den internationalen Stars?
Da würde ich die legendäre portugiesische Pianistin Maria João Pires hervorheben, die lange nicht mehr in Gstaad gespielt hat. Bei ihren beiden Konzerten hat sie unglaublich berührend gespielt und ist auch vom Publikum entsprechend euphorisch angenommen worden.

Ein Blick in die Zukunft: 2022 wird es «Wien – Beethoven delayed» geben, also das Format, das bereits für 2020 geplant war, aber abgesagt werden musste. Ist dafür also schon alles bereit?
Ja. Im Prinzip sind die meisten Künstler dabei, die wir letztes Jahr verpflichtet haben. Es war bereits mit ihnen abgesprochen, dass das Festival verschoben wird, nicht abgesagt. Sie freuen sich schon sehr und wir uns natürlich auch!

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