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Abländschen: k(l)eine Konsequenzen bei Naturpark

Fr, 30. Apr. 2021
Neben dem Schutz der Biodiversität soll der Regionale Naturpark dem Tal von Abländschen neue nachhaltige wirtschaftliche Perspektiven bieten.

Im März hätte die Saaner Bevölkerung über den Beitritt Abländschens zum Regionalen Naturpark Greyerz Pays-d’Enhaut abstimmen sollen – was coronabedingt auf die Gemeinde-Urnenabstimmung am 13. Juni verschoben werden musste. Aber was ist ein Naturpark überhaupt und wie ist das Projekt vor zehn Jahren entstanden? Welche Ziele werden damit verfolgt? Gibt es Konsequenzen für das Tal, ist etwa mit Restriktionen in der Landwirtschaft und im Tourismus zu rechnen?

MARTIN GURTNER-DUPERREX
«Manchmal reagieren Mitglieder von Gemeindebehörden, aber zum Teil auch Landbesitzer, Bauern und Jäger negativ auf Naturschutzprojekte», bedauert François Margot, Geschäftsführer des Regionalen Naturparks Greyerz Paysd’Enhaut. Als ehemaliger Direktor von Pays-d’Enhaut Région kennt er auch das Saanenland gut. «Man befürchtet vielleicht, dass sich externe Technokraten und Naturschützer in die lokalen Angelegenheiten einmischen und Verbote, Restriktionen sowie die Abschottung von gewissen Gebieten veranlassen könnten.» Im Zusammenhang mit der Kandidatur von Abländschen für den Beitritt zum Regionalen Naturpark Greyerz Pays-d’Enhaut betont Margot aber ausdrücklich, dass solche Befürchtungen völlig unbegründet seien: «Weder für die Biosphäre noch für den Park sind solche Restriktionen vorgesehen. Wir sind weder Besitzer noch Verwalter des Parkgebiets, jeder Landeigentümer kann frei nach seinem Gutdünken wirtschaften. Alle Naturschutzmassnahmen und die Teilnahme an den verschiedenen Projekten sind freiwillig.»

Eine Verpflichtung, die Natur zu schützen
Mit dem Parkbeitritt gebe es nebst dem bescheidenen, jährlich durch die Gemeinde Saanen zu bezahlenden Betrag von rund 3200 Franken für das Abländschner Tal keine grossen Konsequenzen oder Veränderungen in der Land-, Alp- und Waldwirtschaft, beteuert François Margot. «Trotzdem muss die Gemeindeversammlung von Saanen den strategischen Nachhaltigkeitszielen der Naturparkcharta zustimmen.» Diese sieht vor, dass die Natur und Landschaft der Pärke aufgewertet und eine nachhaltig betriebene Wirtschaft gestärkt werden müssen. Wenn der Gemeinderat zum Beispiel im Park den Bau eines Luxusresorts bewilligen würde, stünde dies klar im Widerspruch zur Charta, so Margot. «Obwohl es keine aufgezwungenen Veränderungen gibt, besteht die Verpflichtung, die Natur zu schützen, nachhaltig zu bewirtschaften sowie die Artenvielfalt der einheimischen Fauna und Flora zu verbessern und zu bewahren», erklärt er. «Freiwillige Aktionen, die positive Auswirkungen auf die Landschaft und deren Bewirtschaftung haben, sind durchaus erwünscht. In den Gemeinden, die seit Beginn des Naturparks mit dabei sind, gab es mehr Bemühungen zur Erhaltung des Naturerbes als in anderen Orten.» Gute Beispiele sind Projekte zur Erhaltung der Biodiversität und Pflanzenvielfalt – wie die Pflanzung von über 800 Hochstammobstbäumen – sowie die Aktion «Ökonomie der Nähe 2020», die darauf abzielt, Initiativen von Unternehmen der Region zu unterstützen, die sich im Sinn der Ökonomie der Nähe engagieren. So wird Holz aus dem Park bei einheimischen Firmen und den Gemeinden gefördert.

Zur Förderung des schwächelnden Tourismus
Die Revision des Natur- und Heimatschutzgesetzes 2007 ermöglichte die vom Bund anerkannte Entstehung von Regionalen Naturpärken. Ein Jahr zuvor war gemäss François Margot der Verein Regionaler Naturpark Greyerz Pays-d’Enhaut 2006 mit den Gemeinden Château-d’Oex, Rossinière, Charmey und Haut-Intyamon (von Montbovon bis Neirivue) ins Leben gerufen worden. Im Pays-d’Enhaut wollte man aber schon ab den Neunzigerjahren etwas zur Förderung des schwächelnden Tourismussektors tun. «Zuerst dachten wir an ein Unesco-Biosphärenreservat, so wie es heute im Entlebuch besteht», erzählt Margot. Aber die Gemeinde Rougemont habe diese Idee abgelehnt, weil sie wohl zu starke Einschränkungen im Tourismus und der Landwirtschaft befürchtete. 2009 wurde das Naturparkprojekt, dieses Mal inklusive Rougemont, Ormont-Dessous (Les Mosses), das untere Intyamon-Tal, das Jauntal (ohne Jaun) und Montreux/Villeneuve – mit einem Teil des Hongrintals, dem Rochers de Naye und Schloss Chillon – dem Bund vorgelegt und 2012 anerkannt. Nun muss der Managementplan des Parks mit den neu 17 Mitgliedergemeinden für weitere zehn Jahre erneuert werden.

«Das ist eine gute Sache für Abländschen»
«Wir nahmen die Erneuerung zum Anlass, die Gemeinde Jaun sowie Abländschen – da sie sich mit den Gastlosen im natürlichen Einzugsgebiet des Parks befinden – anzufragen, ob sie Interesse hätten, beizutreten», erklärt Fran- çois Margot weiter. Nach positiver Rückmeldung wurden neben den Gemeinden Saanen (für Abländschen) und Jaun auch die Stadt Greyerz und Corbeyrier als Kandidaten aufgenommen und das Parkgebiet von 503 auf 630km2 erweitert. Die drei letzteren beschlossen den Beitritt schon 2020 per Entscheid der Gemeindelegislativen.

Gemäss dem Verwaltungsdirektor von Saanen, Thomas Bollmann, hätte man ursprünglich im März 2021 an der Saaner Gemeindeversammlung darüber beschliessen sollen, was aber aufgrund der Corona-Situation auf die Gemeinde-Urnenabstimmung am 13. Juni verschoben werden musste. «Es ist ein spezielles Geschäft, denn obwohl die Mitgliedschaft die Gemeinde Saanen praktisch nichts kostet und nur Abländschen betroffen ist, muss die Saaner Bevölkerung darüber entscheiden, weil übergeordnetes Recht im Spiel ist», sagt er. Denn die kantonale Gesetzgebung gebe ausdrücklich vor, dass die Bevölkerung der Parkgemeinden in den Beitrittsprozess eingebunden und über die Mitgliedschaft im Park abstimmen müsse. Auch für Thomas Bollmann handelt es sich um eine logische Erweiterung des Parkgebiets. Der Schutz der Biodiversität, die Förderung von natürlicher Energie und schonender Umgang mit Ressourcen lassen sich seiner Meinung nach sehr gut mit der touristischen Ausrichtung des Parks und der Vermarktung der erhaltenswerten Landschaft verbinden. «Dies erschliesst für Abländschen neue wirtschaftliche Perspektiven, ohne dass es nennenswerten Einschränkungen geben wird», betont der Verwaltungsdirektor.

Und was meint man in Abländschen dazu?
Der Abländschner Dorforganisationspräsident Hanspeter Dänzer meint zur Stimmung im Dorf: «Ich denke, die Mehrheit ist für den Parkbeitritt. Obwohl die Leute vielleicht mit Corona und schlechter Internetverbindung gerade andere Sorgen haben, habe ich nichts Negatives gehört.» Natürlich habe es gewisse Ängste gegeben, dass wegen neuen Einschränkungen die Abwanderung der Bevölkerung zunehmen könnte. «Das hat sich aber erledigt, denn die Parkleitung hat klar kommuniziert, dass sie so etwas nicht wolle.» Das Leben solle stattfinden, Projekte durchgeführt, altes kulturelles Handwerk weitergepflegt werden. Dabei hätten die positiven Erfahrungen der benachbarten Regionalen Naturpärke Gantrisch und Diemtigen bestimmt eine Rolle gespielt. Leise Kritik schwingt jedoch mit, wenn der Dorforganisationspräsident sagt, dass die Abländschner bisher wenig informiert worden seien, wie es weitergehe. «Ausser einem Anlass in Jaun vor ein paar Jahren, an dem auch einige Personen aus Abländschen teilnahmen, gab es im Dorf keine offizielle Infoveranstaltung», so Dänzer. Laut der Parkverwaltung wäre im Februar eine Veranstaltung mit einer Vertretung des Gemeinderats geplant gewesen, diese musste aber coronabedingt abgesagt werden. Und Thomas Bollmann erinnert daran, dass der Gemeinderat über die fehlende Möglichkeit zur persönlichen Information jeweils ihr Bedauern äussere.

Nun liegt es also an der Saaner Bevölkerung, darüber zu entscheiden, ob die geplante Parkerweiterung um Abländschen zustande kommen wird oder nicht. Man darf gespannt sein!

Weitere Informationen und Empfehlungen für Parkbesuchende (Wanderer, Biker, Hundehalter usw.): www.gruyerepaysdenhaut.ch


DIE REGIONALEN NATURPÄRKE

In der Schweiz gibt es 16 Regionale Naturpärke, die gut 13 Prozent der Landesfläche der Schweiz bedecken. Sie liegen in den Kantonen Bern (Gantrisch und Diemitgen), Waadt/Freiburg (Greyerz Pays-d’Enhaut), Wallis und Graubünden sowie in der Innerschweiz.

Gestützt auf das Natur- und Heimatschutzgesetz (NHG) wird das Label Regionaler Naturpark seit 2008 vom Bund vergeben und ist an bestimmte Vorgaben geknüpft. Anerkannte Pärke erhalten zur Erreichung der Pärkeziele finanzielle Mittel. Das Label muss alle 10 Jahre erneuert werden.

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