Der Wald prägte Willi Bach
27.05.2026 WirtschaftWeniger Beiträge für Holzheizungen, lange Planungszeiträume und das Mountainbike-Angebot: An der Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland kamen verschiedene Themen zur Sprache. Der Abend stand jedoch im Zeichen des Wechsels beim Waldsanierungsfonds: Toni von ...
Weniger Beiträge für Holzheizungen, lange Planungszeiträume und das Mountainbike-Angebot: An der Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland kamen verschiedene Themen zur Sprache. Der Abend stand jedoch im Zeichen des Wechsels beim Waldsanierungsfonds: Toni von Grünigen übernimmt das Präsidium von Willi Bach, der das Amt 24 Jahre lang innehatte und einen Vortrag hielt. Im Interview spricht Willi Bach ausserdem über seine Faszination für den Wald.
Willi Bach gibt nach 24 Jahren das Präsidium ab
Letzten Mittwoch wurde Willi Bach nach 24 Jahren als Präsident des Waldsanierungsfonds verabschiedet. Toni von Grünigen wird sein Amt übernehmen.
JONATHAN SCHOPFER
Die Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland fand am Mittwoch, 20. Mai, um 20 Uhr im Golfhotel in Saanenmöser statt. Neu gewählt wurde einstimmig Toni von Grünigen als Präsident des Waldsanierungsfonds. Der abtretende Willi Bach wurde geehrt und hielt anschliessend einen Vortrag über den Wald.
«Ich habe hier eigentlich nur meine Pflicht getan»
Im Würdigungsschreiben von Rolli Perren – dem Geschäftsführer des Waldsanierungsfonds – zur Verabschiedung von Willi Bach wurde betont, Bach habe den Waldsanierungsfonds mit grossem Engagement geprägt. Unter seiner Leitung seien Projekte mit insgesamt 1,5 Millionen Franken unterstützt worden, merkte Perren an. «Besonders beeindruckt hat mich persönlich neben deinem grossen Fachwissen vor allem deine Art. Ruhig und besonnen bist du in anspruchsvollen Situationen gewesen. Herzlich und menschlich im Umgang mit allen Beteiligten. Du hast nie vergessen, dass hinter jedem Projekt ein Mensch steht.» Willi Bach zeigte sich von der Ehrung bewegt. «Vielen Dank für die Ehrung und Verabschiedung», sagte er. Es habe ihn «fast ein wenig gerührt». Gleichzeitig blieb er bescheiden: «Ich habe hier eigentlich nur meine Pflicht getan.»
Keine Beiträge für Maschinenwege
Beim Waldsanierungsfonds präsentierte der abtretende Präsident Willi Bach ein letztes Mal die Rechnung des Waldsanierungsfonds. Beim Aufwand zeigte sich: Für Beiträge an Holzheizungen wurden 2025 noch 2505 Franken ausbezahlt, im Vorjahr waren es noch 4475 Franken, die der Waldsanierungsfonds zur Unterstützung ausbezahlte. Bach erklärte: «Im Moment sind Holzheizungen nicht aktuell – eher sind Wärmepumpen gefragt.»
Bei den Maschinenwegen gab es 2025 keine Auszahlung. Ein Maschinenweg ist eine einfache Fahrspur im Wald für die Forstnutzung. Bach kam später in seinem Vortrag nochmals auf die Gründe zurück. «Früher war es einfacher, einen Maschinenweg zu realisieren. Wenn man denkt, was für einen Aufwand man heutzutage für ein Baugesuch betreiben muss nur für einen einfachen Weg und was für Kosten das verursacht, so verleidet es manchen, bevor sie überhaupt anfangen.»
«Machet emal vorwärts»
David Schmid, Co-Präsident der Bergregion Obersimmental-Saanenland und Vize-Gemeindepräsident von Saanen, gab bekannt: «Nach langer Planung wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: die Inkraftsetzung des Richtplans Mountainbike-Routen.» Ziel dieses Projekts ist es, dass die Regionen ein zusammenhängendes und attraktives Mountainbike-Angebot gewährleisten können. «Der Aufbau der nötigen Trägerstruktur ist in vollem Gange.»
Anders bewertet er die regionalen Planungen. «Besonders die langen Planungszeiträume sind unbefriedigend.» Obwohl es Lichtblicke bei der Abbauund Deponieplanung und auch bei der regionalen Holzlagerplanung gebe, gehe es in Bern sehr langsam. «Der Schrei: Machet emal vorwärts, ist sicher berechtigt und wird immer lauter.»
Kleiner Verlust bei der Bergregion
Die Geschäftsführerin Evelyn Coleman Brantschen führte durch die Jahresrechnung 2025. Die Jahresrechnung der Bergregion schloss mit einem Verlust von 3215.94 Franken.
Ein grosser Posten war erneut die regionale Energieberatung. Sie schlug in der Rechnung mit rund 332’000 Franken zu Buche. Für das Jahr 2026 budgetiert die Bergregion mit einem Aufwand von 529’620 Franken und einem Ertrag von 543’650 Franken.
Ein persönlicher Blick auf den Wald
Nach der offiziellen Verabschiedung gab Bach Einblicke in die Entwicklung des Waldes im Saanenland und in die Herausforderungen der Bewirtschaftung.
So habe ein Kubikmeter Holz bis in die 80er-Jahre im Schnitt 150 bis 200 Franken eingebracht. «Heute liegt der Erlös, wenn es gut geht, bei rund 100 Franken pro Kubikmeter», sagte Willi Bach.
Er erinnerte zudem an frühere Zeiten, als Bauern im Winter noch keinen Nebenerwerb im Tourismus hatten. Sie hätten sich zusammengeschlossen, Holz gerüstet und die Trämel im Winter mit den Pferden vom Wald bis zur Säge geführt. «Das hat mich geprägt.»
Spannend findet Bach auch die Geschichten, die das Holz erzählen könnte, etwa als Baumaterial der alten Häuser, die seit Jahrhunderten stehen, oder als schöner Brunnentrog. «Der Wald liefert einen super Rohstoff.»
Zum Schluss dankte Bach allen, mit denen er während seiner Zeit beim Waldsanierungsfonds zusammenarbeiten durfte. «Die Arbeit hat mir Freude bereitet.»
INFOBOX
Der regionale Waldsanierungsfonds wurde 1990 an der Delegiertenversammlung der Bergregion Obersimmental-Saanenland gegründet und setzt sich für eine nachhaltige Nutzung des Waldes ein. Mit Gemeindegeldern werden Projekte für die Nutzung des Bergwaldes im weitesten Sinn unterstützt. Solche sind unter anderem: Projekte zur Waldpflege, waldschonende Arbeitsweisen, ungekofferte – also naturbelassene – Rückwege sowie Neueinrichtung und Ersatz von reinen Holzheizungen in ganzjährig bewohnten Häusern, gegebenenfalls in Ergänzung mit einer thermisch solaren Wärmegewinnung.
PD
«Die anderen werden das genauso gut weiterführen wie ich»
Der Wald prägt Willi Bach seit seiner Kindheit. Nun tritt er nach 24 Jahren als Präsident des Waldsanierungsfonds zurück. Im Gespräch erzählt er von frühen Erinnerungen und ob er das Amt vermissen wird.
JONATHAN SCHOPFER
Willi Bach, welche ersten Erfahrungen mit dem Wald sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Als Kind war ich auf der Alp Beust, dort hatten wir «finebitz» Wald. Ich war oft mit meinem Vater unterwegs, er hat mir das Holzen beigebracht. Auch als Jugendlicher war ich immer mit ihm zusammen im Wald. Bis heute bin ich davon fasziniert.
Was finden Sie daran besonders spannend?
Heutzutage ist alles so kurzlebig und schnell. Beim Wald muss man aber über mehrere Generationen denken. Zum Beispiel gab es 1962 einen Föhnsturm, danach war der Wald auf der Dorfflüe im Chalberhöni umgefegt. In meiner Jugend hatten wir daher dort oben die schönste Aussicht über das Saanenland. Nun ist alles wieder bewachsen. Der Wald ist sehr dynamisch. Wenn ich im Frühling sehe, wie es wieder spriesst, ist das für mich immer wieder ein Wunder und ein Geschenk.
Sie haben im Vortrag gesagt, dass der Jungwald unter dem Hirsch leidet und der Bestand besser reguliert werden müsste. Wie meinen Sie das?
Es ist nicht so, dass ich den Hirsch nicht möchte. Nein, ich bin für ein gesundes Gleichgewicht. Aber im Moment hat es zu viele Hirsche, deshalb müsste man die Abschussquote regulieren. Dabei muss man sicher auch differenzieren: Es gibt Orte, an denen keine Hirsche leben und andere Orte, wo der Wald unter den Hirschen leidet.
Auch im Saanenland?
Ja, auch hier gibt es Gebiete mit vielen Hirschen, etwa im sonnigen Turbach, im Grund, auf der Wispile-Seite oder auch in den Chalberhöni-Vorsassen.
Wieso ist Ihnen der Wald ein Anliegen?
Es ist wie bei den Tieren: Wenn es ihnen gut geht, geht es mir auch gut. So ist es auch mit dem Umfeld, mit der Umwelt und mit dem Wald. Das muss stimmen, damit es den Menschen gut geht.
Geschäftsführer des Waldsanierungsfonds, Rolli Perren, lobte Ihre Art, wie Sie mit Menschen umgehen. Was war Ihnen dabei wichtig?
Mir war immer wichtig, nicht die Akten zu sehen, sondern die Menschen dahinter. Was bringen Akten, wenn sonst der Mensch verkümmert? Ich sah es auch als Chance, mit sehr spannenden Menschen zusammenzuarbeiten, manchmal auch mit Leuten, die man sich nicht selber aussuchen würde. Im Privaten ist man oft mit den gleichen Menschen unterwegs.
Werden Sie das Amt vermissen?
Wenn ich ein Amt abgebe, dann ist das für mich eigentlich Geschichte. Nicht, dass ich die schöne Zeit missen möchte. Aber ich habe die gefällige Art, dass ich Sachen gut abgeben kann. Die anderen werden das genauso gut weiterführen wie ich.




