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Eine musikalische Reise in den Norden

Di, 28. Dez. 2021
Dirigierte mit Hingabe: Michael S. Bach.

Nach zwei Jahren coronabedingtem Unterbruch konnte das traditionelle Saaner Altjahrskonzert 2021 in gewohnter Form durchgeführt werden. Es widmete sich hauptsächlich der Musik nordischer Komponisten.

LOTTE BRENNER
Mit der Husitská Ouvertüre von Antonin Dvorˇák gelang dem Orchestra degli Amici unter der Leitung von Michael S. Bach der Einstieg in die nordische Stimmung, die sich über das ganze Konzert legte und sich auch in Werken von Edvard Grieg und Jean Sibelius melodienreich ausdrückte. Das Orchester mit der Konzertmeisterin Ilona Naumova setzt sich aus Musikerinnen und Musikern der Region zusammen; etliche davon unterrichten an der Musikschule Saanenland-Obersimmental. Es sind altbekannte Gesichter, die nach zweijähriger Pause mit dem heurigen, ersehnten Konzert in der Mauritiuskirche Saanen an zwei Abenden Gäste aus nah und fern beglückten.

Ebenfalls aus der Region stammen die beiden Solisten Beatrice Villiger, Sopran und Reto Reichenbach, Klavier. Immer wieder können die Organisatoren der Altjahrs- und Osterkonzerte Saanen auf einen reichen Fundus musikalischer Kreativität zurückgreifen. Mit ihren auserlesenen Konzerten geben sie Einblick in das aktive einheimische Schaffen.

Weite Landschaft – enge Bühne
Heimatklänge aus dem Norden vermitteln Weite, Sehnsucht, Romantik, Lyrik, doch auch hinreissend temperamentvolle Tanzweisen. So weit jedoch die Landschaftsbilder vorüberzogen, so eng wurde es auf der Konzertbühne - vor allem, als noch der Flügel zum umfangreichen Orchester hinzukam. Reto Reichenbach liess sich durch die ungewohnte Nähe zum Dirigenten und dem Orchester kaum beeinflussen. Er spielte das Klavierkonzert in a-Moll, op. 16 von Edvard Grieg und gewann von Satz zu Satz an Dynamik. Eine reizvolle Kadenz, voller Neugierde, gut in das Orchestrale eingebettet, bereicherte das Konzert.

Mit dem durch und durch virtuosen Klavierstück «Die Wut über den verlorenen Groschen» von Ludwig van Beethoven bedankte sich Reichenbach für den Applaus, mit der Bemerkung, dass Beethoven sich auf den coronabedingten Kulturunterbruch wohl in dieser Weise ausgedrückt haben könnte.

Eine starke Stimme
In Opernrollen fühlt sich die Sopranistin Beatrice Villiger wohl. Sei es in Dvorˇáks märchenhafter Oper Rusalka oder in Giacomo Puccinis humordurchzogenem Verwirr-Liebesspiel Gianni Schicchi – Villiger singt die Arien wohltuend warm, sanft und wunderbar rein. Dramatische Steigerungen lassen das Publikum erschauern und Villigers kräftige Stimme füllt die Kirche. Niemals schrill, doch äusserst ausdrucksstark illustriert sie die Operngeschichten.

Das Orchester, von Michael S. Bach mit Hingabe und Freude dirigiert, zeigte sich einmal mehr als einfühlsame Begleitung. Es beschloss das Konzert mit der Karelia-Suite, op.11 von Jean Sibelius, wo in Volks- und Tanzweisen nochmals einzelne Instrumentalgruppen wunderschön zur Geltung kamen. Das Orchester, das aus Streichern, Bläsern, einer Harfinistin und Perkussionisten besteht, verabschiedete sich mit dem achten slawischen Tanz von Dvorˇák mit Rasse und Klasse.

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