Alles neu mit 2G(+)?

  24.12.2021 Coronavirus

Seit Montag gilt in vielen Bereichen des täglichen Lebens 2G und Maskenpflicht, teilweise sogar 2G+. Die heimischen Betriebe haben gelernt, mit wechselnden Vorgaben umzugehen und reagieren flexibel und schnell.

SONJA WOLF
Von 3G zu 2G, gibt es da überhaupt nennenswerte Unterschiede? «Ja, wir haben bereits in den ersten Tagen Unterschiede gemerkt», stellt Angela Grieb vom Restaurant Time-Out Gstaad fest. «Wir hatten unter unseren Gästen vorher schon Ungeimpfte, die sich haben testen lassen, um dann am Wochenende 48 Stunden zu geniessen. Vor allem Familien mit Kindern, die auf diese Weise zum Beispiel ins Kino, Hallenbad und dann noch zum Essen gehen konnten.» Ähnliche Beobachtungen hat auch Cornelia Walker vom Sportzentrum gemacht. Die Zahl der ungeimpften Familien, die durch Testen das Freizeitangebot wahrgenommen haben, sei aber relativ klein gewesen.

Ahmet Bicik von der Bar Bro’s schätzt, dass bei seinem meist jüngeren Zielpublikum etwa 20 bis 30 Prozent noch nicht geimpft sind. Aber auch diese hätten sich ab und zu testen lassen, um an manchen Wochenenden unbeschwert in den Ausgang zu gehen.

Die 3G-Regel habe sich bei den einzelnen Anbietern seit der Einführung am 13. September also relativ gut in die Praxis umsetzen lassen. Angela Grieb hat den Eindruck, dass wegen der Zertifikatspflicht gar einige Leute mehr zum Impfen gegangen seien.

Leben mit 2G und dem extra Plus
Getestete Ungeimpfte fallen nun also als Gäste weg. Wie klappt es mit der Umsetzung von 2G und vor allem mit dem Plus? «Nach der nun schon lang andauernden Ausnahmesituation informieren sich unsere Kunden wohl weniger über die neuen Regelungen und Massnahmen als noch am Anfang der Pandemie», stellt Cornelia Walker vom Sportzentrum fest. Sie bedauert sehr, dass deshalb an der Kasse momentan ein grosser Teil der Besucher wieder heimgeschickt werden muss, da sie nicht genau wüssten, dass für das Hallenbad und den Wellnessbereich 2G+ gelte, respektive was das genau bedeute. Viele denken, zwei Impfungen seien ausreichend. Und so lässt sich auch der starke Einbruch im Hallenbad momentan begründen: Die Zweitimpfung vieler Besucher liegt häufig länger als vier Monate zurück, der Boostertermin lässt noch auf sich warten und das Testen in der Zwischenzeit extra für einen Hallenbad- oder Wellnessbesuch sei ihnen zu aufwendig oder dessen Notwendigkeit eben nicht bewusst. «Von den Besucherzahlen her lohnt sich der Betrieb des Hallenbades zurzeit klar nicht, aber es ist für uns ausgeschlossen, jetzt zum Ferienbeginn zu schliessen – als Anbieter in einer Tourismusregion und auch als Dienstleister für die Einheimischen», betont Cornelia Walker.

Kreativität und Flexibilität ist gefragt
Bei den Groupfitnesskursen hat das Sportzentrum individuell mit einigen Abonnenten Rücksprache gehalten, ob sie mit Maske oder lieber im freiwilligen 2G+-Modus ohne Maske trainieren wollten. «Yoga mit Maske, nein danke» oder Ähnliches war meistens die Antwort. Auch aus diesem Grund wurde entschieden, die Groupfitnesskurse zu pausieren.

Schnell und flexibel hat auch Ahmet Bicik auf die neue Situation reagiert: 2G+ ging ihm für seine Bar doch zu weit. So hat er direkt bei Bekanntwerden der Massnahmen in neue Tische investiert. Sein Publikum kann also weiterhin geimpft, aber ungetestet in die Bar kommen, muss aber nun im Sitzen konsumieren. «Wir probieren jetzt halt neue Konzepte und werden zu einem Bierstadel mit Sitzplätzen, vielleicht veranstalten wir auch Sitzpartys», sagt er mit einem nun doch etwas müdem Lächeln. Nach über 20 Monaten Pandemie sei es mehr ein Überleben und mühsam, ständig neue kreative Ideen haben zu müssen. «Aber das Bro’s ist eine Herzensgeschichte, ich will weiter zum Nightlife der Region beitragen und freue mich enorm über die immense Unterstützung von den Einheimischen. Nur so können wir überleben.»

Und im Hotel?
Andrea Sprenger von Siebenthal vom Golfhotel Les Hauts de Gstaad & Spa in Saanenmöser erklärt auf Nachfrage, dass sich bei ihnen durch die neuen Regelungen vom Montag nicht viel geändert habe. Sie hätten schon vorher das Restaurant und die Wellness nur für Hotelgäste (mit Zertifikat) offen gehabt. Nun müssten die Gäste einfach wieder Maske tragen. «Aber wir können damit sehr gut leben.»

Die Auslastung sei glücklicherweise normal bis sogar besser als im saisonalen Schnitt. Das Nationalitätenverhältnis sei 80 Prozent Schweizer zu 20 Prozent ausländischen Gästen aus Europa und den GCC-Ländern. Der einzige Unterschied laut Andrea Sprenger: «In Nicht-Pandemiezeiten würden sich vielleicht jetzt zur Weihnachtszeit 30 Prozent Ausländer im Hotel tummeln und entsprechend weniger Schweizer.»


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