EBL-Panne: Was hat man daraus gelernt?

  04.03.2022 Saanenland

Anfang Februar erlebten viele Fernwärmekunden der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) einen Versorgungsengpass. Betroffen waren neben Privaten auch Hotels, Altersheime und andere öffentliche Einrichtungen. Wie war man auf eine solche Panne vorbereitet und welche Lehren zieht man daraus?

KEREM S. MAURER
Pannen passieren immer dort, wo sie nicht passieren sollen und meistens dann, wenn man sie am wenigsten erwartet. Das macht das Wesen einer Panne aus. Die Leidtragenden von Pannen finden sich jeweils auf beiden Seiten: bei jenen, welche die unbeabsichtigte Störung zu verantworten haben genauso wie bei jenen, welche – wie im vorliegenden Fall – die Konsequenzen zum Teil wortwörtlich im kalten Wasser ausbaden mussten. Anfang Februar entstand durch Lecks in den Leitungen im Fernwärmeverbund Saanen-Gstaad während gut einer Woche ein Versorgungsengpass (wir haben darüber berichtet). Betroffen von dieser Panne waren neben zahlreichen privaten Haushaltungen auch Hotels, Alterswohnungen und andere öffentliche Einrichtungen.

Manche waren vorbereitet
«Im Nachhinein ist man immer schlauer. Insofern: Ja, man hätte mit so etwas rechnen müssen», räumt Kaspar Westemeier, Fachleiter Liegenschaften der Gemeinde Saanen, auf Anfrage ein. Auch André Streit, Geschäftsführer der Alterswohnen STS AG, die vom Versorgungsengpass der EBL betroffen war, ist der Ansicht, dass Pannen in diesem Bereich zwar sehr selten, aber möglich seien. «Das Maison Claudine Pereira ist seit der Betriebsaufnahme im Jahr 2014 an das Fernwärmenetz angeschlossen und bereits beim Bau wurden Vorbereitungen für zusätzliche externe Anschlüsse getroffen», sagt er. Ein Hotel, das ebenfalls von der EBL-Panne betroffen war, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte, war hingegen nicht auf ein solches Szenario vorbereitet und wurde auf dem falschen Fuss kalt erwischt. Nach einem Jahrzehnt störungsfreiem Betriebs hatte in diesem Hotel niemand mit einer solchen Panne gerechnet

Externe Heizzentralen
Im Fall des Hotels ist man durch Beschwerden von Gästen auf das Problem aufmerksam gemacht worden. Daraufhin habe man den Heizbedarf reduziert und die Poolheizungen abgestellt. Um künftig für solche Fälle besser gewappnet zu sein, sollen elektrische Heizelemente in die Warmwasserspeicher eingebaut werden, um eine gewisse Selbstversorgung zu erreichen. Andere Hotels haben während des Versorgungsengpasses externe Heizzentralen organisiert, die zum Teil bis heute im Einsatz stehen und noch bis zum Ende der Wintersaison Anfang April weiterlaufen werden.

Dank der Minergiebauweise des Maison Claudine Pereira und der installierten Wärmerückgewinnung konnten die Zimmer der Bewohnenden mit Wärme versorgt werden, erklärt Dominik Kunz, Leiter des technischen Dienstes, und ergänzt: «Mit internen Einschränkungen und Zusatzheizungen einer Sanitärfirma konnten wir die Auswirkungen ein wenig mildern.» Im ehemaligen Spital Saanen wurde laut Kaspar Westemeier der noch installierte, aber ausser Betrieb gesetzte Heizölkessel reaktiviert, während man für das Maison Claudine Pereira eine mobile Heizzentrale organisierte, damit die Seniorinnen und Senioren in der Tannigermatte die nötige Raumtemperatur erhielten. Dass die EBL nicht früher und umfassender über den Versorgungsengpass informiert hatte, ist denn auch der Hauptvorwurf, den sich das Unternehmen seitens seiner Kundschaft gefallen lassen muss.

Ein Notfallplan wird erwartet
Man wolle in Zukunft schneller Notmassnahmen ergreifen können, resümiert André Streit und ergänzt: «Wir erwarten von der EBL einen Notfallplan, wie sie künftig auf derartige Situationen reagieren wird.» Nach wie vor ist er überzeugt, dass ein Wärmeverbund die richtige Lösung ist. Es brauche aber Absicherungen, damit derartige Ausfälle künftig besser bewältig werden könnten. Braucht es denn für alle möglichen und unmöglichen Szenarien eine Alternativlösung? Offenbar schon, aber: «Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit muss gewahrt werden», hält Westemeier fest. Technisch werde derzeit abgeklärt, ob das Alterszentrum Saanen in einem erneuten «Ernstfall» mit der Ölheizung des ehemaligen Spitals Saanen mit Wärme beliefert werden könnte. Auch das bereits erwähnte Hotel will in Zukunft bei solchen Problemen schneller reagieren können, um Alternativlösungen zu realisieren. «Die externen Mobilheizungen halfen, die Reparaturzeit zu überbrücken. Aber es hat fast fünf Tage gedauert, bis diese organisiert und installiert waren», teilt es mit.

Kann ja mal passieren
«Es gab viele Beschwerden von Hotelgästen, wir mussten mit der Rechnungstellung sehr kulant sein», schreibt das Hotel. Doch es gibt auch die anderen. Jene, die in Kauf nehmen, dass Pannen passieren können und diesen mit einer guten Portion Gelassenheit begegnen.
«Viele unserer Nutzer und Mieter haben die Einschränkungen hingenommen, ohne ein riesiges Theater zu veranstalten. Scheinbar gibt es ein gewisses Verständnis dafür, dass solche Situationen vorkommen können und es gibt keine Garantie wofür auch immer», sinniert Kaspar Westemeier. Und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


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