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«Neu Rellerli» ist in der Startphase

Di, 24. Nov. 2020
Kurvenlos in die Zukunft: Die neue Gondelbahn wird in direkter Linie von der Tal- zur Bergstation führen. FOTOS: ANITA MOSER

Die Freunde des Rellerli strahlen Zuversicht aus: Das Plangenehmigungsverfahren für eine neue Rellerlibahn ist in der Startphase. Mit einem reibungslosen Verfahren ohne Einsprachen könnte die Bahn Ende 2023 den Betrieb aufnehmen.

ANITA MOSER
Sein Ziel sei es, etwas leisere Töne anzuschlagen, betonte Heinz Welten nach seiner Wahl zum Präsidenten des Vereins Freunde des Rellerli vor einem guten Jahr. Trotz über 1000 Mitgliedern seien die Freunde des Rellerli als Störenfriede empfunden worden, so Welten. Im vergangenen Jahr hätten Peter Ryter und er die Taktik geändert.

Die etwas leiseren Töne scheinen zu fruchten. Das Projekt für eine neue Rellerlibahn nimmt weiter Form an. Vor Kurzem haben erste Begehungen mit verschiedenen kantonalen Ämtern stattgefunden, weitere stehen noch an. «Der Kanton verlangt die nutzungsplanerische Festlegung des Seilbahnkorridors in Form einer Überbauungsordnung, erklärt Heinz Welten. Die ÜO wurde nun in die Wege geleitet, Vertreter des Vereins haben bei den Behörden Ende Oktober vorgesprochen. «Uns wurde für die weiteren Planungsschritte Unterstützung zugesichert, aber man hielt auch fest, dass wir weder für den Bau noch für den Betrieb der Bahn finanzielle Unterstützung bekommen. Weder jetzt noch in Zukunft», so Welten.

Der Verein habe den Gemeinderat um eine Stellungnahme gebeten, es habe eine Annäherung gegeben. Die Gespräche seien konstruktiv gewesen, bestätigt Gemeindepräsident Toni von Grünigen auf Anfrage. «Sie haben das gleiche Recht wie alle anderen auch. Wenn sie mit einem Anliegen an die Gemeinde gelangen mit einem Plan, für eine Umzonung oder eine ÜO, werden sie unterstützt wie alle anderen Gesuchsteller auch – unabhängig vom damaligen Volksentscheid, die Gondelbahn am Rellerli stillzulegen. Aber wir haben auch klar festgehalten, dass die Bahn privat finanziert werden muss, dass sie weder jetzt noch in Zukunft öffentliche Gelder erwarten können.»

Tal- und Bergstation können genutzt werden
Erstmals in der Vereinsgeschichte konnte der Verein auch zur Besitzerin der Tal- und Bergstation, zur Mountain View AG, Kontakte knüpfen. «Es galt, Vorurteile abzubauen», erklärt Heinz Welten. Die Gespräche mit der Mountain View AG seien offen und fair.

Grösster Erfolg im vergangenen Jahr sei die schriftliche Zusage der Mountain View AG, dass für die neue Rellerlibahn die bestehende Tal- und Bergstation genutzt werden dürfe. Zu welchen Konditionen ist noch offen, die vertragliche Vereinbarung muss noch erarbeitet werden.

Eine kurvenlose Linienführung
Die Kurve hat die Rellerlibahn «berühmt» gemacht. Die neue Bahn wird ohne diese Kurve auskommen (müssen). Sie führt in direkter Linie von der Tal- zur Bergstation. Dem Projektteam «Neu Rellerli» steht mit Raphael Reinle von der Garaventa AG ein erfahrener Bergbahnenspezialist als Projektleiter vor. «Der Innerschweizer kennt das Rellerli gut. Er hat schon 2018 ein erstes Projekt für unseren Verein ausgearbeitet», erklärt Heinz Welten. Damals sprach man noch von VIP-Gondeln für die Mountain View AG. Davon ist man abgekommen. «Es gibt keine VIP-Gondeln und bezüglich Frequenzen auch keine Hochleistungsbahn wie die neue Eggli- oder Saanerslochbahn.» Weiter stellt Welten klar, dass nicht etwa die Mountain View AG zuständig sei für die Bahn, sondern der Verein Freunde des Rellerli.

Das nun vorliegende Projekt sei auf die künftigen Erfordernisse am Rellerli massgeschneidert. Die Projektierungsarbeiten für «Neu Rellerli» seien weit fortgeschritten, schreibt der Projektleiter in seinem Bericht, der den Vereinsmitgliedern zusammen mit dem Jahresbericht des Präsidenten schriftlich zugestellt wurde. Das Projekt setze auf besten Einbezug der bestehenden Tal- und Bergstation. «Ebenfalls konnten das Bahnsystem und die ideale Linienführung aus wirtschaftlicher, betrieblicher, aber auch aus Sicht der Natur und des Landschaftsschutzes definiert werden.» Die Projektorganisation für die Plangenehmigung sei gut aufgegleist. Gespräche mit der Gemeinde, den Landeigentümern, dem Bundesamt für Verkehr und den kantonalen Fachstellen sowie diversen Projektpartnern hätten stattgefunden oder würden demnächst organisiert. Und alle Landeigentümer seien dem Projekt wohlgesinnt.

Finanzbedarf und Finanzierung noch offen
Die Kosten für die Plangenehmigung belaufen sich auf 400’000 bis 500’000 Franken. Noch offen ist der Finanzbedarf für die neue Bahn. Beim ersten Projekt 2018 sprach man von 10 bis 12 Millionen Franken. Er wolle sich nicht aus dem Fenster lehnen, aber diese Grössenordnung dürfte auch für die neue Bahn in etwa hinkommen, so Welten. Erst wenn man grünes Licht für «Neu Rellerli» sehe, werde der Verein die Unternehmensform und Finanzierung der Ersatzbahn anpacken, informierte der Vorstand die Mitglieder.

Als Sommerberg positioniert
Die Welt werde nach Corona eine andere sein, sagt der Vereinspräsident. Auch am Rellerli werde es die alte Normalität nicht mehr geben. Doch es gelte, das Potenzial des Rellerlis «als schönsten Aussichtsberg der Destination Gstaad nachhaltig und clever zu nutzen». Das Rellerli werde künftig ganz klar als Sommerberg positioniert. Skibetrieb ganz wie früher werde kaum mehr möglich sein. «Aber es ist ein schönes Wandergebiet – im Sommer wie im Winter.»

«Unsere Haltung ist grundsätzlich immer noch dieselbe», betonen Tourismusdirektor Flurin Riedi und GST-Präsident Oliver Waser. «Uns geht es um eine nachhaltige Entwicklung des Gebietes Rellerli, Sparenmoos, Jaun, um einen naturnahen Tourismus mit Einbezug der Land- und Alpwirtschaft und aktiven Naturerlebnissen während des ganzen Jahres. Wandern und Biken im Sommer und Winterwandern, Schneeschuhlaufen und Skitouren im Winter.»

Eröffnung Ende 2023
Die ganze Planung brauche viel Zeit, betont Heinz Welten. «Falls alle raumplanerischen und bewilligungstechnischen Schritte in den üblichen Fristen abgewickelt werden können und keine Einsprachen das Projekt behindern, kann davon ausgegangen werden, dass die Bahn auf das Rellerli im Dezember 2023 wiedereröffnet werden kann», schreibt Projektleiter Raphael Reinle.

www.reller.li

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