Chinderhuus Ebnit steht solide da – Neubau rückt in den Fokus
14.04.2026 GstaadAn der Generalversammlung vom vergangenen Freitag zeigte sich: Das Chinderhuus Ebnit ist organisatorisch und finanziell gut aufgestellt. In den kommenden Jahren wird vor allem die Detailplanung des Neubaus im Zentrum stehen. Der Planungskredit soll im Herbst vor die Gemeindeversammlung ...
An der Generalversammlung vom vergangenen Freitag zeigte sich: Das Chinderhuus Ebnit ist organisatorisch und finanziell gut aufgestellt. In den kommenden Jahren wird vor allem die Detailplanung des Neubaus im Zentrum stehen. Der Planungskredit soll im Herbst vor die Gemeindeversammlung kommen.
SONJA WOLF
Wie liefen die beiden Kindertagesstätten im vergangenen Jahr?
Die beiden Kitas des Chinderhuus Ebnit waren 2025 erneut sehr gut ausgelastet. In Gstaad waren im Schnitt 15,07 von 16 Plätzen belegt, in Saanen 10,24 von zehn Plätzen. Über beide Standorte hinweg lag die Auslastung bei 98,12 Prozent.
Auffällig ist dabei auch die integrative Bedeutung des Angebots: Bei rund zwei Dritteln der betreuten Kinder stammt mindestens ein Elternteil aus dem Ausland. Das Chinderhuus leiste damit einen wichtigen Beitrag zur Frühförderung, insbesondere auch zur frühen sprachlichen Integration.
Gleichzeitig wächst der Druck durch neue kantonale Vorgaben. Ab August 2026 werden Kinder bis 18 Monate neu mit dem Faktor 1,5 berechnet – sie belegen also anderthalb statt einen Betreuungsplatz. Bisher galt diese Regelung nur bis 12 Monate. Weil jüngere Kinder mehr Betreuung benötigen, können dadurch in den Gruppen insgesamt weniger Kinder aufgenommen werden. Das dürfte die ohnehin angespannte Platzsituation weiter verschärfen. Die Tarife will das Chinderhuus vorerst dennoch nicht anpassen.
Wie entwickelten sich die Notfallplätze?
Auch die Notfallplätze waren 2025 gut ausgelastet. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 89,15 Prozent und damit über dem budgetierten Wert von 85 Prozent.
Institutionsleiter Patric Bill machte an der Versammlung deutlich, dass das Chinderhuus bei den Notfallplatzierungen bewusst einen eigenen Weg geht: «Die Kinder bleiben wenn möglich so lange in der Institution, bis eine tragfähige Anschlusslösung gefunden ist.» Anders als andere Einrichtungen beendet das Chinderhuus eine Platzierung also nicht einfach nach einer fixen Frist.
Das hat Vorteile und Nachteile. Einerseits lassen sich für die betroffenen Kinder oft stabilere Übergänge finden. Andererseits bleiben Plätze dadurch länger belegt, was die Aufnahme neuer Notfälle erschweren kann. Genau in diesem Spannungsfeld bewege sich die Arbeit immer wieder.
Was gibt es beim Personal Neues?
Das Chinderhuus beschäftigt heute rund 46 Mitarbeitende. Bemerkenswert sei dabei laut Patric Bill vor allem die Treue vieler Angestellter: Während die Verweildauer in der Branche generell oft unter zwei Jahren liege, arbeiteten in Ebnit mehrere Mitarbeitende seit 10, 15 oder gar 25 Jahren in der Institution.
Zugleich bleibt die Rekrutierung anspruchsvoll – auch weil die gesetzlichen Vorgaben an Ausbildung und Personalschlüssel hoch sind. Um genügend geeignetes Personal zu finden, setzt das Chinderhuus inzwischen gezielt auf Instagram und Facebook. Diese neue Form der Personalgewinnung habe 2025 dazu beigetragen, Stellen wieder besser besetzen zu können.
Wie steht das Chinderhuus finanziell da?
Finanziell präsentierte sich das Chinderhuus an der Generalversammlung als sehr solide. Laut Bill verfügt die Institution über genügend flüssige Mittel und stehe damit «auf sicheren Beinen».
Beim Jahresergebnis sprach Patric Bill von einer «Punktlandung»: Nach Fondsveränderungen liege das Ergebnis mit 46’604.47 Franken im angestrebten Bereich zwischen 40’000 bis 50’000 Franken. Ziel sei bewusst nicht ein möglichst hoher Gewinn. Denn zu hohe Überschüsse könnten in den Tarifverhandlungen mit dem Kanton als Argument gegen höhere Ansätze verwendet werden.
Auffällig in der Rechnung ist ein höherer Personalaufwand. Dieser hänge laut Bill vor allem damit zusammen, dass 2025 wieder mehr Stellen gut besetzt waren und die Vorgaben des Bundes bei Ausbildung und Personalschlüssel konsequenter erfüllt werden konnten.
Was ist der Stand beim Neubau?
Das Thema Neubau des Chinderhuus Ebnit befindet sich derzeit im Vorprojekt. Als nächster Schritt soll im Herbst ein Planungskredit vor die Gemeindeversammlung kommen. Wird dieser bewilligt, kann die Detailplanung mit den nötigen Fachplanern weitergeführt werden.
Der Zeitplan ist langfristig angelegt: Mit einem Baubeginn wird frühestens 2029 gerechnet. Gründe da für sind unter anderem planungsrechtliche Verfahren sowie die Anforderungen des öffentlichen Vergabewesens.
Das Projekt ist komplex. Es braucht unter anderem eine Überbauungsordnung, zudem sind verschiedene Abklärungen etwa zu Strassenerschliessung, Hecke und Gewässerschutz nötig. Auch die Finanzierung ist anspruchsvoll, da Bund, Kanton und Gemeinde beteiligt sind und unterschiedliche Vorgaben machen.
Mit dem Neubau soll das Angebot punktuell erweitert werden. Im stationären Bereich ist eine Erhöhung von zehn auf zwölf Plätze vorgesehen. Auch bei den Kindertagesstätten sind zusätzliche Kapazitäten geplant.
«Man kann hier nicht nach Schema F vorgehen»
Die Architektin Elisabeth Wampfler arbeitet am Vorprojekt des neuen Chinderhuus Ebnit. Im Interview erklärt sie, warum die Kombination von Kita und Notfallaufnahme das Projekt besonders macht – und welche Herausforderungen daraus entstehen.
SONJA WOLF
Wo steht das Neubauprojekt derzeit?
Im Moment befinden wir uns im Vorprojekt. Das heisst, die Grundidee und die wichtigsten Eckpunkte sind definiert, aber viele Details müssen noch ausgearbeitet werden.
Warum braucht es das Neubauprojekt überhaupt?
Ein wichtiger Impuls kam vom Bund, weil die bestehenden Räume nicht mehr allen Anforderungen entsprechen – etwa bei Zimmergrössen oder bei den Piketträumen für das Personal. Gleichzeitig verfolgt die Gemeinde im Rahmen ihrer Standortentwicklungsstrategie das Ziel, zusätzliche Kita-Plätze zu schaffen. Und die bestehende Struktur wäre bezüglich der Bausubstanz zu stark sanierungsbedürftig – vor allem auch aus energietechnischer Sicht. All diese Faktoren haben den Neubau angestossen.
An der Versammlung entstand der Eindruck, dass Themen wie Flatterulme und Hecke das Projekt bremsen.
Solche Punkte gehören zu jedem Planungsverfahren dazu. Die Flatterulme ist zwar einer der seltensten Bäume der Schweiz, aber ein grundsätzlich lösbares Problem. Die Hecke als Lebensraum mit ihrer hohen Biodiversität ist dagegen rechtlich geschützt. Solche Eingriffe müssen geprüft und kompensiert werden. Das führt zu zusätzlichen Abklärungen und damit zu mehr Zeitaufwand – wir haben aber damit gerechnet.
Was ist dann die eigentliche Herausforderung in der Planung?
Der zentrale Punkt ist die Überbauungsordnung. Es braucht zuerst eine klare planungsrechtliche Grundlage, die festlegt, was auf diesem Gebiet überhaupt möglich ist. Weil es sich nicht um eine klassische Bauzone handelt, ist dieser Schritt aufwendig. Dazu kommt, dass viele kantonale Fachstellen eingebunden sind – etwa solche zu Gewässerschutz, Strassenanschlüssen oder Naturschutz. Diese Abstimmungen brauchen Zeit und prägen den aktuellen Planungsstand.
Das Chinderhuus vereint Kita und Notfallaufnahme unter einem Dach. Ist das etwas Besonderes?
Ja, weil es dafür schweizweit kein Standardmodell gibt. Die Kita liegt in der Verantwortung der Gemeinde, die Notfallaufnahmen werden in der Regel über die KESB zugewiesen und sind kantonal organisiert. Diese Kombination unter einem Dach ist sehr speziell. Deshalb kann man nicht einfach nach Schema F vorgehen, sondern muss viele Fragen – etwa beim Raumprogramm oder bei den Zuständigkeiten – individuell lösen.
Heisst das, dass auch die Finanzierung vielschichtig wird?
Ja, genau. Weil unterschiedliche Trägerschaften beteiligt sind, kommen auch verschiedene Geldgeber ins Spiel – Bund, Kanton und Gemeinde. Jede Ebene knüpft ihre Beiträge an eigene Vorgaben. Diese Anforderungen aufeinander abzustimmen, ist anspruchsvoll und braucht Zeit.
Was passiert konkret mit dem Planungskredit?
Im Moment bin ich daran, die Kosten für die Planungsphase zusammenzustellen – also die Honorare für Architekten, Bauingenieure, Fachplaner, Brandschutz oder Haustechnik. Mit dem Planungskredit können diese Arbeiten ausgelöst und öffentlich ausgeschrieben werden. Erst danach lässt sich das Projekt so weit vertiefen, dass ein Baukredit beantragt werden kann. Der Planungskredit kommt an der Gemeindeversammlung im Herbst zur Abstimmung – er ist die Voraussetzung für alle weiteren Projektschritte.


