Zwei Vereine, ein Team, ein Traum: der Aufstieg in die 3. Liga
29.05.2026 SportAus zwei Vereinen wurde eine Mannschaft, aus ehemaligen Konkurrenten ein enges Kollektiv. Das Team Simme/Saane steht kurz vor dem Aufstieg in die 3. Liga und sorgt damit für Aufsehen. Der Erfolg basiert auf jahrelanger Aufbauarbeit, grossem Einsatz und einem Teamgeist, der weit ...
Aus zwei Vereinen wurde eine Mannschaft, aus ehemaligen Konkurrenten ein enges Kollektiv. Das Team Simme/Saane steht kurz vor dem Aufstieg in die 3. Liga und sorgt damit für Aufsehen. Der Erfolg basiert auf jahrelanger Aufbauarbeit, grossem Einsatz und einem Teamgeist, der weit über den Fussballplatz hinausgeht.
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Auf dem Trainingsplatz wird es laut. «Mehr kommunizieren! Laut sein!», ruft Trainer Patric Bill seinen Spielern zu. Die jungen Männer reagieren und setzen um. Sie coachen sich gegenseitig, rufen Namen, geben Anweisungen, treiben einander an. Die Szene wirkt fast sinnbildlich für das, was das Team Simme/Saane heute ausmacht: eine junge Mannschaft, die gelernt hat, gemeinsam aufzutreten. Und das mit Erfolg, wie der Blick auf die Tabelle der 4. Liga zeigt: Drei Runden vor Saisonende steht die erste Mannschaft des Teams Simme/Saane an der Spitze der 4.-Liga-Gruppe 1. 47 Punkte, 91 Tore, nur zwei Niederlagen. Der Vorsprung auf Verfolger FC Rothorn beträgt fünf Punkte. Der Aufstieg in die 3. Liga ist zum Greifen nah.
Für das Saanenland und das Obersimmental wäre der Aufstieg ein besonderer Erfolg. Es ist eine Weile her, dass sich ein Team aus der Region dauerhaft in der 3. Liga etabliert hat. Entsprechend gross ist die Aufmerksamkeit rund um das Team Simme/ Saane.
Entstanden aus der Not
Die Geschichte des Teams Simme/Saane begann aus einer Notwendigkeit heraus. Sowohl dem FC Sarina als auch dem FC Obersimmental fehlten zunehmend genügend Spieler, um einzelne Teams aufrechtzuerhalten. Zunächst wurden deshalb die Seniorenmannschaften zusammengelegt, später auch die ältesten Juniorenteams. Aus dieser pragmatischen Lösung entwickelte sich Schritt für Schritt eine enge sportliche Zusammenarbeit, aus der schliesslich das heutige Team Simme/Saane entstand.
«Man hat gemerkt: Wenn man ambitionierten Fussball spielen will und 20 Spieler mit ähnlichem Niveau im Training haben möchte, geht es fast nur gemeinsam», sagt Trainer Patric Bill. Heute gehen beide Vereine noch weiter: Im Aktivbereich und bei den ältesten Junioren wird komplett zusammengearbeitet. Nur die jüngeren Nachwuchsteams bleiben getrennt, auch wegen der langen Anfahrtswege.
Dabei war die Skepsis anfangs gross. «Damals haben einige noch gesagt: mit denen sicher nicht», erzählt Bill lachend. Die sportliche Rivalität zwischen dem Saanenland und dem Obersimmental war über Jahre spürbar. Auch Spieler Marco Minnig aus Zweisimmen erinnert sich und lacht: «Die Distanz zwischen den Vereinen war anfänglich schon spürbar. Spiele gegen den FC Sarina hatten fast Derbycharakter.» Doch die kritischen Stimmen verschwanden schneller als gedacht. «Nach zwei, drei Wochen hatte man das Gefühl, als wäre es nie anders gewesen», erzählt Bill. Auch Co-Trainer Patrick Matti spricht von einer Harmonie: «Heute ist es wirklich egal, ob jemand aus dem Obersimmental oder aus dem Saanenland kommt. Man geht zusammen in den Ausgang, zusammen in die Ferien. Das ist für die Region etwas Gutes.»
Eine Mannschaft aus Kollegen
Beim Training fällt sofort auf: Diese Mannschaft kennt sich. Viele spielen seit der Juniorenzeit zusammen. Dieser Teamgeist scheint ein Schlüssel zum Erfolg zu sein. Während andernorts Spieler kommen und gehen, ist beim Team Simme/Saane ein stabiles Kollektiv gewachsen. Das spürt man auch neben dem Platz. Vieles wirkt freundschaftlich, fast familiär. Es wird gelacht, gescherzt, gegenseitig aufgezogen. Gleichzeitig herrscht eine auffallend hohe Disziplin. Denn der Aufwand ist nicht ohne. Trainiert wird zweimal pro Woche: dienstags in Saanen, donnerstags in Zweisimmen. Viele Spieler studieren oder arbeiten unter der Woche in Bern oder anderen urbanen Regionen. Trotzdem reisen sie regelmässig ins Oberland zurück. «Es ist schon bemerkenswert, dass immer noch so viele diesen Aufwand auf sich nehmen», sagt Spieler Fabian Knubel aus Zweisimmen.
Trainer Bill macht jedoch klar: Wer Teil der ersten Mannschaft sein will, muss präsent sein. «Wir erwarten schon, dass sie fleissig anwesend sind», sagt er. «Fussball funktioniert nur, wenn man zusammen trainiert und dies regelmässig.»
Der Trainer als prägende Figur
Patric Bill ist für einige weit mehr als einfach nur der Trainer an der Seitenlinie. Marco Bertsch aus Saanen und Loris von Grünigen aus dem Turbach gehören zu jener Generation, die praktisch mit Bill aufgewachsen ist. Beide spielen seit den Juniorenjahren unter ihm. «Seit den F-Junioren sind wir eigentlich schon mit Patric unterwegs», erzählt von Grünigen. Auch Bertsch war früh Teil seiner Teams. Heute – beide Anfang 20 – bilden sie zusammen mit weiteren langjährigen Weggefährten das Gerüst der Mannschaft.
Über ihren Trainer sprechen beide mit grossem Respekt. «Er ist immer mit vollem Herzblut dabei», sagt Bertsch. «Man merkt das im Training und auch an den Spielen.» Bill habe das Team über Jahre geprägt, sportlich wie menschlich. Auch von Grünigen beschreibt ihn als wichtige Bezugsperson: «Er ist eine Autoritätsfigur und ein Vorbild. Er hat uns nicht nur auf dem Platz geformt, sondern auch neben dem Fussball.»
Bill besitzt das B-Diplom und könnte ihrer Meinung nach deutlich höher trainieren. Trotzdem bleibe er bei ihnen im Oberland. Dazu sagt Bill: «Ich würde den Jungs den Aufstieg enorm gönnen. Viele von ihnen könnten meiner Meinung nach auch in höheren Ligen problemlos mithalten.» Beim Training fällt auf, wie intensiv Bill arbeitet. Er coacht permanent, korrigiert Laufwege und fordert Konzentration. Besonders wichtig scheint ihm derzeit das Mentale. «Eine unserer Krankheiten ist manchmal, dass wir zu leise sind und zu wenig miteinander kommunizieren», sagt Bill. Gerade weil die Mannschaft so jung sei, müsse sie lernen, Verantwortung zu übernehmen und auf dem Platz den Ton anzugeben.
Jung, talentiert und hungrig
Tatsächlich gehört das Team Simme/ Saane zu den jüngeren Teams der Liga. Viele Spieler sind erst Anfang 20. Aber dennoch: Die Mannschaft sei reifer geworden in den letzten Jahren, so der Wegbegleiter Bill. «Man merkt halt schon: 20 ist etwas anderes als 17.» Der Verein setzt konsequent auf eigene Nachwuchsspieler. Talentierte Junioren trainieren früh mit der ersten Mannschaft mit. Eine Strategie, die intern nicht immer unumstritten sei, aber Wirkung zeige. Darauf bestehe er, so Bill. «Die besten Junioren sollen bei uns trainieren.» Die Mischung scheint derzeit zu stimmen. Jung, ehrgeizig, eingespielt. «Wir haben einen guten Drive», pflichtet Patrick Matti seinem Trainerkollege bei. «Jeder ist ehrgeizig.»
Noch ist nichts entschieden
Trotz Tabellenführung bleibt die Mannschaft vorsichtig. Die Erinnerung an die vergangenen Jahre sitzt tief. Zweimal verpasste das Team Simme/Saane den Aufstieg nur knapp. «Mit drei Punkten Vorsprung reicht eine Niederlage, und dann ist wieder alles offen», sagt Loris von Grünigen. Auch Patrick Matti mahnt zur Demut: «Es kann noch sehr viel passieren.» Doch gleichzeitig ist spürbar: Diese Mannschaft glaubt an sich. Vielleicht gerade deshalb, weil sie mehr ist als nur ein gewöhnliches 4.-Liga-Team. Team Simme/Saane ist längst zu einem regionalen Gemeinschaftsprojekt geworden. Zu einer Mannschaft, die aus zwei kleinen Vereinen entstanden ist und nun gemeinsam Geschichte schreiben könnte.








