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Frauen revolutionieren die Kunstwelt

Di, 03. Mär. 2020
Cecilia Roger, die bald in Saanen wohnhafte Künstlerin, stellte bei «Sexy Gstaad» aus und fördert andere Künstlerinnen

Frauen für Frauen: 55 Künstlerinnen aus 35 Ländern stellten am vergangenen Wochenende im Huus Hotel Gstaad ihre Werke aus. Damit setzten sie ein Zeichen gegen die männliche Vorherrschaft in der Kunstszene.

KEREM S. MAURER
Die Idee hinter dieser Ausstellung war so simpel wie wirkungsvoll: Einige in der weltweiten Kunstszene etablierte Kuratorinnen und Künstlerinnen haben sich zu einer engagierten Gruppe mit dem Namen Artsfemin Warriors zusammengeschlossen. Sie wollen das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Kunstwelt ausgleichen. Eine Statistik zeige, dass weniger als 30 Prozent der Galerien weibliche Künstlerinnen vertrete, schreiben sie in einer Mitteilung. Ebenso betrage der Anteil an verkauften Werken von Frauen auf grossen Kunstmessen gerade mal 15 Prozent. Um dies zu ändern, haben sich die Artsfemin Warriors zum Ziel gesetzt, aufstrebenden Künstlerinnen, die nicht von grossen Galerien vertreten werden, eine Möglichkeit zu schaffen, ihre Werke interessierten Kunstliebhabern und -sammlern fernab von öffentlichen Kunstmessen präsentieren zu können.

Revolutionäre Künstlerinnen
«Schaut euch an, welch wunderbare Kunst wir erschaffen. Wir sind Frauen, Künstlerinnen und Kriegerinnen!», sagte Leticia de Prado, Initiantin der Artsfemin Warriors, anlässlich ihrer Eröffnungsrede an der Vernissage vom vergangenen Freitag. Und die Pariser Künstlerin Princess Hermine de Clermont-Tonnerre, die mit extravaganten Exponaten auf sich aufmerksam machte, erläuterte, warum es sich bei den Artsfemin Warriors tatsächlich um eine revolutionäre Idee handle. Denn noch nie in der Kunstgeschichte hätten sich ausschliesslich Frauen zusammengetan, um Ausstellungen exklusiv für Künstlerinnen zu organisieren. Mit ihren Ausstellungen an «strategischen, hochkarätigen Luxusorten» wollen die Künstlerinnen zu einem Gedankenaustausch über Geschlecht, Sexualität und Kultur anregen, so die Artsfemin Warriors. Dafür sei Gstaad wie geschaffen.

Mit Kunst aus dem Saanenland
Eine Künstlerin aus dem Saanenland war mit ihren Werken nicht nur ein Teil von «Sexy Gstaad», sondern ihr Name tauchte auch im entsprechenden Kunstkatalog der Ausstellung als Artsfemin Warrior auf: Cecilia Roger, die ihr Atelier in Saanen hat. Die gebürtige Mailänderin wohnt zurzeit noch in Rougemont, will sich aber ab dem 1. Juni in Saanen niederlassen. Warum sie bei «Sexy Gstaad» mitmachte? Einerseits, weil es der erste Event dieser Art in Gstaad war, den sie unterstützen wollte, und auch, weil sie mit ihrer Arbeit inmitten zahlreicher Kunstmalerinnen etwas anderes zeigen wollte. «Nadeln sind meine Pinsel, Fäden meine Pigmente und kostbare Stoffe meine Leinwände», erzählte Cecilia Roger. Sie benutze diese Werkzeuge, um ihre Kreativität in der Kunst der Stickerei und des Textils auszudrücken. «Meine bestickten Schriftrollen, Kissen und Faltwände, die von der japanischen Kultur und Technik inspiriert sind, verleihen Ihrem Zuhause Gelassenheit», ist sie überzeugt, und sie sorgten bei «Sexy Gstaad» für Abwechslung.

Coronavirus schmälerte Besucherstrom
Am Sonntagabend nach der dreitägigen Ausstellung war bei den Künstlerinnen nicht mehr ganz so viel von der anfänglich Euphorie zu spüren. Obschon die Ausstellung gemäss Programm bis um neun Uhr Abends hätte andauern sollen, waren viele Künstlerinnen gegen sieben Uhr bereits am zusammenpacken. Die Ausstellung hatte nicht den grossen Anklang gefunden, den sich die Artsfemin Warriors erhofft hatten. Wohl seien einige Werke verkauft worden und es hätten sich zahlreiche Besucher sehr für die Kunst der Frauen interessiert, was später bestimmt noch zu Verkäufen führen würde, sagte Leticia de Prado, doch grundsätzlich sei die Ausstellung eher mässig besucht worden. Sie findet schnell einen Grund dafür: «Das Coronavirus hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht», ist de Prado überzeugt. «Viele Leute, die sich angemeldet haben, sind deswegen nicht angereist.» Das sei zwar schade, hindere aber die Artsfemin Warriors nicht, an ihren Zielen festzuhalten und sich weiter für Künstlerinnen einzusetzen.

Huus Hotel war der richtige Ort
Für Mirka Czybik, Direktorin des Huus Hotels Gstaad, war «Sexy Gstaad» eine tolle Sache. «Der Gedanke, dass Frauen eine Ausstellung für Frauen bei uns machen, wo das Hotel von einer Frau geführt wird, passt doch super!», lachte die Hoteldirektorin. Doch dies sei kaum das wichtigste Kriterium für die Wahl gewesen. Überzeugt hätte eher das Raumangebot, welches genug Platz für Exponate bot sowie die Kapazität des Hotels, die 50 angereisten Künstlerinnen übers Wochenende zu beherbergen. Auf die Frage, ob Mirka Czybik selber auch kunstinteressiert sei und allenfalls vielleicht ein Werk einer Artsfemin-Künstlerin besitze, verneinte sie lachend: «Ich bin weniger kunstinteressiert als hotelinteressiert!»

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