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«I Am My Bodyguard»

Fr, 13. Dez. 2019
James und Kathrin Otigbah kurz vor der zweiten Reise nach Kenia Ende November. FOTO: SONJA WOLF

James und Kathrin Otigbah haben eine Vision: Kindern, Jugendlichen und Frauen Selbstvertrauen und fundamentale Selbstschutztechniken beizubringen, um Mobbing und Gewalttaten – einschliesslich geschlechtsbezogener Gewalt – vorzubeugen.

SONJA WOLF
«Es war eine super Sache und ich fühle mich jetzt selbstbewusster. Danke!», so das Fazit einer Jugendlichen nach beendetem Workshop. Eine andere Teilnehmerin fand gut, «dass ihr erklärt wurde, wie man Konflikte meidet und dass sie allein mit der Stimme viele Problemsituationen schnell beenden kann». Ziel erreicht, denn genau darum geht es den Gründern von «I Am My Bodyguard», James und Kathrin Otigbah: «Natürlich bringen wir den Kindern und Jugendlichen auch einige Griffe und Bewegungen aus der Selbstverteidigung bei.» Diese können sie am Ende des Kurses in der «Red Zone» an Attrappen oder auch am Trainer ausprobieren. «Aber das Wichtigste ist uns, dass sie lernen, Selbstvertrauen aufzubauen und ihr Bewusstsein für die Gewaltproblematik zu schärfen», ergänzt Kathrin Otigbah.

Ursprünge in der Region
Die Idee, Kurse zur Konfliktbewältigung und Selbstverteidigung anzubieten, kam James Otigbah im Jahr 2010, nach einem Gespräch mit dem Direktor der internationalen Schule Le Rosey, mit der er bis heute in diesem Bereich zusammenarbeitet. 2012 wurde er von der nichtstaatlichen Organisation «Innocence en danger» angefragt, einen Kurs für Kinder zu entwickeln, die sexuell missbraucht wurden, damit sie ihr Selbstbewusstsein zurückerlangen könnten. Als Sicherheitsspezialist hatte er aber bereits früh das Bedürfnis, nicht nur bereits missbrauchten Kindern zu helfen, sondern vielmehr Präventionshilfe anzubieten, damit es gar nicht erst so weit kommt. Er konziperte also entsprechende Präventionskurse und bot diese zunächst in der Region an. Nach Le Rosey und der Organisation «Innocence en danger», die ihren Sitz in Château-d’Oex hat und die Kurse jeweils in ihrem Sommercamp in Gstaad anbietet, kam rasch noch die Juga Saanenland-Obersimmental dazu. Auch andere Schulen buchten mit eigenem Budget Workshops für ihre Schüler wie die JFK-Schule oder zuletzt die Saaner Grundschule im Mai 2019. Die Rütti-Schule bot ihren Schülern die Kurse im Rahmen ihrer Projektwoche «Sicherheit und Gesundheit» im Mai 2018 an (der «Anzeiger von Saanen berichtete am 25.5.2018).

Workshops in Kenia
Während eines zweijährigen Mandats von 2014 bis 2016, als Otigbah als Sicherheitsbeauftragter für die Schweizer Botschaft in Nairobi arbeitete, kam er in Kontakt mit Eunice Nuna. Selbst ein Missbrauchsopfer, hatte sie die Institution «Wounded Healers Foundation» für sexuell Missbrauchte gegründet und leitet sie auch bis heute. Angesichts der prekären Lage in vielen afrikanischen Slums oder ländlichen Gegenden bot Otigbah auch dort an, seine bereits konzipierten Workshops durchzuführen, um eher präventive Hilfe anbieten zu können. Zu diesem Zweck gründete er in Nairobi zusammen mit Eunice Nuna eine nichtstaatliche Hilfsorganisation.

Im Sommer 2019 war es dann so weit: James Otigbah und sein Mitarbeiter Chris Yumba reisten nach Kenia, um die Situation zu analysieren, lokale Trainer zu wählen und auszubilden und um auch die ersten «I Am My Bodyguard»-Kurse durchzuführen. Diese fanden in einer Schule und in einem Heim statt, das sich um sexuell missbrauchte Mädchen kümmert. Insgesamt 100 Kinder von beiden Institutionen wurden trainiert. Ende November reisten sie noch einmal nach Kenia, um weitere 1000 Kinder zu unterrichten. «Geplant ist, zunächst alle zwei bis drei Monate vor Ort zu sein, aber bald sollen die einheimischen Instruktoren in dem Masse trainiert sein, dass sie die Organisation und Durchführung der Kurse selbst übernehmen können», präzisiert Kathrin Otigbah.

«Kids for kids»-Prinzip
Finanziert werden die Präventionskurse des Schweizer und des kenianischen Vereins im Moment noch grösstenteils durch Spendengelder. Die Otigbahs arbeiten aber daran, ein selbsttragendes Modell aufzubauen, beispielsweise nach dem «Kids for kids»-Prinzip: Die Kurse werden Schulen und Vereinen angeboten, die es sich leisten können, dafür zu bezahlen. Mit diesen Einnahmen werden Workshops für Kinder aus einfachen Verhältnissen in Kenia finanziert. Die Unterweisung in Afrika sei umso wichtiger, als die Mädchen und Frauen es dort «kulturell bedingt nicht einmal wagen, ihrem Angreifer in die Augen zu schauen – sie kommen schüchtern und zurückhaltend in die Workshops und gehen selbstbewusst wieder raus», wissen die Begründer aus ihren ersten Erfahrungen vor Ort zu berichten.

Sicherheit im Saanenland
Aber auch in der Region haben die Workshops zur Vermittlung eines Basis-Sicherheitsverhaltens einen festen Platz verdient. Die Kurse sind bezüglich Inhalt und Dauer an das Alter und die Interessen der Kinder angepasst und dauern entsprechend zwischen drei und sechs Stunden. Auf dem Programm steht dann Konfliktmanagement bezüglich aller Themen, die den Körper betreffen: Drogen, vor allem Alkohol und Rauchen, Vergewaltigung oder Messerattacken. Bei Grundschülern in den kompakteren Kursen wird zunächst Mobbing thematisiert, bevor es im zweiten Teil um die Verteidigungstechniken geht, wenn tatsächlich das Leben bedroht ist. Das Trainerteam besteht aus Security Agents, Sportlehrern, aber auch Grundschullehrern, die Kampfsportarten in ihrer Freizeit als Hobby ausüben. Je nach anfragender Schule übernehmen englischsprachige oder deutschsprachige «I Am My Bodyguard»-Trainer die Workshops, denn die Schüler fühlen sich bei den schulexternen Trainern freier, wagen es eher, private Fragen zu stellen und gehen mutiger an die Praxisübungen heran. «Alle Kinder und Jugendliche verdienen es, mindestens einmal jedes Jahr einen Kurs zum Thema ihrer eigenen Sicherheit zu besuchen. Und wenn diese dann dank der Workshops in einer eventuellen Mobbing- oder Gewaltsituation richtig reagieren, haben wir viel erreicht!», resümiert James Otigbah.


ZUR PERSON

James Otigbah ist Eigentümer und Geschäftsleiter von Excel Security Solutions AG. Mit seiner umfangreichen Erfahrung im Bereich der exekutiven Sicherheit war er bereits in den meisten europäischen Ländern, in Mexiko, den USA, Hongkong und Thailand, in arabischen sowie afrikanischen Ländern tätig. Unter anderem arbeitete er während eines zweijährigen Mandats als Sicherheitsberater/Dritter Sekretär an der Schweizer Botschaft in Nairobi, Kenia.

SONJA WOLF

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